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Frankfurt stärkt Position als exzellente Forschungsuniversität - Geistes- und Sozialwissenschaftler werben drittes Exzel

19.10.2007 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Die Universität Frankfurt bekommt ein drittes Exzellenzcluster und steht damit - so der Präsident der Universität, Prof. Dr. Rudolf Steinberg "in der ersten Reihe wissenschaftlicher Exzellenz in Deutschland". In den kommenden fünf Jahren werden insgesamt mehr als 100 Millionen Euro aus dem bundesweiten Programm zur Stärkung der universitären Spitzenforschung nach Frankfurt fließen. Denn soeben wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats in Bonn mitgeteilt, dass der Antrag der Geistes- und Sozialwissenschaftler der Goethe-Universität Erfolg hatte. Für die mehr als 20 Wissenschaftler der Universität und kooperierender Institutionen im Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" bedeutet dies in den kommenden fünf Jahren eine finanzielle Förderung von 33 Millionen Euro. "Ich freue mich sehr, dass nach dem großartigen Erfolg mit zwei medizinisch-naturwissenschaftlichen Exzellenzclustern in der ersten Runde in der zweiten Runde nun ein geisteswissenschaftliches Exzellenzcluster prämiert wurde und umfangreich gefördert wird. Dies unterstreicht die Stärke unserer traditionsreichen Geistes- und Sozialwissenschaften", so Steinberg. "Wir haben die Jury davon überzeugen können, dass unser Konzept über Fächergrenzen hinweg reflexive und analytische Kompetenzen in sinnvoller Weise verbindet mit konkreten Fragen nach der Lösung von Problemen, etwa zur globalen Gerechtigkeit."

Das Ziel, im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert zu werden und sich in dem harten Wettbewerb durchzusetzen, hat die Graduiertenschule FIRST, die bereits seit 2006 Doktorandenausbildung auf dem Gebiet der translationalen Biomedizin mit dem Fokus Arzneimittelentwicklung erfolgreich anbietet, nicht geschafft. "Auch wenn es für die Prämierung der Graduiertenschule FIRST ganz knapp nicht gereicht hat: Wir werden das hinter ihr stehende Konzept weiter verfolgen. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Konzept der Vernetzung von Wissenschaft, Praxis und außeruniversitärer Forschung einen zukunftsweisenden Weg beschritten haben, den - wie ich fürchte - nicht alle Gutachter nachvollziehen konnten," äußerte Steinberg.

Bei den Geistes- und Sozialwissenschaftlern der Universität Frankfurt und beteiligten Forschungsinstituten war die Erleichterung groß, als aus Bonn die positive Nachricht kam, dass ihre Monate langen, intensiven Vorarbeiten für das Exzellenzcluster von Erfolg gekrönt sind. Dazu der Koordinator des Cluster-Antrags, der Rechtsphilosoph Prof. Dr. Klaus Günther: "Der Erfolg bestätigt die herausragende wissenschaftliche Qualität der bisherigen geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung in der Region Frankfurt. Mit neuen Professuren, einer anspruchsvollen Nachwuchsförderung und verbesserten Forschungsbedingungen werden wir uns nun dafür einsetzen, dass dieser Erfolg in die Zukunft verlängert und Frankfurt zu einem international beachteten Zentrum der Geistes- und Sozialwissenschaften wird."

Philosophen, Politologen, Ökonomen, Rechtswissenschafter, Kulturanthropologen und Historiker lassen sich in diesem Cluster auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ein - das Umfeld an der Goethe-Universität ist ideal, das meint auch die Frankfurter Historikerin und Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte: "Wir haben in Frankfurt zeigen können, wie Geisteswissenschaftler mit vernetzter Großforschung sinnvoll umgehen können und wir haben bewiesen, dass die Frankfurter Sozial- und Geisteswissenschaften gemeinsam kreative Forschung betreiben können." 20 von den bundesweit 40 Anträgen für Exzellenzcluster wurden in dieser Endrunde der Exzellenzinitiative bewilligt, darunter fünf aus den Geisteswissenschaften. Das Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" hat jährlich zwischen vier und sechs Millionen beantragt, in fünf Jahren sind dies 27 Millionen Euro, hinzu kommen 20 Prozent Overhead-Zuschlag, also insgesamt knapp 33 Millionen Euro.

Bereits in der ersten Runde der Exzellenzinitiative hatte Frankfurt den Zuschlag für zwei Exzellenzcluster "Makromolekulare Komplexe" und "Herz-Lungen-Systeme" (letzteres gemeinsam mit der Universität Gießen) bekommen und damit bereits mehr als 72 Millionen aus dem Fördertopf der bundesweiten Exzellenzinitiative für Frankfurt eingeworben. "Zusätzlich hoffen wir auf 26 Millionen Euro für ein Forschungsgebäude für das Cluster 'Makromolekulare Komplexe', die jeweils hälftig von Bund und dem Land Hessen aufgebracht werden", erläutert Steinberg.

Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen
Die Wissenschaftler erforschen im Rahmen des Exzellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen" Gründe für den rapiden und konfliktreichen Wandel gesellschaftlicher Ordnungen - sei es die Frage einer gerechten globalen Ordnung der Wirtschaft zwischen den Ländern des Nordens und des Südens, die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte, die Transformation autoritärer Regime in demokratische Rechtsstaaten oder die Herstellung des Weltfriedens. Dabei spielen die vielfältigen und oftmals konträren Überzeugungen der beteiligten Konfliktparteien von einer gerechten Ordnung und deren Rechtfertigung eine maßgebliche Rolle. In dem komplexen Geflecht ökonomischer, kultureller, machtpolitischer und religiöser Ursachen nationaler und internationaler Konflikte sind diese Überzeugungen und Rechtfertigungen oftmals der auslösende Faktor und die treibende Kraft. Menschen kämpfen immer wieder mit Worten oder mit Gewalt um die Gerechtigkeit ihrer Lebens- und Herrschaftsverhältnisse.

In vier miteinander vernetzten Forschungsfeldern werden die philosophischen, historischen, politikwissenschaftlichen und juristischen Dimensionen des Streits um die Rechtfertigung von normativen Ordnungen untersucht. Es ist eines der organisatorischen Hauptziele des Clusters den bisher an der Goethe-Universität bestehenden fächer- und institutsübergreifenden Kooperationen zwischen den Geistes- und Sozialwissenschaften einen Rahmen zu geben, um damit die spezifische Frankfurter Tradition der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung zu erneuern und auf die wissenschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft auszurichten.

Die philosophischen, historischen, politikwissenschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Institute der Universität arbeiten dazu mit den Frankfurter Forschungsinstituten der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte, des Instituts für Sozialforschung, des Frobenius-Instituts sowie dem Centre Point Sud, der Technischen Universität Darmstadt und zahlreichen ausländischen akademischen Partnern eng zusammen. Sie schaffen damit ein regionales Netzwerk der Geistes- und Sozialwissenschaften, das international sichtbar sein wird.


Nähere Informationen:
Interviews: Universitätspräsident Prof. Dr. Rudolf Steinberg ist ab 15 Uhr über folgende Mobil-Nummern zu erreichen: 0179-5165520 (Olaf Kaltenborn) oder 0177-6800142 (Ulrike Jaspers)

Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen"
Prof. Dr. Klaus Günther, Koordinator des Clusterantrags, Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie, Fachbereich Rechtswissenschaft, Telefon. 069/798-22903, Mobil 0179-9075636, E-Mail: K.Guenther@jur.uni-frankfurt.de

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