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MRT bald nicht mehr möglich?

15.05.2007 - (idw) Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

EU-Arbeitsschutzrichtlinie bedroht bewährtes Diagnoseverfahren

Berlin, 15. Mai 2006. Seit mehr als 25 Jahren ist die Magnetresonanztomographie (MRT) im klinischen Alltag etabliert. Weltweit unterzogen sich bislang über 500 Millionen Patienten einer MRT. Wesentliche Vorteile der Methode: eine exzellente diagnostische Genauigkeit und der Verzicht auf ionisierende Strahlung. Doch der Einsatz des Verfahrens, das einst die Medizin revolutionierte und dessen Entwickler sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, könnte bald ein jähes Ende finden. Der Grund: eine Bürokratieposse par excellence. Nach einer Arbeitsschutzrichtlinie der EU darf medizinisches Personal bei einer MRT bald nicht mehr anwesend sein - das Aus für viele Einsatzmöglichkeiten. Betroffen wären vor allem Anwendungen bei Kindern und Notfallpatienten sowie in der interventionellen Radiologie. Mediziner und Wissenschaftler suchen nun fieberhaft nach einer Lösung. Das Thema wird ein zentraler Schwerpunkt auf dem morgen beginnenden Deutschen Röntgenkongress sein.

Die Richtlinie mit dem sperrigen Titel 2004/40/EG ist der Grund dafür, dass Radiologen um eines ihrer besonders segensreichen Diagnoseverfahren fürchten müssen. Sie wurde 2004 von der EU erlassen und muss bis April 2008 in nationales Recht umgesetzt werden. Ihr Anliegen ist, Arbeitnehmer vor elektromagnetischen Feldern zu schützen. Ursprüngliche Adressaten waren dabei Arbeiter an Hochspannungseinrichtungen oder Handymasten und in Elektrostahlwerken. Was nicht bedacht wurde: Die Richtlinie gilt auch für medizinisches Personal, das eine MRT durchführt. Die darin vorgeschriebenen und wissenschaftlich nicht begründbaren Grenzwerte können bei verschiedenen Untersuchungen nicht eingehalten werden. Die Durchführung einer MRT würde erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Dies betrifft sowohl den diagnostischen als auch den therapeutischen Einsatz. Besonders gefährdet sind Anwendungen, bei denen ein Arzt oder Pfleger im Untersuchungsraum zugegen sein muss, etwa bei Notfallpatienten, Kindern und anästhetisierten Personen. Ferner würde die Umsetzung der Richtlinie das Aus für sämtliche interventionelle Verfahren, die auf einer MRT-Überwachung beruhen, bedeuten.

Die Radiologen reagieren mit Kopfschütteln auf die abstruse Regelung - vor allem deshalb, weil es in der mehr als 25-jährigen Geschichte der MRT keinerlei Hinweise auf gesundheitsgefährdende Langzeitwirkungen gegeben hat. "Die MRT ist eines der sichersten und schonendsten Diagnoseverfahren, die es gibt. Die Richtlinie würde uns zwingen, ihre Anwendung stark einzuschränken und wieder mehr zu röntgen - also ein extrem unwahrscheinliches, hypothetisches gegen ein bekanntes Risiko einzutauschen", betont Prof. Maximilian Reiser, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG).

Eine Ausnahmeregelung könnte das Dilemma lösen. Diese müsste sich jedoch auf alle MRT-Anwendungen beziehen. Betroffen sind - neben der Medizin - auch Grundlagenforschung und Industrie. "Derzeit ist Europa Weltspitze in der MRT-Forschung. Gelingt es uns nicht, die Arbeitsschutzregelung zu modifizieren, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Industrie und Forschung ins nicht-europäische Ausland abwandern", so Prof. Reiser. Eine weitere Möglichkeit, die MRT zu retten, wäre eine Korrektur der Grenzwerte. In jedem Fall ist jedoch schnelles Handeln geboten. In weniger als einem Jahr muss die Richtlinie auch in deutsches Recht umgesetzt werden. Findet sich keine Lösung, so sind die Tage der MRT gezählt.

Mittlerweile gibt es jedoch einen ersten Lichtblick: Der EU-Abgeordnete und Arzt Dr. Thomas Ulmer (CDU) hat einer Delegation der DRG bei einem Besuch in Brüssel seine Unterstützung zugesagt. Auch andere deutsche EU-Abgeordnete sind nun auf das Thema aufmerksam geworden.

Diese und weitere Informationen sowie Bildmaterial zum 88. Deutschen Röntgenkongress finden Sie in digitaler Form unter:
http://www.ipse.de/RoeKo2007/index.php

Wenn Sie Fragen haben oder zusätzliche Informationen benötigen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Pressekontakt:

Silke Stark
ipse Communication
Tel. 030 288846-22
Fax 030 288846-47
Mail s.stark@ipse.de

Patrick Torka
ipse Communication
Tel. 030 288846-28
Fax 030 288846-47
Mail p.torka@ipse.de

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Prof. Dr. Dr. h.c. Maximilian Reiser
Klinikum der Universität München
Institut für Klinische Radiologie
Tel.: 089 7095-2750
E-Mail: maximilian.reiser@med.uni-muenchen.de

Fakten zur Magnetresonanztomographie (MRT)
Die MRT wird vor allem in der Diagnostik von onkologischen, entzündlichen und degenerativen Erkrankungen sowie bei der Infarktbeurteilung eingesetzt. Im Gegensatz zu anderen bildgebenden Verfahren bildet die MRT Weichteile häufig in einer wesentlich höheren Qualität ab. Einige Organe wie zum Beispiel Nerven- und Hirngewebe lassen sich sogar nur mit der MRT darstellen. Ein weiterer Vorteil: Das Verfahren kommt ohne ionisierende Strahlung aus.


Über den Deutschen Röntgenkongress
Mit etwa 7.000 Besuchern pro Jahr ist der Deutsche Röntgenkongress der wichtigste radiologische Fachkongress im deutschsprachigen Raum. Veranstaltet wird er von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG). Im Zentrum stehen der wissenschaftliche Austausch sowie die fachliche Weiterbildung. Im Rahmen des angeschlossenen Industrieforums stellen jedes Jahr weit über 100 Aussteller aus der Medizintechnik ihre Produktneuheiten vor. Seit 2005 findet der Röntgenkongress in Berlin statt.

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