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Liebe und Sexualität im Alter - zu Unrecht ein Tabu!

12.09.2007 - (idw) Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Hamburg, 12. September 2007. Am 14. und 15. September richtet das Zentrum für Ältere in der Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll zum siebten Mal das Hamburger Symposium "Aktuelle Konzepte der Altersmedizin" aus. Schwerpunkte der erfolgreichen Fachtagung sind in diesem Jahr Liebe und Sexualität, Medikamente im Alter - Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen sowie neue Erkenntnisse zur Alzheimer Erkrankung. Am Freitagabend um 18 Uhr gibt es wie gewohnt einen öffentlichen Vortrag, diesmal zum Thema "Zärtlichkeit und Sexualität im höheren Alter". Am Sonnabend stehen die Experten der Öffentlichkeit Rede und Antwort. Liebe im Alter ist ein Tabuthema. Weder in der Bevölkerung noch in der Fachwelt wird die Sexualität älterer Menschen angemessen thematisiert. Dabei haben auch ältere Menschen Sehnsucht nach Zärtlichkeit, körperlicher Berührung und Intimität. Häufig sind sie aber in Folge von Scham, Ängsten, körperlichen Erkrankungen, gesellschaftlichen Einschränkungen - oder einfach weil sie allein sind - eingeschränkt, ihre Bedürfnisse zu leben. "Ältere Menschen benötigen einen offenen Dialog in der Gesellschaft über Liebe und Zärtlichkeit", sagte Dr. Claus Wächtler, Leiter der Gerontopsychiatrie im Zentrum für Älter der Asklepios Klinik Nord auf der heutigen Pressekonferenz: "Sie brauchen verständnisvolle und kompetente altersmedizinische Hilfestellung, sofern psychische oder körperliche Erkrankungen sie behindern. Bei wenigen Themen der Altersmedizin berühren sich Körper und Psyche so eng wie bei der Liebe." Experten aus Hamburg und der Bundesrepublik werden während des Symposiums über dieses Thema diskutieren. Darüber hinaus wird das Thema auch im öffentlichen Vortrag der Hamburger Psychologin PD Dr. Kirsten von Sydow am Freitag, 14.09.2007, 18 bis 19 Uhr, aufgegriffen.

Umdenken in der Arzneimittelverordnung: die Fünferregel
Nach aktuellen Studien zählen durch Arzneien bedingte Komplikationen zu den häufigsten Todesursachen und sind häufiger als Todesfälle im Straßenverkehr. Die Schätzungen reichen von 10.000 bis 50.000 Opfern pro Jahr allein in Deutschland. Ursache sind in erster Linie Wechselwirkungen verschiedener Arzneien untereinander und erst in zweiter Linie Fehler bei der Verordnungen oder Einnahme der Medikamente. Wechselwirkungen zwischen einzelnen Medikamenten können heute gut erklärt werden. Sind aber mehrere Medikamente gleichzeitig im Spiel, sind die Folgen unvorhersehbar. Sehr gravierend ist das Risiko für neu zugelassene Medikamente: Hier können Tausende an noch nicht bekannten Neben- und Wechselwirkungen betroffen sein. Noch immer sind sowohl Kinder als auch Ältere von Zulassungsstudien ausgeschlossen - obwohl gerade bei Älteren, die auf Grund mehrerer Erkrankungen auch eine Vielzahl an Medikamenten gleichzeitig einnehmen, die Folgen der Wechselwirkungen besonders fatal sind!
Zwar existiert eine Vielzahl an sehr hilfreichen Leitlinien. Diese beziehen sich aber immer nur auf einzelne Erkrankungen, wie z. B. Herzschwäche. "Besonders wichtig ist es daher, Prioritäten zu setzen und dafür Sorge zu tragen, dass möglichst EIN Arzt die Medikamentenverordnung übersieht und steuert", betonte PD Dr. Werner Hofmann, Leiter der Geriatrie im Zentrum für Ältere: "Bei diesem Arzt sollten alle Informationen über verschiedene Verordnungen durch Fachärzte und auch die der Selbstmedikation zusammenlaufen."

Überlappende Verordnungen sollten so gering wie möglich gehalten werden, so Hofmann: "Es hat ein Umdenken in der Medizin begonnen. Gerade ältere Menschen sollten nicht mehr als fünf Substanzen gleichzeitig nehmen. Ist ein zusätzliches Medikament zwingend erforderlich, sollte auf ein bisheriges Medikament verzichtet werden!" Dieses Vorgehen fördert darüber hinaus die so wichtige Einnahmetreue und Zuverlässigkeit der erwarteten Medikamentenwirkung (Fünferregel).
Bei der Priorisierung ist Hofmann ein weiterer Punkt besonders wichtig: "Noch immer werden Älteren Medikamente vorenthalten, weil Beschwerden wie Schmerzen dem normalen Alter zugeschrieben werden. Älteren dürfen aber keine sinnvollen und wirksamen Medikamente vorenthalten werden!"

Neues zur Alzheimer-Krankheit
Etwa eine Million Menschen sind derzeit in der Bundesrepublik von einer Demenz betroffen, meist verursacht durch eine Alzheimer'sche Erkrankung. Demenz ist eine Alterserkrankung - der Hauptgrund, warum Demenzen heute und in Zukunft immer häufiger auftreten. Der Demenzkranke verliert sein Gedächtnis, seine Orientierung, seine Sprache und seine Gewissheit von der eigenen Person. Im fortgeschrittenen Stadium ist er komplett auf Pflege angewiesen. Sechs von zehn Demenzkranken werden immer noch zu Hause gepflegt - eine enorme Leistung der Familien. Wenn die Kräfte aufgezehrt sind, ist der Wechsel in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohngemeinschaft unvermeidlich.
"Das heute Mögliche in Diagnostik und Therapie ist in der Versorgungspraxis nicht selbstverständlich", erklärte Dr. Claus Wächtler: "Deshalb werden wir auf dem Symposium darüber informieren, dass bestimmte Medikamente in Kombination mit psychotherapeutischen, übenden und stützenden Verfahren den Verlauf günstig beeinflussen können und zum Standard der Versorgung gehören sollten." Darüber hinaus werden zwei international bekannte Hamburger Wissenschaftler, Frau Dr. Mandelkow und Prof. Glatzel, über neuste Ergebnisse der Grundlagenforschung und über die sich daraus ergebenden Hoffnungen auf noch wirksamere Medikamente berichten.

Weitere Informationen: http://www.asklepios.com/klinikumnord/data/Zentrumfueraeltere/Programmheft7HHSymposium250707.pdf Programmheft des Symposiums http://www.asklepios.com/klinikumnord/ Homepage der Asklepios Klinik Nord
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