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IAB: Zuwanderung mit Punktesystem steuern

22.01.2008 - (idw) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Migranten sind in den USA, Kanada und Australien sehr viel höher qualifiziert als in Deutschland und Frankreich, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zudem sind sie in den klassischen Einwanderungsländern im Durchschnitt auch deutlich besser ausgebildet als die Bevölkerung ihrer Herkunftsländer. Die Zuwanderer in Deutschland verfügen dagegen sogar über niedrigere Bildungsabschlüsse als ihre Landsleute daheim. Die Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker und Sebastian Ringer schlagen vor, die Zuwanderung in Deutschland wie in Kanada, Australien und den USA mit einem Punktesystem zu steuern. In Deutschland hat nur ein Viertel der ausländischen Bevölkerung über 25 einen hohen Schulabschluss mit 13 Jahren Schulzeit. In den klassischen Einwanderungsländern ist ihr Anteil doppelt so hoch. Der Studie zufolge ist die geringere Qualifikation der ausländischen Bevölkerung in Deutschland bis heute davon geprägt, dass bei der Anwerbung von Gastarbeitern in den 60er und 70er Jahren gezielt Arbeitskräfte mit niedriger Qualifikation gesucht wurden.

Migranten kommen verstärkt aus Ländern mit geringen Bildungsinvestitionen

1970 stammten noch zwei Drittel der in Deutschland lebenden Migranten aus den 15 Staaten, die bis 2004 die EU gebildet haben. 2007 ist dieser Anteil auf weniger als ein Drittel gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Einwanderer aus Ländern mit einem deutlich geringeren Pro-Kopf-Einkommen wie der Türkei, den Ländern auf dem Balkan und den osteuropäischen Ländern gestiegen. Brücker und Ringer prognostizieren, dass Migranten künftig immer stärker aus Regionen mit geringen Bildungsinvestitionen kommen werden. "Die Qualifikationsstruktur der ausländischen Bevölkerung wird deshalb künftig davon abhängen, in welchem Umfang es gelingt, Zuwanderer mit höheren und mittleren Bildungsabschlüssen auch aus diesen Ländern zu gewinnen", schreiben die Autoren der Studie.

Arbeitsmarktforscher für eine gezielte Steuerung der Einwanderungspolitik

Die Arbeitsmarktforscher weisen darauf hin, dass der wichtigste Faktor für die Qualifikationsstruktur der Zuwanderer die Einwanderungspolitik sei. Die Bildungsabschlüsse der Einwanderer seien deutlich höher, wenn die Zuwanderung nach diesem Kriterium gesteuert wird. "Die Zuwanderung könnte wie in Kanada, Australien und den USA nach einem Punktesystem gesteuert werden, das neben den Bildungsabschlüssen auch Berufserfahrung und das Lebensalter berücksichtigt", schlagen Brücker und Ringer vor.
Allerdings würde auch bei einer stark veränderten Einwanderungspolitik die Qualifikation der Migranten in Deutschland erst mittel- und langfristig spürbar steigen. Wollte man die Qualifikationsstruktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund rasch beeinflussen, wäre es erforderlich, den Umfang der Zuwanderung deutlich zu erhöhen.
Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2008/kb0108.pdf abgerufen werden.

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