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Bundespräsident Horst Köhler besuchte den Deutschen Zukunftspreis-Sieger Stefan Hell in Göttingen

29.09.2007 - (idw) Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Der Deutsche Zukunftspreis, 1997 auf Initiative des Bundespräsidenten ins Leben gerufen, würdigt Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik. Preisträger des Jahres 2006 ist Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Ihm war es gelungen, das erste Lichtmikroskop zu entwickeln, dessen Auflösung nicht mehr durch die Lichtwellenlänge begrenzt ist. Mit seinem Institutsbesuch am 28. September hat sich Bundespräsident Horst Köhler über den erfolgreichen Fortgang der Arbeiten informiert. Darüber hinaus machte sich der Bundespräsident auch ein Bild von der Situation der jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Der Deutsche Zukunftspreis, mit dem Stefan Hell für seine bahnbrechenden Ideen zur Verbesserung der Lichtmikroskopie ausgezeichnet wurde, gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Er zeichnet Projekte aus, die von hoher wissenschaftlicher Qualität und zugleich anwendungs- und marktreif sind. Am 28. September konnte sich der Bundespräsident nun direkt in der Abteilung des Zukunftspreis-Siegers am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ein Bild von der erfolgreichen Weiterentwicklung des Projekts machen.
Zu Beginn des Besuchs stellte Stefan Hell sein Projekt "Lichtmikroskopie in ungekannter Schärfe" und die Forschung am Institut vor. Die Formel von Abbé, die bisher die Auflösung von Lichtmikroskopen auf die Lichtwellenlänge begrenzte, galt lange Zeit "in Stein gemeißelt", sagt Hell. Durch einen Trick haben der Wissenschaftler und seine Mitarbeiter mit dem so genannten STED-Mikroskop die Abbé'sche Grenze um das zehnfache unterlaufen und können damit sogar einzelne Eiweißmolekül-Komplexe im Bereich von 20 bis 50 Nanometern (Millionstel Millimeter) getrennt voneinander sehen. Damit gelingen bisher nicht mögliche Einblicke in die Vorgänge im Inneren lebender Zellen. Stefan Hell betonte, dass nur an einem so interdisziplinär ausgerichteten Max-Planck-Institut mit den drei Disziplinen Biologie, Physik und Chemie diese Entdeckung möglich war.

Das Institut ist auch wissenschaftliche Heimat von Herbert Jäckle und Peter Gruss, den Preisträgern des Deutschen Zukunftspreises von 1999. In seiner jetzigen Funktion als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft hob Peter Gruss die erfolgreiche Patentverwertung innerhalb der Wissenschaftsorganisation hervor. "Die Grundlagenforschung legt die Basis für technische Innovationen wie diese", sagte Gruss. Als erfolgreiche Beispiele nannte er 80 bis 100 Patentanträge pro Jahr und die Ausgründung von Firmen wie Alnylan Inc., Evotec und Lambda Physik (heute Coherent Inc.). Zugleich betonte Gruss, dass in Deutschland die Umsetzung der Forschung in innovative Produkte etwa im Vergleich zu den USA noch durch eine strukturelle Lücke behindert werde, die geschlossen werden müsse.

In der nachfolgenden Besichtigung der Abteilung NanoBiophotonik von Professor Hell konnte Bundespräsident Horst Köhler selbst einen Blick durch das STED-Mikroskop werfen. Markus Dyba und Miriam Schwentker, zwei junge Nachwuchswissenschaftler der Abteilung, erklärten dabei die Unterschiede zum konventionellen Licht- sowie zum Elektronenmikroskop. Eine wichtige Frage war auch der Stand der praktischen Umsetzung dieses Projektes. "Die Firma Leica Microsystems in Mannheim wird dieses Mikroskop am 2. November auf einem Kongress in San Diego vorstellen", erläuterte Stefan Hell. "Es ist das erste kommerzielle Mikroskop mit einer Auflösung jenseits der Beugungsgrenze. Die wesentlich deutlicheren Einblicke in das Innerste der Zellen werden in der Gesundheitsforschung neue Erkenntnisse schaffen". Auch die Herstellung elektronischer Bauteile oder Chips könnte durch die STED-Mikroskopie oder ein verwandtes Verfahren beschleunigt oder verbilligt werden.

Nach einer internen Diskussionsrunde mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Institut zeigte sich Bundespräsident Horst Köhler beeindruckt von den ausgezeichneten Forschungsbedingungen am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und in der Max-Planck-Gesellschaft insgesamt. Dennoch sei der Weg von der Forschung zum innovativen Produkt, das Arbeitsplätze schafft, oft zu langsam. Es mangele nicht an Ideen, sondern an Strukturen, die innovative Prozesse optimieren und hier sei auch die Politik gefragt, so Köhler. Dass die Markteinführung eines Produkts dennoch gut funktionieren könne, zeigten Entwicklungen wie das STED-Mikroskop von Stefan Hell, die "einen ökonomischen Nutzen haben für unser Land".

Der Preisträger:
Prof. Stefan W. Hell, Jahrgang 1962, studierte Physik in Heidelberg. Nach seiner Promotion 1990 in Heidelberg verfolgte er seine Ideen zunächst als "freier Erfinder". Nach einer Zeit als Postdoktorand am EMBL in Heidelberg ging er 1993 als Gruppenleiter nach Turku, Finnland. Dort entwickelte er das Prinzip der STED-Mikroskopie. Im Jahr 1996 wechselte Hell als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Dort leitet er seit 2002 die Abteilung NanoBiophotonik. Stefan Hell ist wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter im Jahr 2000 den Preis der "International Commission for Optics (ICO)"


Weitere Informationen:
www.mpibpc.mpg.de/PR/2007/ - Pressemeldung vom 28. September 2007
www.deutscher-zukunftspreis.de

Prof. Dr. Stefan Hell, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Abt. NanoBiophotonik, Am Faßberg 11, 37077 Göttingen, Tel: 0551 201-2500,
Fax: -2505, eMail: shell@gwdg.de
Weitere Informationen: http://www.mpibpc.mpg.de/groups/pr/PR/2007/07_29/ http://www.deutscher-zukunftspreis.de
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