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Versorgung im Notstand: Wer behandelt künftig psychisch kranke Kinder?

14.03.2007 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V.

Präsident der der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie beklagt skandalöse Versorgungssituation Beim diesjährigen Kongress der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), die von Mittwoch, den 14. bis Samstag, den 17. März 2007, an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen stattfindet, hat deren Präsident, Professor Dr. Michael Schulte-Markwort, vor einer gravierenden Unterversorgungssituation für betroffene Kinder und deren Eltern gewarnt. Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beklagte, dass in der Versorgung der betroffenen Kinder und ihrer Familien nach wie vor ein Notstand bestehe, obwohl die reine Häufigkeit von psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter in den vergangenen 30 Jahren nicht zugenommen habe.

Schulte-Markwort: "Die Zahl der vorhandenen Behandlungsplätze reicht bei gleichzeitig differenzierteren und erfolgreichen Therapieprogrammen in Kliniken und Praxen bei weitem nicht aus, um dem Versorgungsbedarf adäquat zu entsprechen." Als weitere Gründe der Unterversorgungssituation führte der Präsident der DGKJP an, dass die diagnostischen Möglichkeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sich in vielen Bereichen verfeinert haben. Zudem habe sich das Wissen um psychische Erkrankungen in der Bevölkerung deutlich verbessert. Dies führe zu vermehrten Empfehlungen und Zuweisungen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weiterhin werden Risikogruppen, wie etwa chronisch kranke Kinder, auf der Grundlage einer sich ebenfalls beständig verbessernden Kinder- und Jugendmedizin früher erkannt und können dadurch eher Zugang zur Kinder- und Jugendpsychiatrie finden. Diesen positiven Entwicklungen könne man allerdings nicht adäquat begegnen, so Schulte-Markwort.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Präsident der DGKJP daran, dass etwa 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen psychisch auffällig sind und zusätzlich weitere zehn Prozent psychosomatische Symptome zeigen. Wenn man davon ausgehe, dass die Hälfte davon auch einer ärztlichen Diagnose bedürften, müsse man mit gut fünf Millionen potenziellen Patienten unter 18 Jahren rechnen. Von diesen wiederum bedürften etwa die Hälfte, also 2,5 Millionen, einer Behandlung. Die Diagnostik hierzu müsse allerdings von nur 640 niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie geleistet werden, für die nicht-medikamentöse Behandlung stünden derzeit zusätzlich 2.500 psychologische Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zur Verfügung. Damit seien Wartezeiten von Monaten bis Jahren für ambulante psychotherapeutische Behandlungen an der Tagesordnung. DGKJP-Präsident Schulte-Markwort: "Offensichtlich ist die Lobby für Kinder und Jugendliche in Deutschland nach wie vor so schwach, dass wir eine derart skandalöse Unterversorgung in Kauf nehmen!"

Kontakt:
Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort
Präsident der DGKJP
Direktor der Klinik und Poliklinik
für Kinder- und Jugendpsychosomatik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel: 040/42803-2715
Fax: 040/42803-5105
Email: schulte-markwort@uke.uni-hamburg.de

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