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Neue biblisch-archäologische Ausgrabung in Qubûr al-Walâyidah, Israel

22.10.2007 - (idw) Universität Rostock

Im Sommer 2007 fand eine erste Ausgrabungskampagne unter Leitung von Prof. Gunnar Lehmann, Prof. Steven A. Rosen (Ben-Gurion Universität, Beersheva/Israel) und Prof. Hermann Michael Niemann (Theologische Fakultät, Universität Rostock) statt.
Das Projekt möchte eine von den beteiligten Forschern bis 2003 betriebene Ausgrabung der 4 km südlich gelegenen Stadt Tell el-Far´ah (Süd) um eine ländliche Siedlung der Umgebung ergänzen. Qubûr al-Walâyidah liegt 10 km östlich vom Gazastreifen im Übergang zwischen der Küstenebene des Mittelmeeres im Westen, dem Gebirge und der Steppe bzw. der Negev-Wüste im Osten und Süden. Das Projekt beschäftigt sich mit der Analyse kultureller und sozialer Übergänge und Differenzen zwischen der Küstenebene und ihren Bewohnern und den östlich lebenden Gruppen. In der Eisenzeit werden die Differenzen bisher traditionell ethnisch gekennzeichnet: Philister der Küstenebene, Israeliten und Judäer im östlichen Binnenland. Das Projekt will auf mögliche Differenzen innerhalb der/den Kultur(en) der Küstenebene in Spätbronze- und Eisenzeit achten, zwischen städtisch-urbanen und ländlich-bäuerlichen Siedlungen. Städte sind bekannt, ländliche Dorfkultur in der Küstenebene kaum.
Es fanden sich Reste eines Eisenzeit I-Dorfes (spätes 12.-11.Jh.v.Chr.). Zahlreiche Vorratsgruben traten zutage, wiederbenutzt als Abfallgruben, die viel Gebrauchs-Keramik enthielten. Reste einer Weinpresse, eines Webstuhls und eines Backofens tauchten auf. Die Funde sind typisch philistäisch, nicht israelitisch-judäisch, die Mauerreste bescheiden und schmal. Den bäuerlichen Charakter unterstreichen Flint-Sichelklingen.
Unter dem Eisen I-Dorf lag eine spätbronzezeitliche Siedlung mit monumentaler Ziegel-Architektur und Mauern, mehr als 2 m breit. Die Architektur ähnelt Festungs- Stützpunkten des 13./12.Jh.v.Chr., die im Südwesten Palästinas mehrfach gefunden wurden, mit denen die Ägypter das Gebiet als "Kolonie" beherrschten. Mit dem neuen Fund erweist sich die ägyptische Verwaltung als engmaschiger als bisher gedacht.
Reste einer späteren Siedlung fanden sich abseits der Hauptgrabung, wo Keramik des 7.Jh. v. Chr. auftauchte. Freigelegt wurde dort u. a. ein Ofen mit Kalksteinresten. Anscheinend wurden Fundamentsteine des Eisen I-Dorfes hier zu Kalk gebrannt.
Die erste Kampagne hat eine "extra-urbane" ägyptische Siedlung der Spätbronzezeit aufgedeckt. Nach Unterbrechung von ca. 60-80 Jahren entstand ein Dorf der in der Bibel oft als Gegner der Israeliten kritisch dargestellten Philister, das zu Beginn der Eisenzeit II (ca. 900/850 v.Chr.) verlassen war. Eine bescheidene Nachfolge-Siedlung der Eisenzeit II fand sich nordöstlich, die Ende des 7.Jh.v.Chr. aufgegeben wurde.

Prof. Dr. Hermann Michael Niemann
Theologische Fakultät
Tel. ++49-(0)381-498 8410/-00
Fax ++49-(0)381-498 8402
E-mail: hmn@uni-rostock.de

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