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Kinderarmut in Mönchengladbach

22.03.2007 - (idw) Hochschule Niederrhein - Niederrhein University of Applied Sciences

Studie der Hochschule Niederrhein erhebt Situation und zeigt Interventionsmöglichkeiten

Am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein ist eine empirische Studie zur "Kinderarmut in Mönchengladbach" entstanden. Am Beispiel und im Vergleich der Stadtteile Windberg und Waldhausen zeigt sie die soziale Lage der dort lebenden Kinder auf und nennt Interventionsmöglichkeiten. Die Studie, die heute von Professorin Dr. Ute Klammer und dem Sprecher der Armutskonferenz Mönchengladbach, Aloys Bushuven, im Rathaus Abtei Oberbürgermeister Norbert Bude überreicht wurde, kann wichtige Anhaltspunkte für den in Arbeit befindlichen Familienbericht bieten.

Während Politiker und Pädagogen auf der einen Seite die intellektuelle und soziale Förderung von Kindern immer mehr betonen, verlagern sich die Armutsrisiken, so Professorin Klammer, immer mehr auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft. Damit sind nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die körperlichen und gesundheitlichen Entwicklungschancen, die soziale Einbindung und die kulturelle Partizipation von Kindern angesprochen. Selbst innerhalb einer Stadt wie Mönchengladbach differieren deren Lebensbedingungen deutlich, wie der Vergleich der Sozialstruktur von Windberg und Waldhausen ergab. Das Besondere der Erhebung war, dass Studierende des Seminars Praxisforschung nicht nur Experten wie Lehrer, Ärzte und Sozialpädagoginnen schriftlich und mündlich befragten, sondern auch Eltern und die Kinder selber. "Wir wollten die subjektiven Empfindungen und Erfahrungen derjenigen berücksichtigen, die unmittelbar involviert sind", sagt Professorin Klammer. Das empirische Material wurde von Christina Hähnlein im Rahmen ihrer Diplomarbeit aufbereitet und mit sozialstrukturellen Daten verbunden.

In Anlehnung an den "Verwirklichungschancenansatz" des Nobelpreisträgers A. Sen wird aufgezeigt, dass es bei der Gestaltung der Lebensbedingungen von Kindern (auch für die örtlichen Akteure) vor allem darum gehen muss, ihnen früh Chancen zur Verwirklichung ihrer eigenen Potenziale zu geben und sie in den genannten Dimensionen zu fördern. Wie die empirischen Daten zeigen, bestehen zwischen den Lebens- und Sozialisationsbedingungen von Kindern in den beiden untersuchten Stadtteilen sehr deutliche Differenzen. Von "gleichen Verwirklichungschancen" kann insofern nicht gesprochen werden. Die Untersuchungen zu Waldhausen belegen (wie erwartet) deutliche Probleme vieler Kinder. Beispiele: Größere Familien leben hier in kleinen Wohnungen auf engem Raum, zudem sind die außerhäusigen Spielmöglichkeiten der Kinder hier begrenzt. Kinder sind sehr viel häufiger von Übergewicht bis hin zu Fettleibigkeit und ungesunder Ernährung betroffen, kommen z.B. ohne Frühstück in die Schule (ein Zahnarzt beschreibt, dass Karies zunehmend zum Schichtproblem geworden sei). Es fehlt das Geld für die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder auch für die Familienferien. In der Schule konstatieren die Lehrer zunehmende Probleme vieler Familien, das Geld für Klassenfahrten, Lehrmaterial etc. aufzubringen. Bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der Kinder beobachten die Untersucher (im Unterschied zur Aussage der Eltern!) Kleidung, die der Witterung nicht angepasst ist, Lernprobleme und aggressives Verhalten. Die Nachmittagsgestaltung vieler Kinder in Waldhausen ist stärker vom Fernsehkonsum geprägt. Die Eltern haben (anders als in Windberg) nur in wenigen Fällen die Erwartung, dass ihr Kind ein Gymnasium bzw. einen höheren Schulabschluss wird erreichen können. Zu betonen ist auf der anderen Seite aber auch das Ergebnis, dass in beiden Stadtteilen viele engagierte Akteurinnen (wenn auch zum Teil schlecht vernetzt) sich um das Wohl der Kinder bemühen und auch viele Eltern (auch in Waldhausen) versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen und ihre Kinder auch bei beschränkten finanziellen Möglichkeiten vor Ausgrenzung und Stigmatisierung zu bewahren.

Ausgehend von der Analyse und den Handlungsempfehlungen des Berichts schlägt die Armutskonferenz zum einen eine "Armutspräventionskette für Kinder" und zum anderen ein "breit angelegtes Trägernetzwerk" vor. Schulen und Kindertagesstätten sollen enger mit dem familiären Umfeld der Kinder zusammenarbeiten, um deren persönliche Entwicklung zu fördern. Darüber hinaus sollen die auf die Verbesserung der sozialen Lage von Kindern zielenden "Waldhausener Gespräche" durch einen hauptamtlichen Koordinator abgesichert werden. Schließlich, so die Armutskonferenz, sollte bei der gesamten Berichterstattung der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein weiterhin einbezogen werden, um angewandte Sozialwissenschaft mit kommunaler Planung zu verbinden. Für Professorin Ute Klammer ist diese Aufgabe jedoch definitiv beendet: Sie folgte zum 1. März einem Ruf an die Universität Duisburg-Essen.


Kontakt:
Prof. Dr. Ute Klammer, Tel. 0 22 41 - 20 63 24, Email: ute-klammer@t-online.de

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