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Frankfurter Universitätsmedizin verstärkt Tumormedizin in Frankfurt/Rhein-Main mit neuen Klinikdirektoren

15.11.2007 - (idw) Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Frankfurter Universitätsklinikum forciert onkologische Schwerpunktbildung mit neu berufenen Klinikdirektoren Hubert Serve und Claus Rödel. Beide verstärken die Onkologie und Tumorbehandlung in der Region mit innovativen Therapiekonzepten Jährlich sterben bundesweit circa 220.000 Menschen an den Folgen einer bösartigen Tumorerkrankung. Allein für das Jahr 2002 verzeichnet das Robert-Koch-Institut 424.250 Neuerkrankungen an Krebs in Deutschland, bei ansteigendem Trend. Umso bedeutender ist die schonende, zielgerichtete Tumorbehandlung durch modernste Verfahren in der Strahlentherapie und der medikamentösen Tumormedizin. Ziel der klinischen Forschung und Therapie ist es, molekulare Mechanismen der Tumorbiologie besser zu verstehen und darauf aufbauend Therapiekonzepte zu entwickeln, die in komplementärer Anwendung das Krankheitsprofil eines Patienten passgenau ansprechen.

Um die Frankfurter Universitätsmedizin auf dem Gebiet der Onkologie und Tumorbekämpfung in der klinischen Forschung und in der Patientenversorgung noch weiter auszubauen, haben Klinikum und Fachbereich Medizin der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main die Bereiche Hämatologie/Onkologie und Strahlentherapie mit zwei ausgewiesenen Tumorspezialisten neu besetzt. Prof. Dr. med. Hubert Serve (45) ist neuer Direktor der Medizinischen Klinik II: Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie und Infektiologie. Prof. Dr. med. Claus Rödel (41) leitet als neuer Direktor die Klinik für Strahlentherapie und Onkologie. Damit setzt das Frankfurter Universitätsklinikum einen wichtigen Akzent in der Versorgung der Rhein-Main-Region mit onkologischer Expertise. Beide Universitätsprofessoren wurden der Öffentlichkeit am 13. November auf dem medizinischen Campus des Universitätsklinikums erstmals vorgestellt. "Mit beiden Neuberufungen setzen wir in komplementärer Weise die wissenschaftliche Schwerpunktbildung auf dem Gebiet der Onkologie in der Frankfurter Universitätsmedizin fort. Für die Forschung und die Patientenversorgung in der Rhein-Main-Region sind diese exzellenten Tumormediziner ein enormer Gewinn", erklären der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Roland Kaufmann, und der Dekan des Fachbereichs Medizin der J. W. Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Josef Pfeilschifter.

Mit Prof. Serve und Prof. Rödel sind zwei renommierte Spezialisten in der Krebsforschung und Tumorbehandlung an den Main gekommen. Zugleich wird die interdisziplinäre Vernetzung medizinischen und biowissenschaftlichen Know-hows von Grundlagenforschern und Klinikern in der Krebsforschung und -behandlung zunehmend wichtiger. Vor diesem Hintergrund ist die Berufungsstrategie der Frankfurter Universitätsmedizin zu sehen. Das von Serve und Rödel angebotene Therapiespektrum umspannt medikamentöse Innovationen der gezielt agierenden molekularen Therapien und moderne Methoden der Zelltherapie sowie intensitätsmodulierte und interstitielle Strahlentherapien zur Verminderung von Nebenwirkungen. Ferner gehört zu diesem innovativen Spektrum die kombinierte Radiochemotherapie mit dem Ziel des Funktions- und Organerhalts vor oder anstatt einer operativen Tumorbehandlung.

Gezielte onkologische Therapien: Hoffnung auf nebenwirkungsarme und wirksamere Tumortherapien

Prof. Dr. Hubert Serve ist seit August 2007 in der Nachfolge von Prof. Dr. Dieter Hoelzer neuer Direktor der Medizinischen Klinik II und war zuletzt Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik A des Universitätsklinikums Münster und dort Professor für Innere Medizin (Hämatologie/Onkologie). Der Hämatologe und Internistische Onkologe vertritt in seiner klinischen Tätigkeit die Schwerpunkte Akute und Chronische Leukämien, Multiple Myelome, aggressive und indolente Lymphome, Bronchialkarzinome und Sarkome. In der Grundlagenforschung untersucht Serve schwerpunktmäßig die Pathophysiologie des Bronchialkarzinoms und die Akuten Leukämien. Er koordiniert ein bundesweites, von der Deutschen Krebshilfe gefördertes Verbundprojekt, das es sich zum Ziel gemacht hat, molekular zielgerichtete und damit schonendere und vor allem effektivere Behandlungsformen für die Akute Myeloische Leukämie (AML) zu entwickeln. Außerdem ist er ein "Lead Participant" des Europäischen Leukämie-Netzwerkes und koordiniert dort europäische Forschungsarbeiten zur Entwicklung neuer Therapieformen für Leukämien.

Insbesondere die gezielten onkologischen Therapien bilden einen seiner Forschungsschwerpunkte. Mit deren Hilfe werden zellbiologische und molekulare Mechanismen gehemmt, die das Tumorwachstum verursachen oder befördern. So bilden die so genannten Tyrosinkinasen einen Teilbereich von Serves Forschungsaktivitäten. Es handelt sich dabei um Enzyme, deren Aktivitäten zum Wachstum von Tumoren führen können. Habilitiert mit einer Forschungsarbeit über die Signalübertragung von Rezeptor-Tyrosinkinasen und Zytokinrezeptoren und deren Auswirkungen auf die Entstehung von malignen Erkrankungen, sind die Enzymaktivitäten der Tyrosinkinasen zugleich Ziele neuer onkologischer Therapien, die Serve bereits in den USA und in Münster im Rahmen präklinischer und klinischer Studien erforscht hat und dies von Frankfurt aus fortführen wird. Insbesondere die Charakterisierung der Signalübertragung so genannter Flt-3-Mutationen bei der Entstehung der AML und Mechanismen der transkriptionellen Dysregulation in der AML und ihre therapeutische Nutzung sind in diesem Kontext zu nennen.

Ein wichtiges Anliegen ist es für Serve, diese Fortschritte in der Forschung, insbesondere für Patienten mit Leukämien und Lungentumoren, in bessere und schonendere Therapien umzusetzen. Neben seinen umfangreichen Forschungsarbeiten verfügt Serve dafür über langjährige Erfahrung in der Patientenbetreuung, die ihm besonders am Herzen liegt. Hier setzt er ganz auf die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen: "Das Universitätsklinikum Frankfurt ist für mich besonders attraktiv, da hier gerade in letzter Zeit viele hervorragende Spezialisten für die verschiedenen Aspekte der Tumorbehandlung berufen wurden. Gemeinsam werden wir allen unseren Leukämie- und Krebspatienten das Beste anbieten können, das die Medizin zu bieten hat und auch die neuesten Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung umsetzen", sagt er anlässlich seiner Amtseinführung.

Kurative Strahlentherapie: Organerhalt dank multimodaler Therapien und neoadjuvanter Radiochemotherapien

Innovative und passgenau auf die Tumorbiologie ausgerichtete onkologische Therapiekonzepte bilden einen der klinischen und Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Rödel, seit 1. März Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie. Der gebürtige Bamberger war zuletzt Oberarzt an der Strahlentherapeutischen Universitätsklinik Erlangen. Zu seinen Forschungsaktivitäten zählen (multimodale) organerhaltende Therapiekonzepte beim Harnblasen- und Prostatakarzinom sowie neoadjuvante Radiochemotherapien vor der Operation gastrointestinaler Tumore. "Ziel der organerhaltenden Therapien ist die kurative Nutzung der Strahlen- und Chemotherapien, um eine radikale OP zu vermeiden oder bereits präoperativ eine Verbesserung der Prognose zu erzielen", erklärt Prof. Rödel und verweist auf die immer noch gängige, aber längst überholte Vorstellung von der Strahlentherapie als ausschließlich schmerzlinderndes oder palliatives Therapieverfahren in der Tumorbehandlung.

Die Anwendung organherhaltender Therapien impliziert eine enge interdisziplinäre Kooperation mit den anderen Fachkliniken. In der klinischen Forschung erfordert die Etablierung organerhaltender Therapiekonzepte und neoadjuvanter Radiochemotherapien zur Tumorbehandlung die Kooperation mit den chirurgischen Kliniken der Urologie und Kinderurologie, Allgemein- und Gefäßchirurgie, der Thoraxchirurgie, der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie der Kinder- und Jugendmedizin. Im Fokus von Rödels klinischer Tätigkeit befinden sich u. a. Prostata- und Harnblasenkarzinome, das Ösophagus-, Rektum- und Analkarzinom sowie Kopf-Hals-Tumore, kindliche Hirntumoren, Leukämien und Lymphome.

Den kurativen Ansatz der Strahlentherapie untersucht Rödel unter anderem in der Grundlagenforschung. Auf zellbiologischer Ebene erforscht er molekulare Mechanismen, die den so genannten "Apoptose"-Mechanismus ("programmierter Selbstmord") steuern. Dieser ist für die Entstehung von Krebszellen, aber auch für deren Ansprechen auf eine Tumortherapie von zentraler Bedeutung. Hier entwickeln die Forscher um Prof. Rödel und seinen Bruder, den Molekularbiologen Priv.-Doz. Dr. F. Rödel, Methoden, um mittels Strahlen- und Chemotherapie das für die Aussonderung geschädigter oder entarteter Zellen verantwortliche Selbstmordprogramm zu reaktivieren. In Krebszellen sind die Signalwege zur Auslösung der Apoptose gestört, was zum Tumorwachstum führt. Für die Erforschung des anti-apoptotischen Proteins Survivin als prädiktiver und therapeutischer Faktor bei der Radiotherapie des Rektumkarzinoms wurde eigens ein neues Labor eingerichtet.

Frankfurt am Main, 13. November 2007

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Hubert Serve

Medizinische Klinik II: Hämatologie / Onkologie,
Rheumatologie und Infektiologie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ M.
Fon ( 0 69) 63 01 - 51 94
Fax (0 69) 63 01 - 73 26
E-Mail hubert.serve@kgu.de
Internet www.kgu.de

Prof. Dr. med. Claus Rödel
Klinik für Strahlentherapie und Onkologie
Klinikum der J. W. Goethe-Universität
Frankfurt/ M.
Fon ( 0 69) 63 01 - 51 30
Fax (0 69) 63 01 - 50 91
E-Mail claus.roedel@kgu.de
Weitere Informationen: http://www.kgu.de
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