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Jan Philipp Reemtsma ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Jahr 2008

12.11.2007 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Der Professor für Neuere Deutsche Literatur und Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung ist einer der führenden deutschen Intellektuellen und ein bedeutender Stifter und Förderer wissenschaftlicher und kultureller Initiativen. Er beobachtet unsere Gesellschaft mit hoher Sensibilität und seismographisch genau: Jan Philipp Reemtsma reflektiert Fragestellungen von literarischer, historischer, politischer und philosophischer Relevanz zur rechten Zeit und rückt diese in den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses. Der Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und Geschäftsführende Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur der "Freunde der Universität Mainz e.V." im Jahr 2008. In seiner interdisziplinär ausgerichteten Veranstaltungsreihe wird er sich mit der aktuellen und gesellschaftlich relevanten Problematik von "Vertrauen und Gewalt" auseinandersetzen. "Wir freuen uns ganz besonders, dass es uns gelungen ist, diese außergewöhnliche Persönlichkeit für ein Semester nach Mainz zu holen", erklärt Dr. Klaus Adam, Vorsitzender der Vereinigung der "Freunde der Universität Mainz e.V.", "Jan Philipp Reemtsma gehört zu den klügsten Köpfen unseres Landes. Mit seinen brillanten Analysen nimmt der herausragende Wissenschaftler und Sozialforscher nicht nur Einfluss auf Kultur, Politik und Gesellschaft. Vielmehr hat er mit kritischen Fragestellungen und eindeutigen Antworten vielfach überhaupt erst den Impuls für öffentliche Diskussionen gegeben - und wird somit dem Anspruch unserer Stiftungsprofessur in geradezu idealer Weise gerecht."

Prof. Dr. Dr. h.c. Jan Philipp Reemtsma, geboren 1952, lebt und arbeitet vorwiegend in Hamburg. Er ist Gründer und Geschäftsführender Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung sowie der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und Vorstand der Arno Schmidt Stiftung. Seit 1999 ist er Ehrendoktor der Universität Konstanz; Ende November 2007 wird er mit der Ehrendoktorwürde der Universität Magdeburg ausgezeichnet. Im Oktober 2007 erhielt er den Teddy Kollek Preis der Jerusalem Foundation in der Knesset in Jerusalem. Als bedeutender Mäzen und Stifter unterstützt er eine Vielzahl von Projekten und Institutionen.

Zu den Arbeitsbereichen des 1984 von Jan Philipp Reemtsma gegründeten Hamburger Instituts für Sozialforschung zählen die Schwerpunkte Theorie und Geschichte der Gewalt und die Gesellschaft Deutschlands. Die wissenschaftliche Aufarbeitung von Erscheinungsformen, Ursachen und Folgen individueller und institutioneller Gewalt ist Jan Philipp Reemtsma ein wichtiges Anliegen. Mit dem Thema Gewalt setzt er sich unter sozialwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Aspekten in Publikationen wie "Folter im Rechtsstaat?", "Die Gewalt spricht nicht", "Mord am Strand. Allianzen von Zivilisation und Barbarei" oder "Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug. Unzeitgemäßes über Krieg und Tod" auseinander. Zurzeit gilt sein besonderes Forschungsinteresse der Analyse des Verhältnisses von Gewalt und Vertrauen.

In seiner Veranstaltungsreihe "Vertrauen und Gewalt" im Sommersemester 2008 geht es Jan Philipp Reemtsma darum, das in den letzten Jahren gewachsene Interesse der Soziologie an den weichen Mechanismen sozialer Bindung und Kohäsion - statt "Macht" oder "Herrschaft" eben "Vertrauen" - in Beziehung zu setzen zu dem in der soziologischen Theorie seit Jahrzehnten als unterbelichtet beklagten Phänomen der Gewalt. Seit den Anfängen der Geschichte ist die Gewalt ein Wegbegleiter des Menschen. Sie hat die politische Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts zutiefst geprägt, und zu Beginn des neuen Jahrhunderts zeigt sich, dass die Gewaltbereitschaft erneut eskaliert.

In seinen Vorlesungen wird Jan Philipp Reemtsma u.a. danach fragen, was eigentlich "soziales Vertrauen" ist; wie dieses kulturspezifische Kohäsionsprinzip, das Prinzip des Zusammenhaltes, in der Moderne beschaffen ist; wie es mit dem für die Moderne eigentümlichen Verhältnis zur besonderen Legitimationsbedürftigkeit von Gewalt zusammenhängt; wie sich dieser Zusammenhang von sozialem Vertrauen und Gewaltmisstrauen zu den Gewaltexzessen des 20. Jahrhunderts verhält; wie schließlich nach diesen Gewaltexzessen das moderne Vertrauen und das Vertrauen in die Moderne sich erhalten kann. Er wird über das Verhältnis von Macht und Gewalt, über eine Phänomenologie unterschiedlicher Gewaltformen und über die Gründe sprechen, weshalb die soziologische Theorie Gewalt als eigenständiges soziales Phänomen - und nicht nur im Modus der Abweichung oder des Versagens - bisher nicht hat theoretisieren können.

Mit seinen Gastrednern wird Jan Philipp Reemtsma Fragen diskutieren wie:
Welche psychischen und praktischen Risiken bergen der theoretische wie der praktische Umgang mit den Phänomenen der Gewalt und ihren Folgen? Was kann die Neurobiologie zum Verständnis von Aggression und Gewalt beitragen? Vor welche theoretischen und empirischen Schwierigkeiten stellt uns die klassische Frage, wie "ganz normale Menschen" zu extremen Gewalttätern werden können?

"Eindrucksvolle Plädoyers für die Aktualität großer Literatur"
"Nach den naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen der beiden vergangenen Jahre steht nun eine gleichermaßen aktuelle wie brisante gesellschaftliche Problematik im Vordergrund der Stiftungsprofessur 2008", sagt der Vorsitzende der Stiftung, Univ.-Prof. Dr. Andreas Cesana. "Jan Philipp Reemtsma geht in idealer Weise interdisziplinär vor, indem er versucht, das Verstehen von Gewalt durch die Verbindung von sozial- und literaturwissenschaftlichen Perspektiven zu befördern. Seine Ausführungen sind immer auch eindrucksvolle Plädoyers für die Aktualität großer Literatur."

Öffnung der Universität: Akzeptanz in der Öffentlichkeit
Vorbehalten ist sie herausragenden Wissenschaftlern und Persönlichkeiten von internationalem Renommee: Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur der Vereinigung der Freunde soll das Ansehen und die Attraktivität der Universität über die Landesgrenzen hinaus fördern und neue Akzente setzen. Als Nachfolger von Fritz Stern, Bert Hölldobler und Hans-Dietrich Genscher, Wolfgang Frühwald, Klaus Töpfer, Peter Ruzicka, Anton Zeilinger und Fritz Melchers wird somit auch im Jahr 2008 ein Gastprofessor von internationaler Bedeutung nach Mainz
kommen. "Ich bin sicher, dass die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2008 erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen und damit maßgeblich zum Ansehen der Universität beitragen wird", betont der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, "Jan Philipp Reemtsma überzeugt in seinem umfangreichen publizistischen Werk einerseits durch seine kritischen Reflexionen unserer Zeit, gleichzeitig aber auch durch sein vorbildhaftes bürgerliches Engagement im Rahmen seiner Stiftungen. Damit beweist er seinen Willen und seine Bereitschaft zur Mitverantwortung - als nachhaltigen Ausdruck von Gemeinsinn und damit als Gewinn für unsere freie Gesellschaft."

Eingerichtet hat die "Vereinigung der Freunde" die Stiftungsprofessur aus Anlass des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000. Inhaber der Stiftungsprofessur waren der Kulturhistoriker und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Fritz Stern (2000), der führende Vertreter der Evolutionsbiologie und Pionier der Soziobiologie Bert Hölldobler (2001), der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (2002), der ehemalige Präsident der DFG und heutige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (2003), der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer (2004), der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka (2005), der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger (2006) und der Immunologe Fritz Melchers (2007).

Weitere Informationen: http://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de
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