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Strittige Themen im Spiegel der Medien und deren Wirkung

11.06.2007 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bertram Scheufele zum Professor für Kommunikations-Methoden an der Universität Jena ernannt Jena (11.06.07) Politisch und gesellschaftlich strittige Themen wie Fremdenfeindlichkeit oder Missbrauch interessieren Prof. Dr. Bertram Scheufele von der Friedrich-Schiller-Universität Jena besonders. Der neue Professor für Empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft nutzt die Berichterstattung über solche Fälle, um seinen Studierenden die Methoden der Kommunikationsforschung zu erläutern. "Methoden gehen ohne Theorie gar nicht", weiß der 37-jährige gebürtige Waiblinger. Doch Scheufele ist bewusst, dass sein Gebiet oft nicht zu den Lieblingen des Fachs gehört, daher vermittelt er "Methoden und Statistik immer am konkreten Thema". Das ist notwendig, damit die zukünftigen Medienwissenschaftler z. B. Statistiken besser verstehen und ihre eigene Forschung sauber durchführen können. Dass ihm dies gelingt, beweisen die guten Evaluationsergebnisse des Neu-Jenaers, der nebenbei zeichnet und auch "gern, aber nur leidlich gut" Fußball spielt.

Zurückgreifen kann der Kommunikationswissenschaftler dabei schon auf seine Magisterarbeit, in der er an der Uni Mainz die "Die Skandalierung Günther Krauses" untersucht hat. Und der ehemalige DDR-Unterhändler und spätere bundesdeutsche Verkehrsminister hatte einige - private wie berufliche - Skandale zu verzeichnen.

Wie die Medien mit strittigen Themen umgehen, hat Scheufele auch in seiner Promotion erforscht, die er 2003 an der Universität München abgeschlossen hat. An Beispielen wie Fremdenfeindlichkeit analysierte er, welche Bezugsrahmen Qualitätszeitungen an ihre Berichterstattung anlegen - und wie diese sich veränderten. So wechselte die Berichterstattung zwischen 1990 und 1993 von der Asylproblematik im Zuge von Mölln und Solingen hin zur Frage der Abwehr rechtsradikaler und -extremistischer Gewalt, konnte der Forscher belegen.

Und solche Veränderungen zeigen sich auch bei der medialen Vermittlung von anderen Gewaltthemen, die Scheufele untersucht hat. Als Beispiel nennt er "sexuellen Missbrauch". Bereits "die Berichterstattung in den Medien spiegelt nicht den Normalfall", weiß er. Die Medien behandeln das Thema nur punktuell und bedienen dabei Stereotype sowohl über Täter als auch über Betroffene. Zudem konnte Prof. Scheufele zeigen, dass Qualitätszeitungen wie FAZ oder Süddeutsche bei diesem Thema stärker den Aspekt "Verbrechen/Kriminalität" transportieren, während die BILD häufiger "Sexualität" - bis hin zur Sprachebene - in den Mittelpunkt der Berichterstattung stellt. Damit erzeugen die Zeitungen beim gleichen Fall unterschiedliche Reaktionen und Wertungen bei ihren Lesern. "Medien haben durch ihre Berichterstattung auch die Chance, die Menschen zu prägen", weist Prof. Scheufele auf die Verantwortung der Journalisten hin - und regt zur Selbstreflexion der Journalisten über ihre eigenen Bezugsrahmen an, aber auch über die Sichtweisen jener Akteure, die sie zu Wort kommen lassen.

Neben diesen Themen wird sich Prof. Scheufele an der Universität Jena auch verstärkt der Wahlforschung widmen. Dazu konnte er aktuell ein Projekt einwerben, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Andere Themen werden weiterhin die Kriegs- und Terrorismus-, aber auch die Börsenberichterstattung sein - immer auch mit Blick darauf, wie sich solche Fragestellungen methodisch umsetzen lassen.


Kontakt:
Prof. Dr. Bertram Scheufele
Bereich Medienwissenschaft der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944930
E-Mail: bertram.scheufele[at]uni-jena.de

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