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Aufhol-Länder im globalen Technologiewettbewerb: Risiken und Chancen für Deutschland

11.05.2007 - (idw) Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung

Die "kleinen Tigerstaaten" - Korea, Taiwan, Singapur und Hongkong - haben es vorgemacht, andere Schwellenländer schicken sich an, es ihnen gleich zu tun: Wachstum und Wohlstand durch das Angebot technologieintensiver, innovativer Produkte. Das NIW hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer ISI und dem DIW untersucht, wieweit ausgewählte Schwellenländer im technologischen Aufholprozess fortgeschritten sind. Die Aufhol-Länder (die Tigerstaaten Korea, Taiwan und Singapur, China und Indien, die mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien, Russland sowie in Lateinamerika Mexiko und Brasilien) haben sich seit 1995 sehr dynamisch entwickelt: mit jahresdurchschnittlich 8,5 % ist das BIP (nominal) fast doppelt so schnell gewachsen wie das der OECD-Länder (4,7 %). Damit ging auch eine Expansion der FuE-Kapazitäten in den Aufhol-Ländern einher, die in den westlichen Industrienationen ihres Gleichen sucht.
Mit den rasch zunehmenden FuE- und Innovationsaktivitäten der Aufhol-Länder hat sich das weltwirtschaftliche Innovationspotenzial deutlich ausgeweitet. Ein gutes Drittel der zwischen 1995 und 2004 zusätzlich aufgebrachten FuE-Aufwendungen von OECD und Aufhol-Länder insgesamt entfallen auf die Aufhol-Länder, davon allein fast 20 % auf China. Es sind nicht zuletzt auch multinationale Unternehmen aus Industrieländern, die die FuE-Aktivitäten der Wirtschaft in den Aufhol-Ländern nach oben treiben. Neben Markterschließungsstrategien sind die Gründe für die FuE-Auslandsaktivitäten vor allem in verbesserten Rahmenbedingungen und Fortschritten in Bildung, Wissenschaft und Forschung zu sehen. Von multinationalen Unternehmen werden neben Japan und den USA vor allem China und Indien aber auch Russland als zukünftig attraktive FuE-Standorte genannt, und damit diejenigen Länder, in denen die Märkte am stärksten wachsen und wo gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht.
Denn die finanziellen Anstrengungen im Bildungsbereich sind in den Aufhol-Ländern allenthalben verstärkt worden. Dies schlägt sich zum einen in einem gestiegenen Bildungsstand nieder. Aber auch bei weltweit beachteten wissenschaftlichen Publikationen haben die Aufhol-Länder deutliche Fortschritte gemacht. Gegenüber Mitte der 90er Jahre ist ihr Anteil von 11 auf fast 20 % gestiegen, fast das Dreifache des Anteils Deutschlands. Der Anteil der Aufhol-Länder an den weltmarktrelevanten Patentanmeldungen hat sich gegenüber Mitte der 90er Jahre verdreifacht. Dies ist ein Indiz für eine stark zunehmende technologische Orientierung auf den Weltmarkt.
Gerade die asiatischen Aufhol-Länder fokussieren ihre FuE-Aktivitäten auf die Weiterentwicklung von Schlüsseltechnologien der IuK-Branche. Hier erreichen sie auch überdurchschnittlich hohe Exportmarktanteile. China ist mittlerweile zum weltgrößten IuK-Exporteur aufgestiegen. Indien spielt sich eher über IT-Dienstleistungen und Softwareherstellung in den Vordergrund. In den europäischen und lateinamerikanischen Aufhol-Länder sind die technologischen Schwerpunkte hingegen weniger stark konzentriert eher breit gestreut: Fahrzeug , Maschinenbau, Chemie, Pharmazie.
Die Veränderungen der internationalen Arbeitsteilung werden in den westlichen Industrienationen vor allem unter dem Aspekt des Konkurrenzdrucks diskutiert. Gerade für Deutschland sind aber auch die Chancen hervorzuheben, die sich durch das Wachstum und die verstärkte Einbindung von Aufhol-Ländern in den internationale Arbeitsteilung ergeben. Der internationale Wettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern kann von der deutschen Wirtschaft nur auf der Innovationsseite bestanden werden. Dies bedarf allerdings höhere Anstrengungen in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie.


Ansprechpartner:
Olaf Krawczyk
0511/12 33 16-38
krawczyk@niw.de
Weitere Informationen: http://www.niw.de Detaillierte Ergebnisse und Download der Gesamtstudie
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