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Wenn der Sohne mit dem Vater?

20.04.2007 - (idw) Fachhochschule Bochum

Essener Bojda jun. und Bojda sen. schreiben gemeinsam Bauingenieur-Diplomarbeit an der Fachhochschule Bochum Eigentlich war für Leszek Bojda (52) "die Sache" schon längst in Vergessenheit geraten, seine kleine Firma für Bauingenieurwesen lief recht gut, sein Studium an der FH Bochum hatte er Jahre zuvor - allerdings ohne Diplom - beendet. Nur seine Ehefrau Christine ließ ihm keine Ruhe, erinnerte ihn stets immer wieder an dieses fehlende Dokument. Als Sohn Matthias (25), Student im 7. Semester Bauingenieurwesen an der FH Bochum seine Diplom-Arbeit anmelden wollte meinte dieser zu seinem Vater: "Wie wäre es - sollen wir beide zusammen unser Diplom machen?" Leszek Bojda überlegte jetzt nicht mehr lange. Seit dem 1. März 2007 arbeiten Vater Leszek und Sohn Matthias beide an "ihrem" Diplom - bei Professor Dr. Andrej Albert vom Fachbereich Bauingenieurwesen. Thema der gemeinsamen Arbeit - mit allerdings getrennten Arbeitsgebieten: Untersuchung eines Bürogebäudes mit Wohneinheiten und Tiefgaragen in München. Während sich Bojda junior um verschiedene Modellierungsarten für die Finite Element-Berechnungen der Stahlbetonunterzüge kümmert, widmet sich Bojda senior der Untersuchung unterschiedlicher Gründungsvarianten. Ein reger Gedankenaustausch, verbunden mit interessanten Diskussionen zwischen Vater und Sohn belebt das konzentrierte Arbeiten - für beide eine ungewöhnliche und dazu nicht alltägliche Situation.

Vater Bojda ist ein "alter Hase" im Geschäft. Er hatte schon vor Jahren in Gleiwitz /Polen am Schlesischen Polytechnikum Bauingenieurwesen studiert - allerdings auch hier leider ohne Abschluss. "Die Arbeitsmarktsituation in Polen war in meinem Beruf nicht gerade sehr rosig," erinnert er sich an diese Zeit," also ging ich nach Deutschland, um hier als Bauingenieur tätig zu sein."
Leider wurde das polnische Studium nicht anerkannt und Leszek Bojda "schnupperte" wieder Hochschulluft. An der FH Bochum begann er 1992 bei Professor Dr. Burkhardt May, dem Vorgänger von Professor Albert, erneut ein Studium im Bauingenieurwesen.

An diese Zeit erinnerte er sich noch gerne zurück: "Mathematik hatte ich bei Professor Dr. Rainer Busch. Er ist heute noch hier in Bochum tätig. Matthias geht ebenfalls in seine Vorlesung. Professor Dr. Jürgen Meister und Professor May lehren immer noch meine Lieblingsfächer Stahlbau und Massivbau", freut sich Leszek, der seine Studienerfahrungen gerne an seinen Sohn weitergibt. Zur alten "Professoren-Garde" gehören ferner noch Professor Dr. Bernd Hartmann für Statik und Professor Hans Windheuser für darstellende Geometrie.

Ein Jahr nach Studienbeginn, 1993, begann er - wie viele Studierenden auch - 'nebenbei zu arbeiten'. "In einem kleinen Ingenieurbüro in Dortmund zeichnete ich Pläne und machte statische Berechnungen", erinnert sich Bojda an seine Anfangszeiten zurück. Das war nach einiger Zeit für beide Seiten sehr zufrieden stellend, so dass Bojda 1996 einen Anstellungsvertrag - ohne Studienabschluss und ohne Diplomurkunde - bekam. Vier Jahre später machte er sich als Bauingenieur selbständig. Noch heute betreibt er ein eigenes kleines Ingenieurbüro in Essen, beschäftigt sich mit Statik und Konstruktion.

Sohn Matthias (25) war mittlerweile neugierig geworden, schaute hin und wieder mal über Vaters Schultern, machte in der Schule gerne Mathematik. Das Schul-Betriebspraktikum fand in einem Essener Bauingenieurbüro statt. Nach dem Abitur gab es für Bojda junior zwei Möglichkeiten: "Entweder ich studiere Sportwissenschaften oder Bauingenieurwesen an der FH hier in Bochum" erinnert er sich. Im Nachrückverfahren klappte es: Seit 2003 gehört Matthias Bojda zu den Studierenden im Fachbereich Bauingenieurwesen.

Professor Albert war mehr als überrascht, als er davon hörte, dass 2 Bojdas bei ihm ihre Diplom-Arbeit "machen" wollten. "Ich habe mich erstmal um die Diplom-Prüfungsordnung gekümmert" sagt er, "denn Bojda senior gehörte noch zu den Alt-Studierenden. Er hatte damals eine andere Vertiefungsrichtung. Das war aber gar kein Problem. Das Prüfungsamt hat alle Klausuren und Scheine anerkannt."

Bojda senior ist über seinen mutigen Schritt - zusammen mit seinem Sohn endlich die lang ersehnte Diplom-Arbeit zu schreiben - sehr erleichtert: "Weil ich keinen offiziellen Hochschulabschluss in Deutschland habe, konnte meine Frau kaum noch schlafen. Der Druck ist jetzt einfach weg und das ist ein gutes Gefühl für mich", schildert er seine Empfindungen.

Für Vater und Sohn Bojda endet mit der Diplom-Abschlussarbeit eine interessant Zusammenarbeit, die sie auch noch weiter familiär zusammengeschweißt hat. Beide sind sich einig, es hat einfach Spaß gemacht mit anderen Studierenden zu lernen, in der Gemeinschaft etwas zu schaffen. Und sie haben sich ausgetauscht, über Professoren, über Lernziele, Lernmethoden.

"Das sage ich auch immer meinen Studierenden" betont Professor Albert, "das Miteinander in einem Lernprozess ist für alle Beteiligten besonders wichtig."


Genauso wichtig ist den Bojdas auch ihre Diplomarbeit, die sie "ihrem" Professor abliefern werden. Wenn dann alle Prüfungen bestanden sind, hat Bojda junior schon ein neues Projekt vor Augen: Er möchte Sportwissenschaften an der Sporthochschule Köln studieren?
Sabine Neumann
Weitere Informationen: http://www.fh-bochum.de/fbb.html - der Fachbereich Bauingenieurwesen
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