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"Globabelisierung" und die Vielfalt der Religionen: RUB-Religionswissenschaftler gewinnen Wettbewerb

28.02.2007 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die religiöse Vielfalt - im Ruhrgebiet auf engstem Raum konzentriert - als gesellschaftliche Herausforderung und Bereicherung begreifen wollen die Religionswissenschaftler der Ruhr-Universität um Prof. Dr. Volkhard Krech: In ihrem Projekt "Der Geist der Globabelisierung und die Vielfalt religiöser Symbolsprachen" werden sie bereits begonnenen Forschungen vertiefen und ihre Ergebnisse medial aufbereiten. Die Resultate sollen in Form von Ausstellungen und Vorträgen, als Inhalte von Schülerprojekten und im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und als Beitrag zur kulturellen Verständigung dienen. Mit ihrem Konzept haben die Forscher den Wettbewerb "Geist begeistert" zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 gewonnen. Sie werden vom Bundesforschungsministerium mit 15.000 Euro bei ihren Arbeiten unterstützt. Bochum, 28.02.2007
Nr. 83

"Globabelisierung" und die Vielfalt der Religionen
Babylonische Verwirrung: Keine Strafe, sondern ein Segen
"Geist begeistert": RUB-Religionswissenschaftler gewinnen Wettbewerb

Die religiöse Vielfalt - im Ruhrgebiet auf engstem Raum konzentriert - als gesellschaftliche Herausforderung und Bereicherung begreifen wollen die Religionswissenschaftler der Ruhr-Universität um Prof. Dr. Volkhard Krech: In ihrem Projekt "Der Geist der Globabelisierung und die Vielfalt religiöser Symbolsprachen" werden sie bereits begonnenen Forschungen vertiefen und ihre Ergebnisse medial aufbereiten. Die Resultate sollen in Form von Ausstellungen und Vorträgen, als Inhalte von Schülerprojekten und im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und als Beitrag zur kulturellen Verständigung dienen. Mit ihrem Konzept haben die Forscher den Wettbewerb "Geist begeistert" zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 gewonnen. Sie werden vom Bundesforschungsministerium mit 15.000 Euro bei ihren Arbeiten unterstützt.

Die andere Seite von Babel

Der Bericht über den Turmbau zu Babel am Schluss der Genesis endet bekanntlich damit, dass Gott die einheitliche Sprache der Menschen "verwirrt". Das wird zumeist als göttliche Strafe für die menschliche Anmaßung interpretiert, und noch im säkularen Kontext - etwa im gleichnamigen Hollywood-Film - steht "Babel" für die negativen Folgen der Globalisierung, für Verständnislosigkeit zwischen den Kulturen. Was aber wäre, wenn der Ausgang dieser Geschichte als Ermöglichung gewollter kultureller und religiöser Vielfalt angesichts der unerreichbar bleibenden göttlichen Sphäre gemeint ist? Bekäme die Verschiedenheit religiöser Überzeugungen und ihrer Symbolsprachen angesichts der Beschränktheit menschlicher Erkenntnis dann nicht eine eigene Dignität innerhalb der Verständigung über Sinn und Ziel des menschlichen Daseins? Diese andere Lesart der biblischen Geschichte bildet den Ausgangspunkt des Projekts, in dem nach Chancen und Grenzen religiöser Vielfalt gefragt wird.

Die große Vielfalt im Ruhrgebiet

Das Projekt steht im Zusammenhang mit Forschungen zu religiösen Pluralisierungsprozessen, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert wurden und neuerdings von der EU gefördert werden. Studierende und Forscher der Religionswissenschaft, aber auch anderer Disziplinen werden gemeinsam die Kenntnis der im Ruhrgebiet vertretenen Religionen und ihre Ausdrucksformen vertiefen. Hier findet sich die Vielfalt auf engstem Raum: Mit griechischen und russischen Migranten kam das orthodoxe Christentum, mit türkischen Familien, iranischen und bosnischen Flüchtlingen der Islam, mit den vietnamesischen Boatpeople und den hindu-tamilischen Flüchtlingen aus Sri Lanka asiatische Religionen ins Ruhrgebiet, und mit den russischen Juden wurde das jüdische Gemeindeleben gestärkt. Aber auch der einheimische Protestantismus und Römische Katholizismus sind längst nicht so einheitlich, wie es den Anschein hat. Die Forscher werden Informationen zur kultischen Praxis, zu in der Volksfrömmigkeit verankerten Vorstellungen, zum Gemeindeleben, zu den Auswirkungen auf den Alltag sowie Aktivitäten interreligiöser Verständigung sammeln. In Form von Berichten teilnehmender Beobachtung, Interviews, Fotos sowie Audio- und Filmmaterial sollen die Ergebnisse dann nach einer Aufbereitung mit Hilfe von Lehrenden der Medienwissenschaft und Museumspädagogen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Geplant sind Ausstellungen mit Vortragsprogramm, Medienberichte, Schülerprojekte in der "Schüleruni" der RUB und ein umfangreicher Internetauftritt.

Mit frischem, unvoreingenommenem Blick

"Da kulturelle Unterschiede nicht selten in verschiedenen religiösen Überzeugungen gründen, versteht sich das Projekt als Beitrag zur kulturellen Verständigung im lokalen, regionalen sowie im nationalen und globalen Kontext", erklärt Prof. Krech. Die Studierenden können sich zugleich mit der religiösen Lage vor Ort vertraut machen und Methoden der medialen Vermittlung des erworbenen Wissens üben. "Die Besonderheit des Vorhabens besteht darin, dass der frische, unvoreingenommene und unverstellte Blick der Studierenden mit wissenschaftlicher Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religionswissenschaft, am Institut für Medienwissenschaft und Museumspädagogen kombiniert wird", so Prof. Krech.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Volkhard Krech, Lehrstuhl für Religionswissenschaft Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/32-22272, E-Mail: religionswissenschaft@rub.de

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