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Farben auf der Haut und für die Seele

14.11.2007 - (idw) Universitätsklinikum Münster

Münster (ukm/sh). Ganz ruhig wird es im Raum, als Heike Montreal sanft Polinas kleine Hand in ihre nimmt. Sie taucht einen dünnen Pinsel in blaue Farbe und beginnt, die Hand zu bemalen. Mit wenigen Pinselstrichen entsteht jetzt ein blauer Delphin. Hier noch ein kurzer weißer Strich, dort noch eine Wellenbewegung mit dem Pinsel - und es sieht so aus, als würde der Delphin munter im Wasser umher springen. "Soll ich ihr in das Gesicht auch noch etwas malen?" fragt Heike Montreal die Übersetzerin. Polina spricht kein Deutsch. Aber einen zweiten Delphin auf der Wange findet sie klasse. Und als Heike Montreal ihr einen Spiegel vorhält, verzieht sich das Gesicht von Polina zu einem breiten Lächeln. Diesmal fällt ihr Blick im Spiegel nicht auf ihren kahlen Kopf, sie hat nur Blicke für den kleinen blauen Delphin auf ihrer Wange. "Haben Sie gesehen, wie sie gelächelt hat", fragt Montreal hinterher. "Das passiert immer, wenn ich Kinder bemale." Heike Montreal ist examinierte Kinderkrankenschwester und Heilpädagogin. Vor einiger Zeit hat sie beschlossen, sich mit ihrem Konzept "Farben für die Seele" selbstständig zu machen. Seither "malt" sie nicht nur einfach. Sie zaubert farbenfrohe Bilder oder Ornamente auf Hände, Bäuche, Köpfe. Mal zart-pastellen, wie hingehaucht, mal kräftig und bunt. Als die Firma Orthomol Montreal Geld sponserte, um Kinder in Krankenhäusern zu bemalen, fiel ihre Wahl auf das Universitätsklinikum Münster (UKM). Ein halbes Jahr schiebt sie nun ihren großen Koffer mit Tigermuster, in dem sie ihre Malutensilien aufbewahrt, einmal in der Woche auf die kinderonkologische Station des UKM.

"Durch Heike Montreal erleben die Kinder, dass etwas Positives mit ihrem Körper geschieht. Das erleben sie auf der Onkologie nicht so häufig", erläutert Stefani Schmitz-Moormann, Ärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. "Klara war danach wie ausgewechselt", "Sophias Atem wurde während dessen ganz ruhig", "Janine war danach viel ausgelassener" - das sind nur einige der Eltern-Zitate, die Heike Montreal zugeschickt bekommen und gesammelt hat.

"Das positive Erlebnis der Körperbemalung reduziert den Stress und kann helfen, einer traumatischen Verarbeitung der negativen Krankenhauserlebnisse vorzubeugen", betont Schmitz-Moormann. Sie hat beobachtet, dass es manchen Kindern nach einer Sitzung mit Heike Montreal leichter fiel, sich zu öffnen. Manche besuchten danach zum ersten Mal das Spielzimmer auf der Station. "Wir sind dankbar, wenn uns in wirtschaftlich engen Zeiten Firmen wir Orthomol helfen, unseren kleinen Patienten das Leben auf der Onkologie angenehmer zu machen", betonte Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor am UKM. Bis Ende April kann Heike Montreal mit dem Sponsorengeld noch Kinder am UKM bemalen.
"Auch wir als Krankenhaus sind ja immer mehr dazu angehalten, wirtschaftlich zu sein", sagte Hoppenheit. "Aber es gibt auch Situationen, in denen wir nicht nur ans Sparen denken: Heike Montreals Engagement bei uns ist uns wichtig, da wir von einem sehr positiven Beitrag im Heilungsprozess ausgehen. Wir werden also den Betrag von Orthomol verdoppeln", überraschte Hoppenheit Heike Montreal während eines Pressegesprächs. Mit der Zusage des Kaufmännischen Direktors über weitere 5000 Euro wird sie noch einige weitere Monate Kinder am UKM glücklich machen können.

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