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Einseitige Erklärungen helfen niemandem

16.11.2007 - (idw) Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Die Erklärung von Bundesministerin Schavan zur Deutschen Akademie der Wissenschaft verstößt gegen föderale Bildungsstrukturen in Deutschland und stößt ihre Partner vor den Kopf Am 30. Januar 2004 hat der Wissenschaftsrat empfohlen, in Deutschland eine Nationale Akademie der Wissenschaften für Politik- und Gesellschaftsberatung und die internationale Vertretung der deutschen Wissenschaft zu gründen. Der Rat sprach sich ausdrücklich gegen das Umfunktionieren einer bestehenden Einrichtung oder einen Zusammenschluss bestehender Einrichtungen aus. Nur eine neue Institution kam für ihn in Betracht.

Daraufhin begannen alle neun deutschen Wissenschaftsakademien und acatech, an einer gemeinsamen Lösung für eine neue Institution zu arbeiten. Das Ergebnis liegt zwischenzeitlich vor und wurde auf Wunsch der Politik der Bund-Länder-Kommission (BLK) als dem zuständigen Gremium zur Entscheidung vorgelegt. Obwohl diese Entscheidung nach wie vor aussteht, hat heute morgen Medienberichten zufolge Bundesministerin Annette Schavan bereits eine Entscheidung - ihre Entscheidung - bekanntgegeben. Sie soll darin bestehen, eine der bestehenden Einrichtungen, die Deutsche Akademie für Naturforscher Leopoldina, zur Deutschen Akademie der Wissenschaft zu machen.

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zeigt sich befremdet, eine solche Nachricht aus den Medien erfahren zu müssen. Sie zeigt sich befremdet, dass man sie jahrelang an einer Aufgabe hat arbeiten und Anträge formulieren lassen, ohne nun auch nur dazu bereit zu sein, regulär über die Anträge abzustimmen und zu entscheiden. Der Beschlussvorschlag für die Gründung der vorgeschlagenen neuen Institution "Deutsche Akademien der Wissenschaften" (DAW) ist von der Tagesordnung der am 19. November tagenden BLK abgesetzt worden. Es stellt sich die Frage, ob der Vorstoß der Bundesministerin mit den Wissenschaftsministern der Länder und speziell den Ministern der Akademiensitzländer abgestimmt ist.

"Ich rate der Politik, den Akademien und den anderen Forschungseinrichtungen dringend dazu, gemeinsam und in Ruhe eine Alternative zu bedenken. Nur so kann es gelingen, eine wirklich gute, tragfähige Lösung zu finden, die der spezifisch deutschen, seit Jahrhunderten föderalistisch geprägten Situation gerecht wird", erklärte der Präsident der Akademienunion, Prof. Dr. Gerhard Gottschalk. "Die möglichst beste Lösung kann doch nicht darin liegen, eine bestehende Akademie der Naturforscher zur Deutschen Nationalakademie schlechthin zu machen und dabei renommierte und international anerkannte Wissenschaftsakademien, die über das gesamte Fächerspektrum verfügen, einfach zu ignorieren. Wenn man wirklich eine Institution für die Politik- und Gesellschaftsberatung und die internationale Vertretung der deutschen Wissenschaft etablieren will, darf sich diese nicht auf die Naturwissenschaften beschränken."

Nach Ansicht Prof. Gottschalks könnte eine Lösung in einem Rat der mittlerweile zehn deutschen Wissenschaftsakademien liegen. Dieser Rat - ein German Academies Council - könnte sich schnell und ohne größeren Aufwand bilden. Am Tisch der großen Wissenschaftsorganisationen wäre der Platz dieses Rates. Die Akademienlandschaft hätte von außen betrachtet ein einheitliches Gesicht, aber die nicht hoch genug einzuschätzende Arbeit der einzelnen Akademien, insbesondere ihre Forschungsprogramme und die so wichtigen wissenschaftlichen Veranstaltungen, könnten fortgeführt werden. "Das ist die Lösung, und nicht Kurzschlussreaktionen; denn alle Akademien und die Politik stehen immer noch im Wort, gemeinsam eine Lösung zu finden", erklärt Gerhard Gottschalk.

Ihr Ansprechpartner
ist Frau Myriam Hönig, Pressesprecherin der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Tel. 030 / 325 987 370, Mail: hoenig@akademienunion-berlin.de

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das "Akademienprogramm", das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die Kommunikation zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft. Die Akademienunion kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen. Eine organisierte Zusammenarbeit der deutsch-sprachigen Akademien der Wissenschaften gibt es bereits seit über 100 Jahren. Sie geht zurück auf das sogenannte "Kartell", das 1893 in Leipzig für die Betreuung von über 30 gemeinsamen Akademie-Forschungsvorhaben gegründet wurde.

Weitere Informationen: http://www.akademienunion.de
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