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Deutsche Krebshilfe fördert vier Spitzenzentren

23.03.2007 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Förderprogramm zur Verbesserung der Versorgung Krebskranker

Berlin (ek) - "In der Entwicklung von ausgewählten Onkologischen Spitzenzentren liegt die Chance, Krebskranken eine noch bessere, individuell zugeschnittene Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu ermöglichen. Ich begrüße daher sowohl das Engagement als auch die Initiative der Deutschen Krebshilfe, die Versorgung krebskranker Menschen in Deutschland grundlegend zu verbessern", sagte Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit, heute, am 23. März 2007, anlässlich der Vorstellung des Schwerpunktprogramms "Onkologische Spitzenzentren" in Berlin. "Die Standards der medizinischen Versorgung von Krebs-Patienten sind bundesweit bislang sehr unterschiedlich. Das wollen wir ändern", betonte Friedrich Carl Janssen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Nach dem Vorbild der amerikanischen Comprehensive Cancer Centers werden jetzt vier universitäre Zentren über zunächst drei Jahre mit insgesamt einer Million Euro je Zentrum und Jahr gefördert: Die Universitätskliniken Dresden, Freiburg, Köln/Bonn und Tübingen wurden nach internationaler Begutachtung aus 18 Bewerbern ausgewählt. Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung, Diagnostik und Therapie der Krebserkrankungen haben die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Doch nach wie vor werden Krebs-Patienten sehr unterschiedlich versorgt. "Es kann nicht sein, dass eine Frau mit Brustkrebs oder ein Mann mit Prostatakrebs in Norddeutschland anders behandelt werden als in Süddeutschland", erläuterte Professor Dr. Otmar Wiestler, Vorsitzender des Beirats der Deutschen Krebshilfe.

Daher hatte die Deutsche Krebshilfe - als Konsequenz aus der durch sie initiierten Evaluierung der Tumorzentren - im Frühjahr 2006 das Förderungs-Schwerpunktprogramm "Onkologische Spitzenzentren" ausgeschrieben. Zentrale Anlaufstellen für Krebs-Patienten, interdisziplinäre Tumor-Boards, interdisziplinäre Patientenbehandlung auf höchstem Niveau, ein modernes Qualitätssicherungssystem, klinische Forschung und Grundlagenforschung, Vernetzung und enge Kooperationen mit den umliegenden Krankenhäusern sowie den niedergelassenen Ärzten in der Region sind nach Auffassung der Deutschen Krebshilfe die Grundvoraussetzungen für Onkologische Spitzenzentren. "So wollen wir einheitliche Strukturen, Prozesse und Standards schaffen, die für die Versorgung von Tumorpatienten zwingend notwendig sind", sagte Wiestler bei der Vorstellung des Förder-Schwerpunktprogramms in Berlin.

Auf die Ausschreibung hin gingen 18 Bewerbungen aus der ganzen Bundesrepublik bei der Deutschen Krebshilfe ein. Sie wurden von einem international besetzten Expertengremium unter der Leitung von Professor Dr. Alexander Eggermont (Rotterdam) begutachtet. Dieses Gremium besuchte von Januar bis März 2007 sieben der Zentren vor Ort und schlug das Universitäts KrebsCentrum Dresden, das Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer am Universitätsklinikum Freiburg, das Centrum für Integrierte Onkologie der Universitätskliniken Köln/Bonn sowie das Südwestdeutsche Tumorzentrum am Universitätsklinikum Tübingen zur Förderung vor. Der Vorstand der Deutschen Krebshilfe folgte den Gutachtervorschlägen und bewilligte für das ambitionierte Gesamtprojekt zunächst insgesamt 12 Millionen Euro für drei Jahre. Die Förderung dient der Optimierung und Weiterentwicklung der von den Zentren initiierten Strukturen.

Von den vier Spitzenzentren verspricht sich die Deutsche Krebshilfe eine deutliche Verbesserung der Patientenversorgung in der jeweiligen Region. "Wichtig erscheint uns hierfür insbesondere die Vernetzung mit den übrigen Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärzten in der Region", betonte Wiestler. So soll sichergestellt werden, dass krebskranke Menschen ohne Reibungs- oder Informationsverlust aus dem stationären Versorgungsbereich in die ambulante Betreuung gehen. Auch die Einbindung von Krebs-Selbsthilfeorganisationen sowie die Berücksichtigung von Krebsregistern sind unverzichtbare Voraussetzungen für die Förderung.

Die Deutsche Krebshilfe sieht eine zweite Ausschreibung Ende 2007 vor, um auch weiteren Zentren in der Bundesrepublik die Etablierung eines Onkologischen Spitzenzentrums zu ermöglichen. Darüber hinaus will sich die Deutsche Krebshilfe dafür einsetzen, dass mittelfristig auch unterhalb der Ebene der Spitzenzentren vergleichbare Versorgungsstrukturen, beispielsweise in kommunalen onkologischen Schwerpunktkrankenhäusern, aufgebaut werden. "Unser Ziel ist, dass Krebs-Patienten bundesweit optimal versorgt werden", so Janssen. "Aus Sicht der Gesundheitspolitik ist diese Initiative der Deutschen Krebshilfe richtungweisend", betonte Ministerin Schmidt.

Info-Kasten: Onkologische Spitzenzentren
Die Spitzenzentren der Krebsmedizin, die zukünftig von der Deutschen Krebshilfe gefördert werden, müssen unter anderem folgende Kriterien erfüllen:
- Fachübergreifende interdisziplinäre Onkologie für alle Tumorerkrankungen mit zentraler Anlaufstelle für Krebs-Patienten.
- Einrichtung von interdisziplinären Konferenzen ("Tumor Boards").
- Entwicklung und/oder Umsetzung von Behandlungspfaden im Sinne von Leitlinien.
- Einbringung von Patienten in klinische Studien und Entwicklung von Forschungsprogrammen zur engen Verzahnung von Forschung und Klinik (translationale Forschung).

- Nachweis eines Qualitätssicherungssystems.
- Dokumentation durch klinische Krebsregister.
- Psychoonkologische und palliative Betreuung.
- Einbindung von Krebs-Selbsthilfeorganisationen.
- Interaktion mit niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern der Umgebung.
- Regelmäßige Überprüfung der Qualitätsstandards.

Bonn, 23. März 2007

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