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Wie können teure medizinische Verfahren vernünftig eingesetzt werden?

09.03.2007 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

Interdisziplinärer Forschungsverbund präsentiert erste Ergebnisse Ärztinnen und Ärzten erleben durch die aktuellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen einen zunehmen Druck, Kostenaspekte in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Vorgaben, wie mit dem Kostendruck in einer ethisch vertretbaren Art und Weise umgegangen werden kann, fehlen aber meist. Es können emotionaler Stress, Überforderung und Gewissenskonflikte resultieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des BMBF-Forschungsverbunds "Allokation", bei der Ärztinnen und Ärztinnen aus der interventionellen Kardiologie und Intensivmedizin an drei verschiedenen Kliniken befragt wurden. Eine mögliche Entlastung könnten Zuteilungsentscheidungen ("Welcher Patient bekommt was?") oberhalb der individuellen Arzt-Patient-Beziehung bieten.

An dieser Stelle setzt der vor einem halben Jahr gegründete und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einem Gesamtvolumen von 516.000 Euro geförderte interdisziplinäre Forschungsverbund "Allokation" an. Für ausgewählte medizinische Verfahren aus der interventionellen Kardiologie und der Intensivmedizin sollen Leitlinien entwickelt werden, die auf der Grundlage der verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Maßnahmen und unter Berücksichtigung von Kostenaspekten festlegen, welche Patienten die teuren Verfahren erhalten sollen. Damit soll sichergestellt werden, dass sehr teuere medizinische Maßnahmen vor allem denjenigen Patienten zukommen, die am meisten davon profitieren. Diese kostensensiblen Leitlinien entlasten nicht nur die Arzt-Patient-Beziehung, sondern fördern einen medizinisch rationalen und gerechten Einsatz knapper Gesundheitsressourcen.

Bislang zielen die meisten Reformansätze im deutschen Gesundheitswesen vor allem auf eine Verbesserung der Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Krankversicherung (GKV). Angesichts der anhaltenden Forschrittsdynamik und der Alterung der Bevölkerung werden sich auch bei konsequenter Ausnützung noch vorhandener Wirtschaftlichkeitsreserven steuernde Eingriffe auf der Ausgabenseite nicht vermeiden lassen. Hier fehlen jedoch sowohl konkrete Ansätze, wie diese Leistungsbegrenzungen in einer medizinisch sinnvollen, ökonomisch rationalen und ethisch vertretbaren Weise durchgeführt werden können.

In Abstimmung mit den kooperierenden Kliniken wurden u.a. die folgenden medizinischen Maßnahmen für die Entwicklung exemplarischer kostensensibler Leitlinien ausgewählt:
o Aktiviertes Protein C (Xigris®) zur Sepsisbehandlung, rekombinanter Gerinnungsfaktor VII (Novoseven®) zur Behandlung von Blutungen,
o implantierte Defibrillatoren zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen und
o mit Medikamenten beschichtete Stents zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit.

Koordiniert wird der Forschungsverbund von Prof. Dr. Georg Marckmann vom Tübinger Institut für Ethik und Geschichte der Medizin. Neben der Medizinethik sind auch die Gesundheitsökonomie (Prof. Dr. Jürgen Wasem, Institut für Medizinmanagement, Universität Essen-Duisburg) und das Medizinrecht (Prof. Dr. Stefan Huster, Lehrstuhl öffentliches Recht II, Ruhr-Universität Bochum) beteiligt.

Weitere Informationen zum BMBF-Forschungsverbund "Allokation" finden Sie im Internet auf der Projekthomepage: www.uni-tuebingen.de/medizinethik/allokation


Kontakt:
Eberhard Karls Universität Tübingen
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Prof. Dr. Georg Marckmann, MPH
Schleichstraße 8, 72076 Tübingen,
Tel. 07071/29 78016 Fax 07071/29 5190
E-mail: georg.marckmann@uni-tuebingen.de
www.uni-tuebingen.de/medizinethik
Weitere Informationen: http://www.uni-tuebingen.de/medizinethik/allokation
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