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Wunder - Provokation der Vernunft?

22.10.2007 - (idw) Universität Erfurt

Universität und Fachhochschule Erfurt laden zur 15. Öffentlichen Ringvorlesung "Säkulare Sprachen, die das, was einmal gemeint war, bloß eliminieren, hinterlassen Irritationen", sagt Jürgen Habermas. Und er nennt die Verwandlung von Sünde in bloß menschliche Schuld und den Verlust des Bekenntnisses zur Auferstehung, der eine "spürbare Leere" hinterließe. Gilt das auch für die moderne Skepsis gegenüber Wunderglauben und der Welt außergewöhnlicher Erscheinungen, von denen religiöse Erfahrung unterschiedlichster Kulturen immer wieder redet? Oder gehört die Vorstellung von Heilern und besonderen Zeichen in das vormoderne Lebensgefühl, das mit der Aufklärung unwiderruflich - und berechtigterweise - untergegangen ist?

Die gemeinsame Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule Erfurt im Wintersemester 2007/2008 geht - anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Hl. Elisabeth - dem Sprechen von Wundern nach, das in der heutigen Zeit nicht einfach verschwunden ist. Es geht um Wunder der Natur, Wunder der Technik, um das Wunder der friedlichen Revolution von 1989. Die Vorlesung will dieser Sprechweise in einem breiteren Sinne auf den Grund gehen: Wie sich darin das säkulare Bewusstsein in seiner Freude über die Größe der Natur mit ihrem unglaublichen Reichtum und über die Leistungen menschlicher Technik und Kultur ausdrückt - ein Verständnis von Wunder, das mit der Vernunft versöhnt ist, auch wenn es sie an ihre Grenzen führt, an denen sie ins Staunen gerät. Und so geht es ebenso darum wahrzunehmen, wie sich die Kultur der Gegenwart eine Offenheit in eine tiefere Welt hinein als die bewahrt, welche der bloße Verstand erfasst. "Ja, der Sinn der religiösen Sprache kann sich so neu erschließen: ein angemessenes Verständnis dessen, was die Bibel meint, wenn sie von den Wundern Jesu spricht, oder die Mystik des Islam, die in ihnen Gottes Allmacht erfährt", so Josef Römelt, Professor für Moraltheologie und Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, der am 23. Oktober die Ringvorlesung mit seinem Vortrag "Die moralische Kraft des Unmöglichen" eröffnen wird.
"Wunder und Wissenschaft scheinen ein Widerspruch in sich", meint Professor Wolf Wagner, Politologe an der Fachhochschule Erfurt. Doch Albert Einstein habe ihr Verhältnis klargestellt: "Es ist ja das Ziel jeder Tätigkeit des Intellekts, ein Wunder in etwas zu verwandeln, was man begreifen kann". Sind damit Wunder nur die wichtigen und nützlichen Provokationen der Vernunft? Oder steckt mehr in ihnen?

Diesen und weiteren Fragen soll die 15. gemeinsame Ringvorlesung von Fachhochschule und Universität in diesem Semester nachgehen. Die mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe, der Stadtverwaltung Erfurt, dem HELIOS-Klinikum und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringer Allgemeine präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr) in insgesamt 14 Veranstaltungen Vorträge von Professoren aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen. Die Veranstaltungen finden im Rathausfestsaal, dem Audimax der Universität oder dem Auditorium der HELIOS-Klinik statt (Programm im Internet). Den Einführungsvortrag zu der Reihe mit dem Titel "Die moralische Kraft des Unmöglichen" hält Prof. Dr. Joseph Römelt von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt am morgigen Dienstag (23.10.2007) um 18.00 Uhr im Rathausfestsaal.


Nächster Termin der Reihe: 30.10.2007; 18.00 Uhr; Auditorium des HELIOS Klinikums; Carsten W. Frieburg, Universität Duisburg-Essen; "Die Konzeption von 'Wunder' in New Age und Esoterik"
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/presse/veranstaltungen/ringvorlesung/
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