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Wie lassen sich Kind und Karriere vereinbaren? Vorlesungsreihe an der LMU diskutiert Lösungsansätze

15.11.2007 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Universität wird oft als Alma Mater, als nährende Mutter bezeichnet, da sie im Idealfall ihre Studierenden mit Wissen und Bildung sättigt. Am Anfang war die Alma Mater allerdings entgegen ihres Namens eine rein männliche Veranstaltung. Frauen wurden auch in Deutschland erst sehr spät zum Studium zugelassen. Noch heute gibt es manche Hindernisse für Frauen auf dem Karriereweg - auch außerhalb der Universität. Frauen müssen sich vielfach zwischen einem erfüllten Berufsleben und Kindern entscheiden. Die Vorlesungsreihe "Alma Mater - Kind und Karriere" an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München beleuchtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln diese gesamtgesellschaftliche Problematik. Die Vortragsserie wird von Professor Barbara Vinken, Institut für Romanische Philologie, veranstaltet und von der Münchener Universitätsgesellschaft unterstützt. Alle Vorträge finden jeweils montags um 18.15 Uhr im Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, im Raum M 118 statt. Der erste Vortrag am 26. November 2007 widmet sich Vorstellungen von der deutschen Mutter im europäischen Vergleich. Mit dem Titel "Brutglucken, Rabenmütter und weitere Zeitgenossen" eröffnet Silvana Koch-Mehrin, Abgeordnete des europäischen Parlaments und Autorin des Buches "Schwestern" die Vorlesungsreihe.

Am 3. Dezember 2007 hält Andrian Kreye den Vortrag mit dem Vortrag "Frauen und Kinder zuletzt - wie sich Deutschland seine Zukunft verspielt und warum es ausgerechnet von Amerika lernen kann". Nach 20 Jahren als USA-Korrespondent ist Andrian Kreye von New York nach München zurückgekehrt und leitet dort das Ressort Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Seine Vorlesung basiert auf einem Systemvergleich zwischen Deutschland und den USA. Wie die meisten Kultur- und Gesellschaftsphänomene weichen auch die Realitäten der Frauen und Familien auf beiden Seiten des Atlantiks voneinander ab. Zwar ist das private Rollenverhalten deutscher Frauen deutlich progressiver, als das der Amerikanerinnen. Doch im Beruf stoßen deutsche Frauen sehr schnell an Grenzen, so der Tenor seines Vortrags.

Professor Monika Bütler von der Universität St. Gallen liest am 10. Dezember 2007 zum Thema "Mutter schafft: eine ökonomische Sicht". In ihrem Vortrag zeigt sie am Beispiel der Schweiz, wie heikel die Finanzierung der Kinderkrippen sein kann. Die auf den ersten Blick nicht unvernünftige Staffelung der Betreuungskosten nach dem erzielten Einkommen habe dramatische Konsequenzen. Gut ausgebildete Mütter arbeiten aus einem einfachen Grund nicht, so die Volkswirtschaftlerin: Es lohne sich nicht.

Professor Claudia Koonz von der Duke University, USA, spricht am 17. Dezember 2007. In ihrem Vortrag "Has the women's history tributary entered the mainstream?" fragt sie nach unterschiedlichen historischen Sichtweisen auf die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Professor Claudia Koonz betrachtet dazu die Entwicklung des Feminismus seit den 1970er Jahren und untersucht die Wechselwirkung zwischen öffentlicher Wahrnehmung und geschichtswissenschaftlicher Forschung.

Am 14. Januar 2008 hält Professor Monika Sieverding von der Universität Heidelberg den Vortrag "Sozialpsychologische Aspekte der Mutterschaft". Sie geht von dem Befund aus, dass hierzulande nach wie vor eine ausgeprägte Mutter-Kind-Ideologie verbreitet sei, die die Berufstätigkeit von Müttern kleinerer Kinder verurteilt. Frauen stehen vor dem Dilemma, dass die Rollen der "guten Mutter" und der "erfolgreichen berufstätigen Person" in vielen sozialen Kontexten als inkompatibel gelten. Von daher verwundert es nicht, dass auf der einen Seite viele Frauen auf Berufstätigkeit oder beruflichen Erfolg, auf der anderen Seite immer mehr Frauen auf eigene Kinder verzichten. Mögliche Auswege aus diesem Dilemma will Professor Monika Sieverding aufzeigen.

"Ehe und Familie im Steuerrecht - Abbild gesellschaftlicher Konvention" lautet der Titel des Vortrags von Professor Johanna Hey von der Universität Köln am 21. Januar 2008. Das deutsche Steuerrecht ist dank der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts kinderfreundlich. Das heißt jedoch nicht, dass es auch Kind-und-Karriere-freundlich ist. Wie muss das Steuerrecht aussehen, damit es die Entscheidung, Kinder und Karriere zu vereinen, nicht verzerrt? Wie wirken Abzugsverbote für Pendlerkosten, doppelte Haushaltsführung und häusliche Arbeitszimmer? Brauchen wir geschlechterspezifische Steuertarife? Fragen, die von der Direktorin des Instituts für Steuerrecht in ihrem Vortrag beantwortet werden.

Den Abschluss der Vorlesungsreihe bildet am 28. Januar 2008 Thea Dorn, Schriftstellerin und seit 2004 Moderatorin der SWR-Fernsehsendung "Literatur im Foyer" ist. "Glückliche Hausfrauen, Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs und die neue F-Klasse - oder: Plädoyer für einen bürgerlichen Feminismus" lautet der Titel ihres Vortrags. Darin will sie zeigen, dass die Verklärung der Sphäre "Mutterschaft-Familie-Heim" als letzte Bastion der Menschlichkeit in der "kalten Welt des Spätkapitalismus" letztlich viel besser in ein linkes Welt- und Menschenbild passt als in ein bürgerliches. Vor diesem Hintergrund plädiert sie für ein neues Verständnis von Bürgerlichkeit, das die historisch gewachsenen patriarchalen Strukturen überwindet und sich auf ihren liberalen Kern besinnt: Das selbstständige, verantwortungsbewusste, freiheitsbegabte Individuum, sei es ein Mann oder eine Frau.


Ansprechpartnerin:
Birgit Graumann
Institut für Romanische Philologie
Tel.: 089 / 2180-3531
E-Mail: sekretariat.vinken@romanistik.uni-muenchen.de

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