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Exzellenzinitiative: Tübinger Cluster in den Neurowissenschaften wird gefördert

19.10.2007 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Ausbau des neurowissenschaftlichen Schwerpunkts der Universität

Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) soeben mitteilte, wird das von der Universität Tübingen beantragte Exzellenzcluster "Interdisciplinary Center for Integrative Neuroscience" (CIN) bewilligt. Damit wird die Universität Tübingen eines von bundesweit 20 Exzellenzclustern erhalten. Aus der Förderung des Bundes und der Länder werden der Universität Tübingen dafür jährlich etwa 6,5 Millionen Euro über fünf Jahre zur Verfügung stehen.

Das Zentrum für Integrative Neurowissenschaften wird aus Arbeitsgruppen von sechs Fakultäten der Universität, allen Abteilungen des Max-Planck-Institutes für Biokybernetik in Tübingen sowie des Frauenhofer-Institutes IPA in Stuttgart bestehen. Ziel des Forschungsprogramms ist es, Gehirnfunktionen aufzuklären, zu erforschen, wie Erkrankungen des Gehirns diese Funktionen beeinträchtigen, und hirnorientierte Anwendungen in der Technik zu entwickeln.

Universitätsrektor Bernd Engler erklärt zu der Nachricht: "Wir freuen uns sehr, dass wir nun in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative doch noch erfolgreich sind. Der neurowissenschaftliche Forschungsschwerpunkt der Universität, einer unserer 'Leuchttürme', der jetzt schon Weltgeltung hat, wird durch diesen Erfolg in einem hoch kompetitiven Wettbewerb mit internationaler Begutachtung noch weiter aufgewertet und international noch sichtbarer werden. Ich gratuliere den beteiligten Wissenschaftlern und danke ihnen für die außerordentlichen Anstrengungen bei der Ausarbeitung der Forschungskonzeption des Clusters. Besonderer Dank gebührt der Hertie-Stiftung, denn viele der zentralen Projekte des Clusters sind am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung der Universität (HIH) angesiedelt, das die Stiftung großzügig fördert. Außerdem hat sich die Hertie-Stiftung bereit erklärt, bei einem Erfolg des Exzellenzcluster-Antrages das Institut noch auszubauen und den Aufbau einer zweiten internationalen Graduiertenschule für Neurowissenschaften zu fördern."

Prof. Peter Thier, Koordinator der Initiative und Direktor am HIH, sieht den Erfolg als Belohnung für eine international sichtbare neurowissenschaftliche Forschung und forschungsorientierte Ausbildung, in der Tübinger Neurowissenschaftler engagiert und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. "Die Gründung des CIN wird die Einrichtung einer großen Zahl neuer Arbeitsgruppen ermöglichen, die das Spektrum der neurowissenschaftlichen Forschung in Tübingen bereichern und die Attraktivität des Standortes für forschungsorientierte Studenten steigern werden. Die Möglichkeiten der forschungsorientierten Ausbildung werden durch die Gründung einer Graduate School of Cellular and Molecular Neurobiology, Zwilling der bestehenden Graduate School of Neural and Behavioral Science, komplettiert werden. Das Zentrum wird außerdem die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Neurowissenschaften nutzen, um die Faszination der Hirnforschung bereits in die Schulen zu tragen." Thier dankt den Tübinger Kollegen, die sich seit den 80er Jahren unermüdlich für den Aufbau des neurowissenschaftlichen Schwerpunktes in Tübingen engagiert und sich an der Ausarbeitung eines überzeugenden Cluster-Antrages beteiligt haben.

Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Frankfurt, kommentiert: "Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Damit ist die ausgezeichnete Forschungsarbeit am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung auch durch das Gütesiegel der Exzellenzinitiative bestätigt worden."

Tübingen als Forschungsuniversität

Dass die Universität aufgrund eines fehlenden Erfolges in der Förderlinie Graduiertenschulen keine Chance hatte, mit ihrem Zukunftskonzept in der dritten Förderlinie zum Zuge zu kommen, sieht Universitätsrektor Bernd Engler als Ansporn, die derzeitige Position unter den Top Ten der deutschen Forschungsuniversitäten durch weitere Profilbildungsmaßnahmen zu behaupten und zu festigen. Die gute Ausgangsposition für solche Anstrengungen kommt in nahezu allen Forschungsrankings, z.B. der DFG, des CHE, der Drittmittelstatistik der EU oder der Alexander von Humboldt-Stiftung zum Ausdruck. An dem entschiedenen Willen, in allen Wissenschaftsbereichen zu den besten Universitäten in Deutschland zu gehören, werde man auch weiterhin festhalten.

Bernd Engler sieht die Weichen für eine positive Entwicklung der Universität durch die vom Rektorat bereits eingeleiteten Maßnahmen des letzten Jahres gestellt. Durch die Reformagenda des Rektorats, die von der gesamten Universität nachdrücklich unterstützt wird, sollen die bisher noch nicht voll zum Tragen gekommenen Forschungspotentiale der Universität aktiviert werden. Die durch die Einrichtung eines Innovationspools einsetzbaren Mittel werden in einem Wettbewerbsverfahren zeitnah zur Stärkung zukunftsweisender Forschungs- und Lehrprojekte verwendet.

Zusammenfassung des Exzellenzclusters "Interdisciplinary Center for Integrative Neuroscience"
Das Zentrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) wird von sechs Fakultäten, dem Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, dem Sonderforschungsbereich 550, dem Hertie Institut für Klinische Hirnforschung, der 'Graduate School of Neural and Behavioural Sciences' und einer Vielzahl interner und externer Partner getragen.
Die wesentliche strukturelle Basis der Zusammenarbeit im Exzellenzcluster sind mehrere neurowissenschaftliche Sonderforschungsbereiche seit den 80er Jahren und eine erfolgreiche Graduiertenausbildung in Graduiertenkollegs und der International Graduate School of Neural and Behavioral Science/ International Max-Planck-Research School, gewesen - Strukturen, die mit der Gründung des Hertie-Instituts für Klinische Hirnforschung (HIH) mit seinem Schwerpunkt in der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen im Jahre 2002 eine wesentliche Ergänzung erfahren haben.
Das CIN versucht in einem interdisziplinären Programm zu klären, wie unser Gehirn Funktionen ermöglicht und wie Erkrankungen des Gehirns Funktionen beeinträchtigen. Das primäre Ziel ist die Entschlüsselung der informationstheoretischen und neuronalen Basis von Hirnleistungen. Darüber hinaus versucht man auch, die gewonnenen Einsichten zu nutzen, um leistungsfähigere technische Applikationen zu entwickeln.
Die Forschungsaktivitäten des CIN bestehen aus fünf komplementären Forschungsbereichen: Im Bereich A beschäftigt man sich mit der Analyse der Aufgabenspezifität und der Verkörperung ('embodiment') kognitiver Leistungen. Der Bereich B umfasst Gruppen, die über die molekulare und zelluläre Implementierung ausgesuchter Hirnfunktionen sowie deren Störungen durch Hirnerkrankungen arbeiten. Der Bereich C widmet sich der Verbesserung moderner Bildgebungstechnologien. Arbeiten im Bereich D zielen auf die Entwicklung von Neuroprothesen, die krankheitsbedingt verloren gegangene Funktionen ersetzen sollen, und die Arbeiten im Bereich E gelten der Entwicklung technischer Lösungen, die 'hirninspiriert' sind.

Um den unverzichtbaren wissenschaftlichen Nachwuchs zu sichern, wird das CIN ein Graduierten-Trainingszentrum für die Förderung der neurowissenschaftlichen Ausbildung in den integrativen Neurowissenschaften einrichten.

Für Nachfragen zum Exzellenzcluster:

Prof. Dr. Hans-Peter Thier
Tel: +49 7071 29-83057
Fax : +49 7071 29-5326
E-Mail: thier@uni-tuebingen.de
Neurologische Universitätsklinik
Hoppe-Seyler-Straße 3
D-72076 Tübingen

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