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Jahrestagung Hygiene und Mikrobiologie (Presseeinladung)

26.09.2007 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Die 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie findet vom 30. September bis zum 4. Oktober 2007 in Göttingen statt. Das Tagungsprogramm wurde federführend vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Tübingen (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Ingo B. Autenrieth) organisiert. Schwerpunktthemen sind aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Infektionsmedizin wie
- Multiresistenz von Erregern gegen Antibiotika
- Selektion von Erregern im Krankenhaus
- Infektionen im Alter - die Folgen der demographischen Entwicklung
- Import neuer Erreger durch Globalisierung und Reiseverkehr
- Revolution der Infektionsdiagnostik: schnell, gut, aber teuer - mehr Prävention

"Die Jahrestagung soll deutlich machen, welchen hohen Stellenwert die Medizinische Mikrobiologie und Hygiene für die Infektionsmedizin, insbesondere in den Bereichen der Infektionsdiagnostik und Prävention für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Hochleistungsmedizin und für die Sicherung des öffentlichen Gesundheitssystems hat", betont der Tagungspräsident Prof. Autenrieth im Vorfeld der Tagung. Das Tagungsprogramm lässt erahnen, welche Herausforderungen die Infektionsmedizin in naher Zukunft bewältigen muss und wo wissenschaftliche Erfolge Zuversicht verbreiten.

1. Herausforderungen und Rückschläge
Der Kampf gegen Infektionskrankheiten ähnelt dem Wettlauf zwischen Hase und Igel. Mit der Entwicklung neuer Antibiotika, neuer infektionsdiagnostischer Verfahren, neuer präventiver Maßnahmen im Gepäck des Hasens beginnt der Wettlauf gegen die Infektionskrankheiten und damit eine Sisyphosarbeit, denn Tarnkappen-tragende Infektions-Igel sind bereits überall verbreitet. Diese Metapher steht für den Wettlauf und den Kampf, den wir zwar zur Zeit noch nicht gewinnen können, jedoch auch nicht verlieren müssen, wenn wir klüger handeln als bisher und einen langen Atem haben.
Was ist zu tun: Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu Fachärzten für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie muss verstärkt werden, damit mehr Lotsen in der Infektionsmedizin die Diagnostik, Therapie und Prävention von Infektionskrankheiten mitbestimmen. Dies gilt nicht nur für Krankenhäuser v.a. der Maximalversorgung, sondern auch im niedergelassenen ärztlichen Sektor.
"Weniger ist oft mehr" gilt häufig für die Antibiotikatherapie, wenn die Multiresistenzentwicklung unter Kontrolle bleiben soll.
"Mehr zahlt sich aus" gilt, wenn es um Krankenhaushygiene, epidemiologische Erfassung und Charakterisierung von Erregern, Erregernachweis und Antibiotikaresistenzbestimmung und mikrobiologisches Fachwissen geht. Hier liegt noch viel Überzeugungsarbeit mit den neuen Krankenhausökonomen vor uns. Die Infektionsmedizin wird im Krankenhaus und bei niedergelassenen Ärzten zu wenig finanziert - die Folgen sind insbesondere der ungezielte Einsatz teurer Breitspektrumantibiotika bis hin zu deren Wirkungsverlust durch Resistenzentstehung.

2. Fortschritte
In vielen deutschen Krankenhäusern wurde inzwischen das für Europa vorbildliche Krankenhaus-Infektions-Surveillence-System (KISS) etabliert, das standardisierte und damit vergleichbare Daten über Infektionshäufigkeiten liefert. So wissen wir, dass der Anteil von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA)-Infektionen bei Patienten auf Intensivstationen in den letzten zehn Jahren von 8% auf 35% gestiegen ist - mit zunehmender Tendenz. Es ist nur ein schwacher Trost, dass wir hier nicht Spitzenreiter sind; in England, Spanien und den USA ist die MRSA-Häufigkeit noch höher. Unsere Nachbarländer zeigen, wie diese Entwicklung zu stoppen ist: in den Niederlanden oder in Dänemark spielen aufgrund verstärkter Infektionsdiagnostik und rigoroser Präventionsmaßnahmen derartige Infektionen eine nur untergeordnete Rolle. In Deutschland können Maßnahmen zur Früherkennung von MRSA-positiven Patienten zur Trendumkehr führen, was nicht nur dem Patienten, sondern auch der Krankenhausökonomie nutzen wird. Durch Prävention können nicht nur schwere, oft tödliche Infektionen verhindert (Schätzungen liegen bei 30-50%), sondern in der Folge auch die Behandlungskosten für Infektionen und deren Komplikationen vermieden werden.

3. Turbodiagnostik von Infektionserregern
Je schneller ein Infektionserreger beim Patienten nachgewiesen wird, desto früher kann gezielt therapiert werden und desto erfolgreicher ist die Antibiotikatherapie. Neue molekularbiologische (multiplex PCR, FISH, Genchip) und biochemische Methoden (Bakterien-Massenspektroskopie) werden in Zukunft die Zeitdauer der Erregeridentifizierung verkürzen. Was gestern und heute teilweise noch mehrere Tage dauert, wird künftig im Stundenbereich liegen. Die kultivierungsabhängigen traditionellen Identifzierungstechniken für Infektionserreger werden links überholt - allerdings sind die neuen Verfahren teuer, ein Umdenken ist erforderlich. Mehr Kosten für Diagnostik und Prävention verhindern Infektionen und führen somit zu Einsparungen im Gesundheitswesen. Infektionen sind heute die häufigsten Erkrankungen und die dritthäufigste Todesursache.

4. Darwins Renaissance: Bakterielle Parasexualität, die Ursache der Entstehung neuer Erreger
Die Genomforschung hat wichtige neue Erkenntnisse zum Mechanismus der Entstehung von Erregervarianten mit neuen Eigenschaften hinsichtlich der Pathogenität und Antibiotikaresistenz erzielt. Das Ergebnis: Im Reich der Mikroben scheint die Vielfalt unendlich zu sein und wir setzen durch unsere Umwelt- und Lebensbedingungen den Selektionsfilter für die optimal angepassten Erreger (Charles Darwin: "Survival of the fittest").

Diese Ergebnisse zeigen, dass der Wettkampf zwischen Infektionsmedizin und Krankheitserregern derzeit noch nicht gewonnen werden kann und deshalb neue Strategien zur Kontrolle von Infektionskrankheiten entwickelt werden müssen. Wegweisend sind die Erfolge von neuen Infektionszentren an verschiedenen Universitätsklinika in Deutschland.


Das gesamte Tagungsprogramm finden Sie unter www.dghm2007.de.

Pressekontakt:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
Romy Held
Tel. bis 29.9.: 03641/3533229
Tel. ab 30.9.: 0173/5733326
romy.held@conventus.de
Weitere Informationen: http://www.dghm2007.de.
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