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"Das volle Potenzial der Akademien ausschöpfen"

14.01.2008 - (idw) Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Der Jahreswechsel hat für die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften einen Präsidentenwechsel mit sich gebracht: Prof. Dr. Günter Stock (63) löste zum 1. Januar 2008 Prof. Dr. Gerhard Gottschalk (72) ab. Die Redaktion von "Aus den Akademien" möchte Ihnen daher in einer Spezialausgabe den neuen Präsidenten und seine Pläne vorstellen und eine Würdigung der Amtszeit Gerhard Gottschalks veröffentlichen - einer Amtszeit, die für die Wissenschaftsakademien in Deutschland von zentralen Entscheidungen geprägt war. Das "Aus den Akademien spezial" ist im Internet abrufbar unter http://www.akademienunion.de/newsletter/2008-01/

Gerhard Gottschalk hatte um vorzeitige Beendigung seiner Amtszeit gebeten, um sich noch einmal mit ganzer Kraft der Mikrobiologie zuzuwenden. Er war seit dem 1. Januar 2003 Unionspräsident. Der Mediziner Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), wurde vom Präsidium der Akademienunion einmütig gewählt. Seine Amtszeit wird drei Jahre betragen. Als Vizepräsident fungiert weiterhin der Politikwissenschaftler und Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Peter Graf Kielmansegg.

Über die Ziele, die er sich als neuer Präsident der Akademienunion gesetzt hat, sagte Professor Stock im Interview mit "Aus den Akademien", dass er den aktiven Dialog innerhalb der Union stärken möchte. Ein weiteres Ziel sei es, "in den jetzt zu führenden Gesprächen zur Gründung einer Nationalen Akademie eine Lösung zu finden, die einerseits den von Ministerin Schavan gemachten Vorgaben entspricht, andererseits aber das volle Potenzial der Akademien in Deutschland ausschöpft." Die Akademien hätten seit jeher den Auftrag, mit ihrem wissenschaftlichen Verstand an der Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft teilzunehmen und Akademien wie die BBAW seien bereits mit sehr konkreten Arbeitsgruppen an dem, was wir Gesellschaftsberatung nennen, beteiligt. Als dritte Aufgabe bezeichnete er die Finanzierung der Langzeitprojekte aus dem Akademienprogramm, dem gemeinsamen Forschungsprogramm der Unionsakademien: "Hier liegt mir viel daran, vorbereitende Gespräche darüber zu führen, wie wir die Finanzierungslücke, die 2009 und 2010 aufgrund der speziellen Personalverträge in Berlin und Sachsen auftreten wird, in vernünftiger Weise aus dem Programm heraus bewältigen können. Bzw. noch wichtiger: ob wir zusätzliche Mittel hierfür akquirieren können."

Dass das Akademienprogramm heute, anders als noch vor wenigen Jahren, ein anerkanntes, verlässlich etabliertes Programm geistes- und sozialwissenschaftlicher Langzeitforschung mit beträchtlichem Zukunftspotenzial ist, sei vor allem auch dem leidenschaftlichen Engagement Gerhard Gottschalks zu danken, schreibt Peter Graf Kielmansegg in einer Würdigung der Leistungen des scheidenden Präsidenten. "Wie kein Präsident vor ihm" habe er auf der politischen Bühne für die Akademien und das ihnen anvertraute Programm geworben. Ohne die Bereitschaft der Akademien, an denen die Forschungsarbeit des Akademienprogramms geleistet werde, aus den kritischen Anfragen des Wissenschaftsrates nach der Evaluation wirklich Konsequenzen zu ziehen, hätte dieses Werben nicht erfolgreich sein können. "Aber das Umgekehrte gilt eben auch", schreibt Graf Kielmansegg. "Ohne die unermüdliche Überzeugungsarbeit des Unionspräsidenten in den Berliner Kulissen wäre den - auf sich allein gestellten - Akademien der Schritt in eine neue Epoche in der Geschichte des Akademienprogramms, und darum handelt es sich, wohl auch nicht gelungen."

Die zweite Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Errichtung einer Nationalakademie sei ein ganz anderes Thema: "Hier war die Union mit ihrem Präsidenten viel weniger in der Lage, aus eigener Kraft zu gestalten. Viele mächtige Mitspieler, mächtiger als die Union, bestimmten den Gang der Dinge. Gerhard Gottschalk hat, obschon skeptisch, was die Erfolgschancen angeht, getan, was ihm möglich war, um zu einer von allen deutschen Akademien gemeinsam getragenen Lösung zu gelangen", schreibt Kielmansegg. "Aber auch wenn die Union, was keineswegs ausgeschlossen ist, am Ende der Verlierer sein sollte, behält Gerhard Gottschalk recht. Er hat sich in seinem Handeln von der Überzeugung leiten lassen, dass keine Lösung Legitimität für sich beanspruchen kann, die die Akademien der Länder, vom 18. Jahrhundert an die eigentlichen Träger der Akademientradition in Deutschland, einfach übergeht. Diese Überzeugung hat die besseren Argumente für sich."

Gerhard Gottschalk habe sich der Sache der Akademien mit einer fast jugendlichen Vitalität angenommen, schreibt Graf Kielmansegg: "Allein das Pensum an Reisen, das er sich auferlegte, um der Union in den internationalen Gremien der Akademienwelt eine Stimme zu verschaffen, ist staunenswert. Die Akademien, in deren Dienst er fünf Jahre seines Lebens gestellt hat, haben Grund, ihm dankbar zu sein." Sie seien nun gut beraten, wenn sie die beiden Kernbotschaften seiner Amtszeit im Gedächtnis behalten: "Die Akademien der Wissenschaften müssen die Frage nach dem Sinn ihrer Existenz auf neue Weise beantworten, lautet die eine. Die Akademien der Länder werden das überzeugend nur tun können, wenn sie eine Union nicht nur dem Namen nach sind, sondern auch als Union handeln, die andere."

Zu den Personen:

Prof. Dr. Günter Stock studierte in Heidelberg Medizin und hatte an der dortigen Universität eine Professur für das Fach Vegetative Physiologie inne, bevor er 1983 zur Schering AG wechselte. Die Freie Universität Berlin ernannte ihn 1986 zum außerplanmäßigen Professor. Bei Schering begann Günter Stock zunächst als Leiter der Herz-Kreislauf-Pharmakologie, wurde 1989 in den Vorstand berufen, wo er unter anderem für die Unternehmensfunktionen Forschung zuständig war. Seit 1995 gehört er als Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an, die er seit 2006 als Präsident leitet.

Prof. Dr. Gerhard Gottschalk ist Professor für Mikrobiologie und Genetik an der Universität Göttingen. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Erforschung des Stoffwechsels und der Bioenergetik der Bakterien sowie in jüngster Zeit die Entschlüsselung kompletter Bakteriengenome. 1975 und 1976 war er Rektor der Universität Göttingen, 1996-1998 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sowie von 1998-2000 deren Präsident. Von 1998 bis 2000 war er als erster Deutscher außerdem Präsident von All European Academies (ALLEA), dem Zusammenschluss aller großen europäischen Wissenschaftsakademien. Seit Mitte 2001 ist er Direktor eines der drei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenznetzwerke "Genomforschung an Bakterien", zu dem 22 Forschergruppen in ganz Deutschland gehören.

Ihre Ansprechpartnerin
ist Frau Myriam Hönig, Pressesprecherin der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Tel. 030 / 325 987 370, Mail: hoenig@akademienunion-berlin.de

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das "Akademienprogramm", das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die Kommunikation zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft. Die Akademienunion kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen.

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