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Europäischer Kulturdialog: Der Wohlfahrtsstaat - ein europäischer Identitätsmarker?

15.11.2007 - (idw) Kulturwissenschaftliches Institut

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Kaelble (Humboldt-Universität zu Berlin) am 20. November 2007 um 18.00 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen. Unterschiede zwischen den europäischen Sozialstaaten sind wichtig. Daneben fordert aber die Entstehung einer Sozialpolitik der Europäischen Union und das Ende der Teilung Europas seit den 1990er Jahren auch dazu heraus, die Entwicklung der Gemeinsamkeiten der Europäischen Sozialstaaten zu verfolgen. Das geschieht in den Sozial- und Geschichtswissenschaften zu wenig.
In der jungen Geschichte haben sich mehrere europäische Gemeinsamkeiten der staatlichen sozialen Sicherung in Europa entwickelt: Nirgendwo sonst in der Welt hat sich die staatliche soziale Sicherung so früh entwickelt wie in Europa. Die europäischen staatlichen Sozialversicherungen waren immer Modell für außereuropäische Länder, nie umgekehrt. Die staatliche soziale Sicherung ist in Europa besonders weit entwickelt. Nirgends sonst machen die staatlichen Sozialausgaben einen so starken hohen Anteil am Sozialprodukt aus, hat die staatliche soziale Sicherung ein so starkes Gewicht gegenüber der privaten Sicherung. Nirgendwo sonst sind die Erwartungen der Bevölkerung an die staatliche soziale Sicherung so hoch. Die öffentliche Debatte über staatliche Sozialpolitik, die Befürwortung ebenso wie die Kritik, dürfte nirgendwo sonst so gewichtig sein wie in Europa. Nur in Europa gibt es neben dem nationalen Sozialstaat auch eine supranationale Sozialpolitik, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.
In der Weltöffentlichkeit war und bleibt das europäische Sozialmodell die wichtigste Alternative zu dem amerikanischen Modell. Dabei wird das europäische Sozialmodell niemals eins zu eins in außereuropäischen Gesellschaften eingeführt werden. Wie sehr es in der Übernahme verändert wird, zeigen die 1950er und 1960er Jahre in Lateinamerika und in Japan. Es ist daher eine Illusion, von einem Export des europäischen Sozialmodells sprechen zu wollen. Aber als Orientierungspunkt dafür, dass soziale Sicherung in modernen Dienstleistungsgesellschaften nicht nur dem amerikanischen Modell folgen muss, spielt das europäische Sozialmodell eine einzigartige Rolle.

Hartmut Kaelble ist Professor für Sozialgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin; Gastaufenthalte an der Harvard University, am St. Antony's College Oxford, an der Erasmus-Universität Rotterdam, an der Maison des Sciences de l'Homme und an der Sorbonne, beide in Paris. Zahlreiche Publikationen zur europäischen Geschichte.

In dem für die Kulturhauptstadt RUHR.2010 konzipierten "Europäischen Kulturdialog" will das Kulturwissenschaftliche Institut gemeinsam mit Partnern im Ruhrgebiet über Chancen und Perspektiven, Herausforderungen und Risiken der europäischen Kultur debattieren. Partner sind in diesem Jahr das "Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes NRW" in Dortmund und das "Institut für soziale Bewegungen" der Ruhr-Universität Bochum.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen unter www.kwi-nrw.de oder unter 0201/7204-213.

Bisherige Gäste des Europäischen Kulturdialogs: Werner Abelshauser, Katajun Amirpur, W?odzimierz Borodziej, Karsten Beneke, Thomas Böhm, Ilze Brands Kehris, Max Claudet, György Dalos, Manfred Dammeyer, Max Fuchs, Bernd Gäbler, Alexander C.T. Geppert, Barbara Gessler, Alfred Grosser, Volker Hassemer, Margaretha Hauschild, Michael Kaufmann, Wolfram Kuschke, Geert Mak, Shi Ming, Raoul Motika, Herta Müller, Herfried Münkler, Jean-Paul Picaper, Hansjürgen Rosenbauer, Jörn Rüsen, Oliver Scheytt, Olaf Schwencke, Bo Stråth, Richard Swartz, Anna Triandafyllidou, Klaus Wagenbach, Peter Wagner, Peter J. Weber, Joachim Zweynert.

Weitere Informationen: http://www.kwi-nrw.de
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