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Mehr Sicherheit für Patienten mit schwerer Blutvergiftung

11.01.2008 - (idw) Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Studienergebnisse des vom BMBF geförderten Kompetenznetz Sepsis sorgen für internationale Aufmerksamkeit

Deutsche Wissenschaftler haben mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und For-schung (BMBF) in einer klinischen Studie wichtige Eckpunkte für die Therapie der schweren Blut-vergiftung oder Sepsis geklärt. Die Studie des Kompetenznetzes Sepsis sorgt damit für eine wirk-samere Behandlung und mehr Sicherheit für die Patienten. Durchgeführt wurde die Studie unter Führung von Prof. Dr. Konrad Reinhart und Dr. Frank Brunkhorst von der Universität Jena. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der international hochrangigsten medizinischen Fachzeitschrift, dem "New England Journal of Medicine", veröffentlicht.

In Deutschland erkranken jährlich circa 150.000 Menschen an Sepsis, die Hälfte stirbt an der Krankheit. Die Häufigkeit der schweren Blutvergiftung hat sich in den vergangenen 20 Jahren deut-lich erhöht. Patienten mit Sepsis müssen durchschnittlich zwölf Tage auf Intensivstationen behan-delt werden. Allein die direkten Behandlungskosten der Sepsis werden in Deutschland auf 1,8 Mil-liarden Euro geschätzt.

Sepsis - oder "Blutvergiftung" - ist die aggressivste Form einer Infektion. Sie wird durch Mikroor-ganismen und deren Gifte (Toxine) hervorgerufen. Wenn es dem Körper nicht gelingt, die Infektion auf ihren Ursprungsort zu begrenzen, lösen die Gifte innerhalb weniger Stunden eine Entzündung in allen Organen aus. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht zeigt sich die Sepsis selten als roter Streifen am Arm, der zum Herzen zieht. Sie kann vielmehr als Komplikation bei allen Infektions-krankheiten, darunter Lungen- oder Mandelentzündung, auftreten. Die Sterblichkeit an Sepsis ist seit Jahrzehnten mit etwa 40 Prozent unverändert hoch.
Der Körper von Patienten, die an einer schweren Sepsis erkranken, reagiert unter anderem mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel, der weitere Komplikationen auslöst. Um den Glukosespiegel zu kontrollieren, wurde bisher statt einer normalen eine intensivierte Insulintherapie empfohlen. Das Team aus Jena wies nun nach, dass durch diese Behandlung ein erhöhtes Risiko für schwere Un-terzuckerungen ausgelöst wird.

Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Behandlung von Patienten mit septischem Schock. Um bei diesen das Herzzeitvolumen und das Sauerstoffangebot kurzfristig zu erhöhen, werden derzeit Infusionen mit kristalloiden (zum Beispiel Hydroxyäthylstärke HES) oder kolloidalen (zum Beispiel Ringer´s Laktat) Lösungen empfohlen. Die Studienergebnisse zeigen nun eindeutig, dass die der-zeit verfügbaren HES-Produkte nicht verwendet werden sollten, weil sie ein akutes Nierenversagen und in höheren Dosierungen eine erhöhte Sterblichkeit verursachen.

Die Arbeit des Kompetenznetzes Sepsis unterstreicht damit einmal mehr, wie wichtig es ist, gängi-ge Behandlungsschemata systematisch zu überprüfen. Dabei ist es erforderlich, qualitativ hoch-wertige klinische Studien in der Intensivmedizin durchzuführen, um langfristig die Sicherheit für alle Patienten zu verbessern. Dafür hat das BMBF zusammen mit der Deutschen Forschungsgemein-schaft vor vier Jahren ein eigenständiges Programm zur Förderung wissenschaftsinitiierter klini-scher Studien geschaffen.


Weiterführende Informationen finden Sie im Internet unter:
www.sepsis-gesellschaft.de

Ansprechpartner:
Dr. Frank Martin Brunkhorst, Prof. Dr. Konrad Reinhart, Universitätsklinikum Jena, Tel..+49 (0) 3641 9323381 oder 9323384,
E-mail: frank.brunkhorst@med.uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.bmbf.de/press/2212.php
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