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Nachhaltige Entwicklung und Design in Indien

13.09.2007 - (idw) Institut für Designforschung

Institut für Designforschung mit Vortrag und Kurzzeit-Gastprofessur vertreten in Indien

Folgende Asien-Reports des Institut für Designforschung können beim Institut angefordert werden:

Report 08.007.dt: Nachhaltige Entwicklung und Design in Indien. Pune Art and Design Festival des Creative-i College vom 22. bis 25. März 2007. Kurzzeit-Gastprofessur am National Institute of Design (NID) in Ahmedabad, Juli 2007. Indiens neue Design-Politik.

Report 05.004.dt: Design Education: Tradition and Modernity (DETM 2005). National Institute of Design (NID). Ahmedabad, Indien, 1. bis 4. März 2005. Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG finanzierte Reise.
Mit Anhang: Intent Statement for Design Education - Ahmedabad 2005 Passed at: Design Education. Tradition and Modernity (DETM 2005). National Institute of Design (NID), Ahmedabad, India, 2005.
Mit Anhang: Design, Kulturtradition und Design-Ausbildung in Indien. 21. Februar bis 28. Februar 2005. Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG finanzierte Informationsreise in Indien.

Report 03.002.dt: Visualogue - 2003. ICOGRADA Kongress Nagoya/Japan 08.-11.10.2003. Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG finanzierte Reise.

Report 03.001.dt: International Design Forum (IDF) Singapur 2003, 02.-04.10. 2003. Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG finanzierte Reise. Indiens neue Design-Politik

Indien ist momentan weltweit das boomende Design-Land schlechthin. Die indische Regierung hat das Design, die produktgestalterische Intelligenz und Entwurfsqualifikation als eines der wichtigsten Elemente des Wirtschaftswachstums erkannt und Anfang Februar diesen Jahres eine spezifische nationale Design-Politik etabliert.
Bisher hat sich die indische Politik auf die 'alten', traditionellen Industrien und in neuester Zeit auf die IT-Industrie konzentriert. Seit dem Beginn der Entwicklung einer 'wissens- und innovationsbasierten Wirtschaft' jedoch wird die treibende Kraft für die nächste Phase der indischen Entwicklung in den kreativen und ideenreichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der indischen Bevölkerung gesehen. Die 'neuen Architekten der globalen Wirtschaft' werden in denjenigen gesehen, die Phantasie, Kreativität und Wissen anwenden, um neue Ideen und Werte zu verwirklichen. Multidimensionale Gestaltung, künstlerische Kreativität, Unternehmertum und technologische Innovation würden 'die neue Erfolgsstory' ausmachen. Die National Design Policy Indiens beinhaltet deshalb ein sehr umfassendes Bündel von Aktivitäten, die im folgenden stichwortartig vorgestellt werden:
- Es sollen gezielt Plattformen geschaffen werden für Design-Entwicklungen, Design-Förderungen und Partnerschaften quer durch viele Sektoren, Bundesstaaten und Regionen. Indisches Design und Innovation sollen vermehrt auf der 'internationalen Bühne' gezeigt werden, auch durch Zusammenarbeit mit internationalen Design-Organisationen.
- Strategisches Design: Indisches Design soll einen eigenen Stellenwert erhalten und global positioniert werden als "Designed in India" zusammen mit "Made in India". Dazu gehört die Schaffung einer Marke "Indian Design", die hohe Schlüsselkriterien wie Originalität, Innovation, Benutzerfreundlichkeit, Ergonomie, Sicherheit und Umweltverträglichkeit auch ästhetisch erfüllen soll. 'Original indisches Design' für Produkte und Dienstleistungen soll auch aus Ressourcen der vielfältigen Kunsthandwerk-Tradition und dem reichen Kulturerbe entstehen. Indien soll sich zu einem größeren 'Hub' für den Export und das Outsourcing von Design-Leistungen für die weltweite Industrie entwickeln. Design soll den Herstellern und Dienstleistungsanbietern insbesondere im SME-Bereich (KMU, kleine/mittlere Unternehmen) und der Cottage-Industrie als wichtiger Qualitätsfaktor vermittelt werden.
- Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Verbesserung und den Ausbau der Design-Ausbildung gelegt. Hierzu gehört insbesondere auch die 'Qualität Nachhaltigkeit' in indischem Design zu verwirklichen. Das National Institute of Design (NID) in Ahmedabad als das führende Design-Ausbildungsinstitut erhält Universitätsstatus und wird während des 11. Fünf-Jahres-Plans an vier weiteren Standorten in verschiedenen Regionen Indiens ausgebaut. Die Ausbildung soll mit den Abschlüssen Bachelor-Designer und Master Designer dem internationalen Standard angepasst werden. Alle Indian Institutes of Technology (IIT) und alle National Institutes of Technology (NIT) sowie die herausragenden Colleges für Ingenieurwesen und Architektur sollen um Design-Fakultäten erweitert werden.
- Ferner sollen Industrie und Designer zusammenarbeiten bei der Entwicklung einer berufsständischen Politik. Die Einrichtung von Design-Centren und Innovations-Hubs für spezielle Sektoren wie Automobile und Transportwesen, Schmuck, Lederwaren, Digitalprodukte, Spielzeuge und Spiele sollen vielfältige Möglichkeiten für zum Beispiel schnellere Produktentwicklung oder "high performance" Visualisierung schaffen. Dazu gehören auch Marktunterstützung für junge Designer und Design-Firmen.
- Mit umfassenden Design-Förderungsaktivitäten über ganz Indien verteilt soll durch Workshops und Seminare die Bedeutung des Designs für die Industrie, insbesondere für den Cottage-Sektor, vermittelt werden.
- Das traditionelle Wissen und Können der Handwerker und Kunsthandwerker soll gestärkt und genutzt werden, um es diesen Gruppen zu ermöglichen, innovative Produkte herzustellen für ein breites Spektrum des Gebrauchs in der Bevölkerung sowie für kleine Märkte.
- Die Etablierung einer Chartered Society for Designers, einer Kammer für Designer, nach dem Beispiel solcher Institutionen für Ingenieure, Architekten oder dem Medical Council für Mediziner, soll die professionellen Designer zusammenführen, beraten und unter anderem Berufsstandards setzen.
- Und schließlich soll ein Indian Design Council (IDC) errichtet werden.
Eine so umfassende und fundierte Initiative erscheint weltweit ohne Beispiel. Indien könnte sich als 'Design-, Service- und Software-Center der Welt' entfalten.
Zur Zeit wird die Anzahl Designer in Indien lediglich zwischen fünf bis sechs Tausend geschätzt. Bei einem Wirtschaftswachstum in Indien von circa 9% jährlich wird jedoch ein Bedarf von 10.000 Designern pro Jahr geschätzt. Fabrikation und Kommunikationstechnologie sind die beiden wichtigsten Sektoren der indischen Wirtschaft, die wesentlich Design-Leistungen erfordern. Design interagiert mit einer Vielzahl von Faktoren wie Funktionalität, Ästhetik, Kunsthandwerkertradition und Hochtechnologie, zwischen lokalen und den Anforderungen globaler Märkte. Dieses spreizt das erforderliche Design-Wissen weit, umfassend und komplex. Das sich verändernde Profil der indischen Wirtschaft mit seinem wachsenden Produktionssektor und dem sich rasant entwickelnden Service-Sektor erfordert zunehmend mehr designspezifische Leistungen, um seine Wettbewerbsfähigkeit nach innen und außen zu sichern und zu steigern, sowie den Wohlstand der Bevölkerung zu heben.
Zunehmend mehr Unternehmen eröffnen Design-Büros und -Abteilungen in Indien. Nokia plant eine erste Design-Abteilung in Indien zu eröffnen. In Zusammenarbeit mit der Srishti School of Art, Design and Technology in Bagalore (http://srishti.ac.in) möchten die Finnen Nokia-Designer und junge indische Nachwuchs-Designer zusammenbringen und Handy-Ideen vor allem für den indischen aber auch für den internationalen Markt entwickeln. Renault hat eine erste Design-Abteilung in Mumbai eröffnet, um das Auto "Logan" weiter zu entwickeln, das in Zukunft in einer neuen Fabrik in Indien produziert werden wird.
Indiens Wirtschaft boomt, das Milliardenvolk macht sich auf den Weg an die ökonomische Weltspitze. Bis 2025 könnte Indien - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - an Deutschland vorbeiziehen, und Nummer 3 der Weltwirtschaft nach China und den USA werden. "Man darf nicht vergessen, im 18. Jahrhundert hat etwa die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung bestanden aus China und Indien. Zum Ende der Kolonialzeit hatten die Asiaten nur noch 0,2% an der Weltwirtschaft. So drastisch war der Verfall dieser ehemals führenden Wirtschaftsstaaten. Heute herrscht Nachholbedarf und China wie Indien machen gewaltige Anstrengungen im wirtschaftlichen und technologischen Sinne. China hat bereits heute Nordamerika überrundet was die Bereitstellung von Wirtschaftsinvestitionen in Europa betrifft, so dass China 1000 Mrd. US $ Währungsreserven besitzt. ... Und während Afrika südlich der Sahara vor etwa 10 Jahren noch mit 7,6 oder 7,8 % am Welthandel beteiligt war, ist es inzwischen auf 0,3% abgerutscht ...". Komar, Reinhard. Grünes Bauhaus. Dokumentation. Oldenburg 2007. ISBN: 978-3-86622-020-1.

Pune Art and Design Festival des Creative-i College vom 22. bis 25. März 2007

Das diesjährige Pune Art & Design Festival in Pune/Indien fand statt zum Thema Nachhaltigkeit als ein kritischer Aspekt des Design-Denkens und der Design-Lösungen. Das Festival, organisiert vom Creative-i College, umfasste vielfältige Aktivitäten wie Ausstellungen, Workshops und "open houses".
Helmut Langer - Beirat des Institut für Designforschung - Grafik-Designer mit internationaler Reputation und Past-Präsident von ICOGRADA, dem Weltdachverband für Design und visuelle Kommunikation, hatte das diesjährige Thema durch seinen Keynote-Vortrag 2005 auf der Weltkonferenz für Design-Ausbildung in Ahmedabad, Indien, initiiert. Die Kongress-Reise wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG finanziert, siehe: [ifd] 4 Report 30.05.2005.
Helmut Langer war als Keynote Speaker eingeladen seine Vision eines neuen Design-Denkens zu präsentieren im Vortrag: "Global Challenge for Sustainable Design". Zitat: "Wir haben die Chance, uns in Richtung Nachhaltiger Entwicklung zu verändern, die es erlaubt, die Lebensbedingungen aller Menschen zu verbessern und die Chancen nachfolgender Generationen zu wahren. Designer befinden sich als Entwerfer in einer Schlüsselposition, diesen Wandel direkt zu beeinflussen." Er appellierte an die hohe Verantwortung der Gestalter von Produkt und Umwelt für das Wohl der Weltgemeinschaft und die globale Umwelt einzutreten: "Die fünf Prioritäten und Strategien dafür lauten: Preventing, Reducing, Sharing, Changing and Restoring." Weitere Referenten waren Peter A. Di Sabatino vom Art Center College in Pasadena/USA (www.artcenter.edu), der einen "Design-Challenge-Workshop" organisierte zum Thema "Mobility and Urban Products and Systems". Elena Caratti und Annamaria Formentini vom Politecnico Milano organisierten einen Workshop zum Thema "Signs and Symbols for Sustainability". Nicola Morelli, italienischer Architekt und Designer von der Aalborg Universität in Dänemark sprach über "Urban Transportation in Different Contexts" - lokal und in breiteren Märkten. Dinesh Katre vom National Multimedia Resource Centre in Pune (www.cdac.in) sprach über "Applications of Interface Metaphors in UX Design" und Sayalee Joshi, Forschungsdirektorin beim Center for Knowledge Societies (www.cks.in), Bangalore, organisierte einen Workshop über "User Research and Ethnography".
Das Creative-i College (www.creativei.info) hat das Thema Nachhaltigkeit als eine große Verantwortung erkannt und sieht die Designer mehr als andere Berufsgruppen großen Herausforderungen gegenüber. Am 25.03.2007 wurde abschließend eine Round-Table-Diskussion mit führenden Design-Praktikern und Design-Professoren aus ganz Indien über Sustainable Design und Responsible Design als mögliche große Chance und zukünftigem Weg Indiens veranstaltet. Alle Teilnehmer betrachteten dies als ein zeitgemäßes und bedeutendes Thema für Design und Design-Ausbildung in Indien. Allgemein wurde gefordert, Social Responsible Design als Anspruch für den Design-Berufsstand durchzusetzen - nicht nur als eine Vision für Indien, sondern als Integral der Design-Ausbildung überhaupt zu berücksichtigen.

Kurzzeit-Gastprofessur am National Institute of Design (NID) in Ahmedabad

Das NID (www.nid.edu) ist eine international renommierte und führende, multidisziplinäre Hochschule auf dem Gebiet der Forschung und Lehre des Designs. Es untersteht dem Ministry of Commerce and Industry (Government of India) und ist bekannt für seine hohen Maßstäbe für Design-Excellence. Um den Ausbildungsstandard zu heben und sich global zu öffnen, lädt das NID laufend international renommierte Designer ein, als Kurzzeit-Gastprofessoren Wissen und Epertise in sein Curriculum einzubringen. Helmut Langer war im Juli 2007 in Ahmedabad, um verschiedene Workshops für Nachhaltige Gestaltung im Kommunikations-Design sowie für Plakat-Gestaltung zu veranstalten.

Weitere Informationen: http://www.designforschung.de
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