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20 Jahre Herztransplantation in NRW

12.09.2007 - (idw) Universitätsklinikum Essen

Vor genau 20 Jahren gelang Prof. Christoph Reidemeister mit seinem Team im Essener Universitätsklinikum nrw-weit die erste erfolgreiche Herztransplantation. Damit war er Vorreiter eines Verfahrens, das im Laufe der nächsten Jahre viele Leben retten sollte. Bis 2002 transplantierte die Uniklinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie dann das 100. Herz, darunter auch Doppeltransplantationen wie Herz-Lunge und Herz-Niere. Heute sind es bereits 150. "Dadurch, dass wir schon damals in Essen den Schwerpunkt auf Transplantation gelegt hatten, besaßen wir die nötige Infrastruktur, um uns auch an die Verpflanzung des Herzens zu wagen", beschreibt der damalige Operateur.

Eine Herztransplantation ist die letzte Hoffnung für viele Erkrankte. Sie wird erst dann gemacht, wenn keine andere Therapie mehr hilft - beispielsweise wenn nach drei Infarkten das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Kreislauf pumpen kann. Beim Eingriff selbst, wird das erkrankte Organ gegen ein Spenderherz ausgetauscht. Dabei kann nicht jedes Herz verpflanzt werden, da Blutgruppe, Gewicht und Körpergröße passen müssen. "Dafür gibt es eigens eingerichtete Wartelisten, die eine Organisation betreut, damit die Organspenden gerecht verteilt werden", erklärt Prof. Heinz Günther Jakob, Direktor der Uni-Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie. Kunstherzen hingegen würden zurzeit nur verpflanzt, um die Wartezeit auf ein geeignetes Organ zu überbrücken.

Jährlich werden heute mehr als 3000 Herzen verpflanzt, davon etwa 400 in Deutschland. Rund 75 Prozent der Patienten sind männlich, meistens zwischen 50 und 65 Jahre alt. "Der Erfolg einer Herztransplantation hängt wesentlich davon ab, wie die Abstoßungsreaktion des Körpers verläuft. Ihr ganzes Leben lang nehmen die Patienten Medikamente, damit ihr Immunsystem nicht zu stark gegen das fremde Organ ankämpft", beschreibt Prof. Heinz Günther Jakob. 83 Prozent der Patienten mit transplantiertem Herz überleben das erste Jahr. Danach nehmen die Komplikationen weiter ab. 75 Prozent der Betroffenen überleben das zweite und dritte Jahr, 70 das vierte. Die meisten können ein fast normales Leben führen, üben einen Beruf aus und treiben Sport.

Zur Geschichte der Herztransplantation:
Das erste Herz wurde 1967 in Kapstadt transplantiert. Weltweit folgten einige hundert ähnliche Eingriffe, die allerdings den Patienten - wenn überhaupt - nur für kurze Zeit halfen. Grund: Der Körper stieß das fremde Organ ab und der Patient verstarb. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Medikamente, die das Immunsystem daran hindern konnten, sich gegen das fremde Gewebe zu wehren. Das änderte sich erst Mitte der 80er Jahre. 1985 wurden dann in der ganzen Welt, vor allem aber in San Fransisco, 1.000 Herzen transplantiert. 1987 gelang dann Prof. Reidemeister in NRW die erste erfolgreiche Transplantation. Noch heute ist das Westdeutsche Herzzentrum das einzige Zentrum im Ruhrgebiet, das Herztransplantationen durchführt. Dabei übernimmt die Klinik für Kardiologie unter Leiter von Prof. Raimund Erbel die für die Organverpflanzung lebenswichtigen Voruntersuchungen, berät die Patienten in der eigens dafür eingerichteten Transplantationssprechstunde und betreut zusammen mit der chirurgischen Klinik Betroffene, deren Herzschwäche so weit fortgeschritten ist, dass sie stationär aufgenommen werden mussten. "Dieses Jahr ist es uns schon mehrfach gelungen, die Wartezeit dieser schwerstkranken Patienten von mehreren Jahren auf einige Wochen zu verkürzen", so Prof. Raimund Erbel, Direktor der Uni-Klinik für Kardiologie.


Nähere Informationen:
Prof. Christoph Reidemeister, ehem. Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, Universitätsklinikum Essen, Tel.:02 01/7 23 53 73, christoph.reidemeister@uk-essen.de
Prof. Heinz Günther Jakob, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, Universitätsklinikum Essen, Tel.: 02 01 / 7 23 - 49 00, heinz.jakob@uk-essen.de.
Prof. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Essen, Tel.: 02 01 / 7 23 - 48 01, erbel@uk-essen.de

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