Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 23. Januar 2020 

Umgang mit Konflikten: Es geht auch ohne Dämonisierung

21.03.2007 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Professor Arist von Schlippe (Universität Witten/Herdecke) und seine Mit-Autoren zeigen in ihrem Buch "Feindbilder" Wege der Deeskalation auf "Die Dämonisierung unserer Gegner ist keine realistische Möglichkeit, unsere Probleme zu lösen", schreibt der Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger und geistiges Oberhaupt Tibets, in seinem Vorwort zu dem jetzt erschienenen Buch "Feindbilder - Psychologie der Dämonisierung". Einer der drei Autoren ist Prof. Dr. Arist von Schlippe, psychologischer Psychotherapeut und Lehrstuhlinhaber für Führung und Dynamik von Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. Das Buch geht der Frage nach, welche Prämissen eskalierenden Konflikten unterliegen, also worin sich zwei Konfliktgegner paradoxerweise "einig" sein müssen, um einen Konflikt ins Extreme hinein zu steigern.

"Feindbilder" ist das dritte Buch, bei dem Arist von Schlippe mit seinem israelischen Kollegen Haim Omer, Psychologieprofessor an der Universität Tel Aviv, zusammenarbeitet. Komplettiert wird das Autorenteam von Nahi Alon, Klinischer Psychologe, ebenfalls aus Tel Aviv. Kernthema ist die "Logik der Eskalation", die Aufdeckung psychologischer Gesetzmäßigkeiten von Konflikten: Wie kommt es dazu, dass wir unser Gegenüber in zunehmend negativem Licht wahrnehmen und es dann mehr und mehr zum Monster machen, das es zu bekämpfen gilt? Zur Analyse treten mögliche Lösungswege. Die Autoren zeigen, wie neue Formen des Konfliktmanagements gefunden werden können - im Kleinen, in der Familie, in Teams, im Unternehmen, genauso wie im Großen, in der Politik und in internationalen Beziehungen.

"Konfliktpartner teilen bestimmte Bilder von Konflikten, wenn sie sich in extremen Formen symmetrischer, sich gegenseitig aufschaukelnder Eskalation befinden", erläutert von Schlippe. Beide Kontrahenten haben gleichermaßen rigide Vorstellungen davon, wie Konflikte auszutragen sind. Die Autoren benennen einige dieser Denkschemata als Prämissen, die eskalativem Handeln zugrunde liegen. So findet sich etwa die Überzeugung der "essentiellen Asymmetrie", nach der man selbst ganz anders sei als die andere Seite - und grundsätzlich gut. Der Drang nach totaler Kontrolle geht mit der Verpflichtung einher, unbedingt gewinnen zu müssen. Ohne eine "Bekehrung" oder aber völlige Unterjochung des Gegners gibt es aus dieser Perspektive keine Lösung. Das Prinzip der Unmittelbarkeit besagt in der Logik der Eskalation, dass jeder Augenblick entscheidend ist: wenn man auch nur ein wenig nachgibt, hat man schon verloren. Dämonisierende Prämissen gehen so mit der Tendenz zur Eskalation einher - das Buch belegt dies anhand von zahlreichen Beispielen aus den unterschiedlichsten Feldern. Sie entstammen vorwiegend der Arbeit mit Familien, sowie aus Familienunternehmen und aus der Politik.

Dem dämonisierenden Denken stellen die drei Psychologen eine Alternative gegenüber: "konstruktive, nicht-dämonische Kämpfe". Ihnen unterliegt eine Sicht, in der Konflikte als Herausforderung zu sehen sind, als gemeinsames Ringen um Verbesserung. Wichtig ist, anzuerkennen, dass es für kein menschliches Problem die eine finale und radikale Lösung gibt, die es endgültig beseitigt. Diese Sicht misstraut großen Entwürfen und Heilsversprechen und bemüht sich um partielle Verbesserung und konstruktive Akzeptanz. Statt den anderen zu dämonisieren und das Anderssein zu betonen, geht es darum, anzuerkennen, dass das Gegenüber ähnlich empfindet, in ähnlicher Weise darum kämpft, nicht zu unterliegen, und dass kooperative Auseinandersetzungen zu nachhaltigeren Lösungen führen.

Solche nicht-dämonisierenden Auseinandersetzungen werden als Schlüssel vorgestellt: Es gilt, zu lernen, wie man widerstehen kann, ohne zurückzuschlagen, wie es gelingt, immer wieder in Kontakt zu treten, statt diesen abzubrechen und wie die Idee der totalen Kontrolle der Situation aufgegeben werden kann. In zahlreichen Beispielen aus den Arbeitsfeldern der Autoren wird diese Position eindrucksvoll illustriert. Ein Feld, in dem gerade in Deutschland mit diesem Modell bereits sehr intensiv gearbeitet wurde, ist das Konzept der Beratungsarbeit für Eltern nach dem Modell des gewaltlosen Widerstands. Hier werden Eltern, die in ihrer Familie zunehmend in eine Position der Hilflosigkeit geraten sind, unterstützt, "gecoacht", um zu lernen, wie sie die Fallen der Eskalation und Dämonisierung vermeiden können.

Haim Omer, Nahi Alon, Arist v. Schlippe: Feindbilder - Psychologie der Dämonisierung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007, 230 Seiten, 19,90 ¤


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Arist v.Schlippe, 02302-926-513, schlippe@uni-wh.de

Ein Foto zu dieser Pressemitteilung in 300 dpi können Sie herunterladen unter:
http://www.uni-wh.de/presse > Foto > aktuelle Pressebilder
Weitere Informationen: http://wga.dmz.uni-wh.de/wiwi/html/default/jpuh-6albp3.de.html - nähere Informationen zu Prof. Dr. Arist von Schlippe
uniprotokolle > Nachrichten > Umgang mit Konflikten: Es geht auch ohne Dämonisierung
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/134033/">Umgang mit Konflikten: Es geht auch ohne Dämonisierung </a>