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BESSY geht - fünf andere kommen: Änderungen bei der Förderung von Leibniz-Einrichtungen

19.11.2007 - (idw) Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung

Bonn, 19. November 2007
PM 14/2007

BESSY geht - fünf andere kommen:
Änderungen bei der Förderung von Leibniz-Einrichtungen

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung hat heute ihre Zustimmung zu der geplanten Fusion der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) und des Hahn-Meitner-Instituts zu einem neuen Helmholtz-Zentrum erteilt. Mit der Fusion, die zum Jahresanfang 2009 vollzogen werden soll, scheidet BESSY aus der Leibniz-Gemeinschaft aus.

Damit wird dort zum einen Platz für den Beginn der gemeinsamen Bund-Länder-Förderung von fünf neuen Leibniz-Einrichtungen ab dem Jahr 2009:
o Deutsches Rheumaforschungszentrum Berlin (DRFZ)
o Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Frankfurt/Main
o Zentrum für Marine Tropenökologie an der Universität Bremen (ZMT)
o Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V. (ZZF)
o Museum für Naturkunde (MfN), Berlin

Zum anderen werden (durch Fusion mit dem Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt/Main) ab 2009 die Einrichtungen
o Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden (SNSD) und
o Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG)

von Bund und Ländern gemeinsam gefördert (1)Fußnote).

BESSY wird Helmholtz-Zentrum

Die Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) wird seit 2000 als Serviceeinrichtung für die Forschung an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen vom Bund und von allen Ländern gemeinsam gefördert; sie ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Mit Wirkung zum Jahresbeginn 2009 fusioniert BESSY mit dem Hahn-Meitner-Institut in Berlin, der 1959 als Kernforschungszentrum gegründeten und vom Bund und Berlin geförderten Großforschungseinrichtung; diese ist Mitglied der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Das aus der Fusion entstehende neue Helmholtz-Zentrum wird Großgeräte wie die Neutronenquelle BER II und die Berliner Synchrotronstrahlungsquelle für die nationale und internationale Forschung mit Photonen und Neutronen betreiben. Die eigene Forschung des Zentrums ist auf die Gebiete "magnetische Materialien", "mikro- und nanostrukturierte Materialien" sowie "Materialwissenschaften für die Solarenergietechnologie" fokussiert.

Die neuen Leibniz-Einrichtungen

Das Deutsche Rheumaforschungszentrum Berlin befasst sich mit der interdisziplinären Erforschung von Ursachen und Entstehungsbedingungen rheumatischer Erkrankungen mit dem Ziel der Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden. Es ist die größte Forschungseinrichtung auf diesem Gebiet in Deutschland und gehört zu den international führenden Forschungsinstituten auf den Gebieten der Immunologie, der experimentellen Rheumatologie und der Rheuma-Epidemiologie. Der Wissenschaftsrat hat die Arbeitsweise des Zentrums als Teil eines Forschungsverbundes mit dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und der eindeutig forschungsorientierten Universitätsklinik Charité als ein hervorragendes forschungspolitisches Beispiel herausgestellt.

Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung hat zur Aufgabe, die Ursachen von Konflikten, die Art ihrer Austragung und Möglichkeiten zu ihrer Lösung oder Regelung zu untersuchen. Auf der Basis der Analyse von Konfliktbedingungen werden innovative Transforma-tions- und Lösungskonzepte entwickelt, in denen abnehmende Gewalt, zunehmende Gerechtigkeit und politische Freiheit im internationalen System und in den einzelnen Gesellschaften verbunden werden können. Die HSFK ist nach Erkenntnis des Wissenschaftsrates eine der wenigen Institutionen, die im Rahmen von Grundlagenforschung und Verbreitung der Arbeitsergebnisse in Öffentlichkeit und Politik ein derart breites Feld der Konfliktforschung bearbeitet. Ihre Ergebnisse genießen nationale und internationale Anerkennung.

Das Zentrum für Marine Tropenökologie an der Universität Bremen widmet sich der Erarbeitung ökologisch fundierter und sozioökonomisch tragfähiger Konzepte für die Entwicklung und die Verbesserung von Managementstrategien zum Schutz tropischer Küstenökosysteme. In enger Zusammenarbeit mit Partnern aus Entwicklungs- und Schwellenländern in den Tropen führt es interdisziplinäre Projekte zur Funktion und Nutzung tropischer Küstensysteme durch. Mit seiner Forschungsausrichtung auf die Küstenbereiche in den Tropen verfügt das ZMT - so die Einschätzung des Wissenschaftsrates - über ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Meeresforschung.

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam zählt - gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte in München (auch eine Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft) - zu den größten und bedeutendsten Forschungsinstituten auf dem Gebiet der Zeitgeschichte in Deutschland. Seine Forschung konzentriert sich auf die jüngere und jüngste Zeitgeschichte und wendet sich insbesondere der Konkurrenz von Demokratie und Diktatur zu. So wird die Erforschung der europäischen Voraussetzungen und Folgen der innerdeutschen Systemkonkurrenz künftig ein Schwerpunkt sein.

Das Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin zählt zu den fünf größten Naturkundemuseen der Welt. Es ist, wie das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg (siehe unten) und das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn (auch eine Leibniz-Einrichtung), eines der großen Zentren der Biodiversitätsforschung. Unter dem Titel "Evolution der Vielfalt - Entwicklung der Erde und des Lebens" widmet sich das Museum für Naturkunde der Erforschung von Ursprung und Ursachen biologischer Diversität auf der Erde und von Mechanismen und Triebkräften der Evolution. Im Zentrum der Forschungen an heutigen wie ausgestorbenen Lebensformen stehen Fragen zur biologischen Vielfalt (Diversität) und zu den Ursachen morphologischer und genetischer Vielgestaltigkeit (Disparität) der Organismen auf der Erde.

Mit dem Ausscheiden von BESSY aus der gemeinsamen Förderung der Leibniz-Gemeinschaft durch Bund und Länder sind die finanziellen Voraussetzungen gegeben, um nicht nur die gemeinsame Finanzierung jener vier Einrichtungen zu beginnen, deren Aufnahme in die Förderung der Leibniz-Gemeinschaft die BLK bereits vor einem Jahr beschlossen hat (DRFZ, HSFK, ZMT, ZZF), sondern darüber hinaus das Museum für Naturkunde in Berlin in die gemeinsame Förderung aufzunehmen und das bereits als Leibniz-Einrichtung geförderte Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt/Main durch Integration der Staatlichen Naturhistorische Sammlungen Dresden und des Staatlichen Museums für Naturkunde Görlitz zu erweitern. Das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg ist, so das Ergebnis der letzten wissenschaftlichen Evaluierung, eine in der fachlichen Breite seiner Forschungsgebiete und im Umfang seiner Sammlungen national und international einmalige Einrichtung der Biodiversitätsforschung. Die Integration der Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden und des Staatlichen Museums für Naturkunde Görlitz wird die Grundlage bilden, um Senckenberg zu einem gleichwertigen Partner der großen naturkundlichen Nationalmuseen in London und Paris zu machen.

Die Institute der Leibniz-Gemeinschaft decken ein breites fachliches Spektrum ab: von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossenen Forschungsabteilungen. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen wissenschaftspolitischen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Sie erhalten 2008 Zuwendungen von zusammen rund 812 Millionen Euro.


1)Fußnote: Die Beschlüsse bedürfen noch der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages.

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