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Wie Künstler die Natur und ihre Katastrophen (vorher-)sehen

15.05.2007 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Internationale Tagung zu neuen englischen Literaturen vom 17.-20. Mai an der Universität Jena Jena (15.05.07) Die nahende Klimakatastrophe ist derzeit Thema in Zeitungen und Fernsehen. Doch Tsunamis, Dürre oder Überschwemmungen sind schon seit langer Zeit ein Thema - in der Kunst. Filme wie "The Day After" oder Bücher wie Michael Crichtons "Welt in Angst" zeigen oder prognostizieren Welten mit einer drastisch veränderten Natur.

Mit Blick auf die aktuellen Klimadiskussionen fordert auch Prof. Dr. Laurenz Volkmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena: "Natur muss wieder Thema der Geisteswissenschaften werden". Dabei geht es dem Jenaer Anglistik-Professor zum einen darum, die Prognosehoheit zu diesem Thema nicht nur in den Naturwissenschaften zu sehen. Außerdem plädiert Volkmann dafür, das Thema Natur wieder stärker in den Philologien zu beleuchten. "In Literatur steckt ein Mahnpotenzial", weiß der Jenaer Anglist. Künstler, so Volkmann, machten oft auf solche Probleme aufmerksam, lange bevor sie in der politischen oder gesellschaftlichen Debatte angekommen sind. D. H. Lawrence etwa, nennt er ein Beispiel, habe in seinen Werken sehr früh gegen Industrialisierung und Ausbeutung der Natur angeschrieben.

Daher ist es fast zwangsläufig, dass sich die Jahrestagung der Gesellschaft für die Neuen Englischsprachigen Literaturen" (GNEL), die vom 17.-20 Mai an der Universität Jena stattfindet, der Natur widmet. Organisiert von Prof. Volkmann und seinem Team werden fast 200 Teilnehmer aus aller Welt - darunter etliche Lehrer aus Thüringen und den benachbarten Bundesländern - erwartet. Zum Tagungsthema "Lokale Natur, globale Verantwortung" wollen die Teilnehmer der Natur in ihren unterschiedlichen kulturellen Wahrnehmungen und Darstellungen in Literatur und anderen Medien nachgehen. Dazu ist es den Jenaer Organisatoren gelungen, einige renommierte Referenten für diese öffentliche Tagung zu gewinnen.

In Deutschland herrscht bis heute eine recht romantische Einstellung zur Natur. Natur ist vom Menschen unberührt und tendenziell positiv. Selbst der Angst einflößende Dschungel hat seine positiven Seiten. Dennoch herrsche in vielen westlichen Staaten die Vorstellung vor, so erläutert Volkmann, dass die Natur vor allem der Ausbeutung diene. In Australien wiederum wird die wilde Natur von den Ureinwohnern als Ehrfurcht einflößend, als etwas Heiliges betrachtet und jede Ausbeutung ist ein Frevel. Wie Natur in den unterschiedlichen Kulturen reflektiert werde, sei daher ein Thema der Tagung.

Und dabei beziehen die Anglisten fast die ganze Welt ein, "denn Englisch ist inzwischen eine globale Kultur", weiß Volkmann. Und Länder wie Australien oder Indien gewinnen immer an Einfluss - wirtschaftlich wie politisch. Daher steht ihnen auch ein gebührender Anteil im Englischunterricht zu, sagt Volkmann. Der Lehrstuhlinhaber für Englische Fachdidaktik der Universität Jena arbeitet deshalb selber konsequent an Lehrmaterialien für den Englischunterricht, die "diese Globalisierungstendenzen widerspiegeln".

Für Interessierte, die sich mit diesen Tendenzen auseinandersetzen wollen, hat der Anglist auch zwei Lesetipps parat - "selbst wenn dabei viele andere lesenswerte Bücher ungenannt bleiben müssen". Volkmann empfiehlt z. B. "The God of Small Things" von Arundhati Roy. Die Inderin beschreibe in ihrem komplexen Meisterwerk den Umwälzungsprozess in Indien - unter dem Deckmantel einer Liebesgeschichte. Die Ko-Existenz von Mensch und Tier werde in Yann Martels "Life of Pi" am Beispiel eines Menschen und eines Tigers, die wochenlang auf einem Rettungsfloß im Indischen Ozean treiben, dargestellt. Beides seien Beispiele, so Prof. Volkmann, die die Natur und ihre Bedeutung für den Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten - so, wie es die Jenaer Tagung tun werde.

Im Rahmen der GNEL-Tagung werden auch Autoren öffentlich auftreten. Zu ihren Lesungen ist die Öffentlichkeit besonders herzlich eingeladen. Sie finden jeweils in den Rosensälen der Universität (Fürstengraben 27) statt. Am 18. Mai, 20 Uhr liest der Rap-Poetry-Performer Antony Joseph aus Trinidad. Um 21 Uhr schließt sich eine Lesung der kanadischen Autorin Joan Clark an. Am Samstag (19. Mai) um 17 Uhr tritt die neuseeländische Kurzgeschichtsautorin Sarah Quigley auf. Um 18 Uhr ist dann der kanadische Autor Drew Hayden Taylor zu hören.


Kontakt:
Prof. Dr. Laurenz Volkmann
Institut für Anglistik/Amerikanistik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944590
E-Mail: l.volk[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www2.uni-jena.de/fsu/anglistik/gnel/
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