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13 deutsche Kliniken sind "schmerzfrei"

16.11.2007 - (idw) Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Zertifikat "Qualifizierte Schmerztherapie" bei der MEDICA verliehen

13 deutsche Kliniken haben am 15. November auf der MEDICA in Düsseldorf das Zertifikat "Certkom - Qualifizierte Schmerztherapie" erhalten. Sie hatten sich erfolgreich an einem Pilotprojekt beteiligt, das darauf zielt, die Betreuung von Schmerzpatienten zu verbessern. Das Besondere an dieser Auszeichnung: Sie wird im Unterschied zu anderen Zertifikaten nur vergeben, wenn mehr als die Hälfte der Patienten mit der schmerztherapeutischen Versorgung zufrieden sind. Dieses Ziel konnten die Kliniken weit übertreffen: 74 Prozent aller dort behandelten Patienten sind heute schmerzfrei oder haben nur geringe Schmerzen. Alle operativen und nicht-operativen Abteilungen waren am Projekt beteiligt. Um das Ziel zu erreichen, wurden berufsgruppenübergreifend neue Strukturen geschaffen, die ein effektives Schmerzmanagement sicherstellen. Die Zertifizierung erfolgt auf der Basis des Projekts "Schmerzfreies Krankenhaus", das vom Limburger Schmerzspezialisten Mundipharma gefördert wurde. Die zertifizierten Kliniken sind:

Medical Park Bad Rodach
Klinikum Bad Salzungen gGmbH
Klinikum Lippe-Detmold GmbH
Ev. Krankenhaus Lutherhaus GmbH in Essen
Kreiskrankenhaus Gummersbach GmbH
Asklepios Klinik Nord-Heidberg in Hamburg
Thoraxklinik am Universitätsklinikum in Heidelberg
SLK-Kliniken Heilbronn GmbH, Kliniken am Gesundbrunnen
Klinikum Oldenburg gGmbH
Kreiskliniken Reutlingen, Klinikum am Steinenberg
Klinikum Starnberg
Klinikum Riesa-Großenhain GmbH
DRK Kliniken Berlin-Westend

Patienten erfahren: Mir wird geholfen

Die Ergebnisse seien beeindruckend, freute sich der Präsident des Certkom e.V., Prof. Dr. Michael Zenz, Bochum: 74 Prozent der behandelten Patienten sind heute schmerzfrei oder haben nur geringe Schmerzen. Die Zahl der Patienten, die besonders nachts starke Schmerzen hatten, wurde um über 50 Prozent reduziert. Wenn Patienten bei Schmerzen die Pflegenden informieren, erhalten sie jetzt in mehr als zwei Drittel der Fälle ein wirksames Medikament. Vor Beginn des Projekts waren es nur 50 Prozent. "Die Erfahrung der Patienten, dass ihnen bei Schmerzen geholfen wird, ist besonders wichtig", so Prof. Dr. Jürgen Osterbrink, Salzburg, zusammen mit Prof. Dr. Christoph Maier, Bochum, wissenschaftlicher Leiter des Projekts "Schmerzfreies Krankenhaus. "Denn erst dadurch informieren über 90 Prozent die Pflegenden rechtzeitig." Vor Beginn des Projekts hatten über ein Drittel der Patienten ihre Schmerzen ausgehalten, bis sie unerträglich waren.

Patienten, Ärzte und Pflegende sind zufrieden

Der Anteil an Patienten mit starken Schmerzen beim Aufstehen oder Gehen konnte von 39 Prozent auf 26 Prozent, die Schmerzen bei Lagewechseln von 29 Prozent auf 18 Prozent gesenkt werden. Mehr als 85 Prozent der Ärzte und Pflegenden sind mit dem optimierten Schmerzmanagement sehr zufrieden. Sie bewerten die Qualität der Schmerztherapie mit der Note "gut" (vorher "befriedigend"). Über 70 Prozent sind der Meinung, dass sich die Kommunikation innerhalb der Berufsgruppen und zwischen den unterschiedlichen Disziplinen verbessert hat. "Zum ersten Mal wurde ein derartiges Projekt von ärztlicher und pflegerischer Seite gemeinsam durchgeführt", sagte Prof. Dr. Christoph Maier. "Das sollte eigentlich Standard sein, da Schmerztherapie eine multiprofessionelle Aufgabe ist."

Verbindliche Standards

Ausschlaggebend für die guten Ergebnisse waren verbindliche Leitlinien, die die Kliniken in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe entwickelt haben. Sie orientieren sich an medizinischen Leitlinien und am nationalen Expertenstandard in der Pflege zum Thema Schmerzmanagement. Die Leitlinien wurden in den einzelnen Kliniken individuell gestaltet und über das Intranet und durch Fortbildungen transparent gemacht. Neben verbindlichen Therapiestandards sind auch berufsgruppenspezifische Schwerpunkte im Schmerzmanagement beschrieben. Dazu gehört die Zuständigkeit der Pflegenden für die Schmerzerfassung. So wird heute in allen zertifizierten Krankenhäusern die Schmerzstärke mittels einer Schmerzskala erfasst und in Patientenverlaufsbögen dokumentiert. Damit Pflegende und Ärzte kompetent handeln können, gibt es Therapiepläne, die regeln, wann wie viel von welchem Schmerzmittel gegeben wird. Um Versorgungslücken zu verhindern, hat das Expertenteam zudem die Festlegung von Interventionsgrenzen gefordert, bei der die Pflegefachkraft den Arzt ruft oder dieser den Schmerzspezialisten. "Auch die Verständigung zwischen den Berufsgruppen funktioniert besser, weil es eindeutige Kommunikationsstrukturen gibt", erklärte Prof. Dr. Christoph Maier. Patienten erhalten Informationsblätter, die sie über die Möglichkeiten der Schmerztherapie und Maßnahmen, die sie eigenständig ergreifen können, aufklären.

Patienten erkennen auf einen Blick, wo die Schmerztherapie optimal ist

Die gewonnen Daten liefern die Grundlage, um in weiteren Kliniken ein multiprofessionelles Schmerzmanagement zu etablieren. Die Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie Certkom e.V. bietet Einrichtungen des Gesundheitswesens das Zertifizierungsverfahren an, um nach erfolgreichem Abschluss das Zertifikat "Certkom - Qualifizierte Schmerztherapie" zu erhalten. Damit können die Kliniken für ein patientenzentriertes und nach internationalen Standards empfohlenes Schmerzmanagement werben. Der Patient erkennt auf den ersten Blick, wo es eine optimale Schmerztherapie gibt.

Hintergrund Certkom e.V.

Die Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie "Certkom e.V." wurde 2006 von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) e.V., der MEDICA - Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e.V., der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) e.V. und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gegründet. Das Ziel der Gesellschaft ist die Förderung und Sicherstellung eines berufsgruppenübergreifenden Schmerzmanagements in Einrichtungen des Gesundheitssystems. Dies erfolgt auf der Basis der Ergebnisse des Projektes "Schmerzfreies Krankenhaus", bei dem über 8000 Patienten, mehr als 5.000 Pflegende sowie über 2.500 Ärzte befragt wurden. Diese Datenbasis lieferte die Grundlage für die Formulierung der Zertifizierungskriterien. Das Zertifikat wird erst erteilt, wenn über die Hälfte der Patienten eines Krankenhauses mit der Schmerztherapie zufrieden sind.


Ansprechpartner für weitere Informationen

Geschäftsstelle Certkom e.V, Tel. 0234/3253095, E-Mail: certkom-sekretariat@certkom.com, Internet: http://www.certkom.com/
Weitere Informationen: http://www.certkom.com/
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