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Direktor der Europäischen Akademie hält Festvortrag zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Helmut Schmidt: Kann Politik

27.02.2007 - (idw) Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH

Bad Neuenahr-Ahrweiler, 27.2.2007. - Professor Dr. Dr. h.c. Gethmann, Direktor der Europäischen Akademie GmbH, hält heute anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität Marburg an Altbundeskanzler Schmidt einen Festvortrag. Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie "erkennt in Helmut Schmidt den Philosophen im Politiker". Neben Gethmann werden Professor Dr. Peter Janich (Institut für Philosophie der Philipps-Universität) und Professor Dr. Volker Nienhaus (Präsident der Philipps-Universität) eine Begrüßung und ein Grußwort sprechen. Gethmann, derzeitiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie e.V. (DGPhil), geht in seinem Festvortrag der Frage nach, ob Politik vernünftig sein kann. Die philosophisch einschlägige Botschaft, die den Schriften von Helmut Schmidt und auch seinem konkludenten politischen Handeln zu entnehmen ist, liegt in der Forderung, das politische Handeln - und zwar keineswegs nur das Handeln der Kaste "der Politiker", sondern aller Bürger, die auf das Funktionieren des Gemeinwesens angewiesen und ihm verpflichtet sind - dem Postulat der praktischen Vernunft zu unterstellen. Die Vorstellung, das politische Handeln könne vernünftig sein, d.h. sich an diskursiv ausweisbaren und somit verallgemeinerbaren Standards orientieren, gilt den meisten Politikern wie auch vielen Vertretern der Wissenschaft von der Politik aller-dings als Ausweis von Naivität und Realitätsfremdheit. Erst recht, wenn die Diskursivität nicht nur auf Sachstandsanalysen, allenfalls noch ökonomische wie juridische Normativität, sondern darüber hinaus auf moralische Normativität bezogen wird. Helmut Schmidt tritt demgegenüber für einen "kategorischen Imperativ für politisches und technologisches Handeln unter Bedingungen einer immer komplexeren Weltgesellschaft auf immer engerem Raum" ein. Einer solchen Forderung wird vor allem von dezisionistischen und kontextualistischen Politik-konzeptionen entgegengetreten. Ein Beispiel für ein solches kontextualistisches Politik-verständnis ist die von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington unter dem Titel des "Kampfes der Kulturen" entwickelte Zukunftsprojektion, dergemäß jede Kultur ihre eigenen normativen Verbindlichkeiten entwickelt, die untereinander nicht kommunikabel sind und im Konfliktfall nur militärisch aufgelöst werden können. Gegenüber derartigen Ansätzen ist im Interesse einer friedlichen Weltgesellschaft mit Helmut Schmidt für einen normativen Universalismus zu plädieren, wie er z.B. in den universellen Menschrechten und (gemäß Helmut Schmidt:) -pflichten seinen Ausdruck findet.

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde wird von Professor Dr. Dirk Kaesler, Dekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie, durchgeführt. Schmidt hält danach im Rahmen der Vorlesungsreihe Christian Wolff einen Vortrag zu "Gewissen und Verantwortung des Politikers" mit anschließender Diskussion.

Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler gGmbH wurde 1996 vom Land Rheinland-Pfalz und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) gegründet. Direktor der Gesellschaft ist der Philosophieprofessor Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann. Wissenschaftlich-interdisziplinäre Arbeitsgruppen widmen sich der Erforschung und Beurteilung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen für das individuelle und soziale Leben des Menschen und seine natürliche Umwelt. In wissenschaftlicher Unabhängigkeit führt die Akademie einen Dialog mit Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Damit will sie zu einem rationalen Umgang der Gesellschaft mit Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen beitragen.

Weitere Informationen: http://www.ea-aw.de
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