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Eine neue Form des Lernens und Lehrens

23.10.2007 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Am Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung der Universität Würzburg wird im laufenden Wintersemester "Service Learning" als neue Lehr-Lern-Form eingeführt. Studierende, die an den entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen, setzen das dort erworbene theoretische Wissen sofort in der Praxis zum Nutzen sozialer Einrichtungen ein. "Wir haben es bei Service Learning mit einer echten Win-Win-Situation zu tun." Professor Heinz Reinders ist seit Juni 2007 Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung an der Universität Würzburg. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass sich Pädagogik-Studierende in diesem Semester zu ersten Mal in dieser neuen Form des Lernens üben können. Das Prinzip dabei: In Reinders' Seminar "Evaluation pädagogischer Maßnahmen" erhalten die Teilnehmer das theoretische Rüstzeug, mit dem sie beispielsweise die Arbeit einer Kinderkrippe oder den Nutzen einer Aktion wie "3 Tage für Helden" untersuchen können. Anschließend ziehen sie los und setzen das neue erworbene Wissen im Auftrag einer pädagogischen Einrichtung in die Tat um.

"Die Träger pädagogischer Programme profitieren davon, weil sie kostenlos die Ressourcen bekommen, die sie benötigen, um ihre pädagogischen Programme oder Maßnahmen zu optimieren", so Reinders. Und den Studierenden bringt das Angebot ebenfalls Vorteile: "Internationale Studien zeigen, dass die Seminarteilnehmer das vermittelte Wissen besser verstehen und anwenden können, wenn sie es praktisch einsetzen". Auch seien sie anschließend stärker für gesellschaftliches Engagement und die eigene soziale Verantwortung sensibilisiert.

Reinders' Studierende werden in diesem Semester für den Kreisjugendring untersuchen, welchen Erfolg ein vom Jugendring veranstalteter gemeinnütziger Tag hatte. Gespräche mit anderen Einrichtungen laufen zurzeit noch. Sorgen, dass er nicht genügend Projekte findet, die sich von Studierenden unter die Lupe nehmen lassen, hat der Pädagogik-Professor nicht. Die Erfahrung an seiner früheren Arbeitsstelle, der Uni Mannheim, habe gezeigt: "Wenn Sie das Fass erst einmal öffnen, können Sie sich zahlreicher Anfragen sicher sein".

"Deutlich mehr Aufwand als in einem regulären Seminar", prophezeit Reinders den Teilnehmern. Dieser Einsatz werde jedoch durch den zusätzlichen Nutzen für alle Beteiligten wieder wettgemacht.

"An anderen Universitäten in Deutschland wurden außerordentlich gute Erfahrungen mit Service-Learning gemacht", erläutert Reinders. Auch seine eigenen Angebote an der Universität Mannheim seien äußerst erfolgreich gewesen: "Es war für mich erstaunlich zu sehen, wie motiviert und begeistert die Studierenden diese Lehrform nutzen, und welch positive Rückmeldung von den Einrichtungen kamen, die wir in Mannheim beratend begleitet haben", sagt er. Deshalb werde es Zeit, das Potenzial dieser Veranstaltungsform auch in Würzburg zu nutzen.

Bislang betrachtet Reinders sein Seminar als Pilotprojekt, das er zwei Semester lang anbieten wird. Danach will er die Erfahrungen mit Service Learning an der Universität Würzburg der Öffentlichkeit präsentiert. Die eigene Arbeit sozusagen einem Testlauf zu unterziehen, ist für den Pädagogen selbstverständlich: "Wir können hier am Lehrstuhl ja nicht nur alle anderen evaluieren, wir müssen uns schon auch selbst auf die Finger schauen".

Weitere Informationen: Prof. Dr. Heinz Reinders, Tel.: (0931) 888 5563, E-Mail: bildungsforschung@uni-wuerzburg.de

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