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Der Taufstein der Severi-Kirche in Erfurt

09.11.2007 - (idw) Universität Erfurt

Ein Wunderwerk mittelalterlicher Steinmetzkunst steht im Mittelpunkt der nächsten Ringvorlesung am Dienstag, dem 13. November. Professor Dr. Thomas Stemmler wird um 18.00 Uhr im Auditorium des Helios-Klinikums über den Taufstein der Erfurter Severi-Kirche sprechen - ein spätmittelalterliches Ausstattungsstück, dass für Thüringen einzigartig ist. Der Taufstein mit seinem turmförmigem Überbau gilt als "eine der bedeutendsten Schöpfungen spätgotischer Bildhauerkunst in Deutschland." Vergleichbare Kleinarchitekturen sind u.a. in Nürnberg und Ulm zu finden. Aus den schriftlichen Quellen geht hervor, dass der 1467 vollendete Taufstein eine Stiftung des Kanonikers Johann Steinberg aus Duderstadt ist. "Die ikonographische Analyse der Kleinarchitektur lässt die Vermutung zu, dass es sich bei dem turmförmigen Überbau eigentlich um eine Kapelle handelt, so dass durchaus von einem Baptisterium in der Severi-Kirche gesprochen werden kann", so Staemmler.

Der turmartige Überbau des Taufstein reicht bis in das Gewölbe der Kirche. Seine filigrane architektonische Gliederung wird von einer reichhaltigen Ornamentik und einem umfangreichen Figurenprogramm ergänzt. Bei der Betrachtung des Taufstein zeigt sich ein Kunstbegriff, wie er in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Technik zu finden ist, in dem Kunst und Technik noch nicht getrennt betrachtet werden. Das ikonographische Programm der Architektur und der Bildwerke wird in höchster künstlerischer Qualität und technischer Perfektion umgesetzt. Dazu wurde das Natursteinmaterial bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten ausgereizt.

Eine erwartete mittelalterliche Farbfassung konnte durch die restauratorischen Untersuchungen nicht nachgewiesen werden. Erst im Zuge einer Renovierung in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erhielt der Taufstein die heute noch vorhandene barocke Bemalung. Im Ergebnis der Untersuchungen wurde ein restauratorisches Konzept entwickelt, dass die künstlerische und historische Bedeutung des Taufsteins mit der wieder aufzunehmenden liturgischen Nutzung in Übereinstimmung bringt. Der Vortrag befasst sich schließlich mit der Frage, was unsere Rezeption eines solchen Kunstwerkes beeinflusst und was ein solches Kunstwerk uns modernen säkularisierten Menschen noch zu sagen hat. "Die Antwort auf die Frage nach dem Wert, den das Kunstwerk heute hat, ist entscheidende Voraussetzung für den Erhalt dieses Meisterwerkes", so Staemmler. Der studierte Restaurator ist seit 1994 am Fachbereich Konservierung und Restaurierung der Fachhochschule Erfurt tätig und wurde 1997 zum Professor berufen.

Die Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule Erfurt im Wintersemester 2007/2008 geht - anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Hl. Elisabeth - dem Phänomen von Wundern nach, die ja in der heutigen Zeit nicht einfach verschwunden sind. Dabei geht es neben der Beschäftigung mit Wundern in den verschiedenen kulturellen Kreisen und Religionen auch um Wunder der Natur, Wunder der Technik, um das Wunder der friedlichen Revolution von 1989.
Die mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe, der Stadtverwaltung Erfurt, dem HELIOS-Klinikum und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringer Allgemeine präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr) in insgesamt 14 Veranstaltungen Vorträge von Professoren aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen. Die Veranstaltungen finden im Rathausfestsaal, dem Audimax der Universität oder dem Auditorium der HELIOS-Klinik statt (Programm im Internet).


Nächster Termin der Reihe: 20.11.2007; 18.00 Uhr; Auditorium HELIOS Klinikum, Nordhäuser Straße 74; "Wunder in der biblischen Welt"; Professor Dr. Claus-Peter März, Universität Erfurt
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/presse/veranstaltungen/ringvorlesung/
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