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Wenn das Immunsystem bei Kindern übers Ziel hinausschießt

18.04.2007 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Tagung am Universitätsklinikum Jena thematisiert Allergien im Kindesalter (Jena) Asthma und Allergien als häufigste chronische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind ein Schwerpunktthema der vom 20. bis 22. April in Jena stattfindenden Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie und Allergologie. Etwa 200 Teilnehmer vor allem aus den ostdeutschen Bundesländern und angrenzenden Regionen werden sich während der drei Tage mit neuen Entwicklungen bei der Behandlung von Erkrankungen der Lunge und der Atemwege, Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis befassen. Diese Erkrankungen werden als atopischer Formenkreis zusammengefasst - das sind alle Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber scheinbar harmlosen Substanzen wie Blütenpollen, Katzenhaaren oder Hausstaubmilben.

"Vor der Wende litten etwa 5 Prozent der ostdeutschen und 10 Prozent der westdeutschen Kinder an Asthma. In wenigen Jahren hat sich die Zahl der betroffenen Kinder in den neuen Bundesländern verdoppelt. An atopischen Erkrankungen insgesamt leidet etwa ein Drittel der Kinder und ein weiterer Anstieg der Krankheitsfälle ist zu beobachten", erklärt dazu Dr. Jochen Mainz, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) und Vorsitzender der diesjährigen Tagung. "Das betrifft allergische Reaktionen der Atemwege bis hin zum Asthma ebenso wie Neurodermitis und Heuschnupfen", führt der Kinder-Pneumologe weiter aus. Die überschießende Schutzreaktion des körpereigenen Abwehrsystems führt zu chronischen Entzündungsprozessen, die häufig in der Kindheit beginnen. "Das Bild der Atopie wandelt sich häufig mit den Lebensaltern. Die Neurodermitis und die Nahrungsmittelallergie des Säuglingsalters verliert oft im Vorschulalter an Bedeutung, während die Häufigkeit von Heuschnupfen und Asthma im Schulalter zunimmt."

Wenn zum Heuschnupfen asthmatische Beschwerden kommen, wird häufig von einem "Etagenwechsel" gesprochen. "Tatsächlich handelt es sich jedoch gewissermaßen um einen ,Etagenzugewinn'. Die allergiebedingte Entzündung weitet sich aus", so Jochen Mainz.

Hier besteht gerade auch im Schulalter die Möglichkeit der Umstimmung des Immunsystems durch eine Hyposensibilisierung, eine Impfung mit zunehmenden Mengen des Stoffes, auf den allergisch reagiert wird. Hiermit kann, vor allem bei Allergien gegen Pollen und Hausstaubmilben, das Immunsystem umgestimmt werden.

Ursachen des Anstiegs allergischer Reaktionen sind Änderungen des Lebensumfeldes, die auch gerade nach der Wende weiter untersucht wurden. Während der Feinstaub abnahm, stieg die Belastung durch Tierhaare, Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Der Geburtenrückgang mit der Abnahme der Geschwisterzahl und eine späte Eingliederung in den Kindergarten minderte die Infekthäufigkeit. Das Immunsystem erlernt die Abwehr gegen Infektionen nicht und reagiert auf unbedenkliche Stoffe mit Entzündungsreaktionen, die bis zu lebensbedrohlichen Asthmaanfällen oder zum allergischen Schock führen können.

Vor diesem Hintergrund gehören zur Jenaer Tagung auch praktische Kurse, in denen die Notfallbehandlung allergischer Reaktionen bei Kindern geübt wird. Neben diesem praktischen Teil werden in Vorträgen sowohl vorgeburtliche Risikofaktoren für Allergieanfälligkeit bei Kindern als auch deren Spätfolgen im Erwachsenenalter beleuchtet.

Die Eröffnung der Tagung wird zudem von der Vorstellung eines Kunstprojektes Jenaer Schüler begleitet: Schüler der Jenaplan-Schule haben sich mit dem Thema Allergien auseinandergesetzt und 19 Kunstobjekte dazu entwickelt. Diese reichen von einer "Torte" aus Zigaretten bis zu einer Sammlung allergieauslösender Stoffe. Die Ausstellung wird am 20. April um 17.15 Uhr eröffnet, die Kunstobjekte sind während der Tagung im Campus der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Carl-Zeiß-Str. 3) zu sehen.


20.- 22. April 2007, Beginn 20. 4.: 13.00 Uhr, 21. und 22.4.: 9.00 Uhr
17. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie und Allergologie (APPA) e. V.
Campus der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Ernst-Abbe-Platz

Ansprechpartner:
OA Dr. Jochen Mainz
Leiter des Arbeitsbereichs Pädiatrische Pneumologie /Allergologie Mukoviszidosezentrum, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKJ
07740 Jena
Tel.: 03641 / 938425
E-Mail: Jochen.Mainz[at]med.uni-jena.de

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