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Begriffs-, Problem- und Ideengeschichte im digitalen Zeitalter - Tagung an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

23.01.2008 - (idw) Herzog August Bibliothek

Die Tagung, die vom 6. bis 8. Februar 2008 unter der Leitung von Prof. Dr. Riccardo Pozzo (Verona) an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattfinden wird, will das Risiko vermeiden, die Begriffsgeschichte zu einem relativierenden Historismus verkommen zu lassen. Die systematische Seite der Begrifflichkeit darf nicht zugunsten der natürlichen Zeitgebundenheit von Begriffen und ihres definitorischen Eingebettetseins in den historischen Horizonts verleugnet werden und dadurch zur Doxoskopie reduziert werden. Es muss daran erinnert werden, dass man heute von einer philosophischen Enzyklopädie kaum mehr eine Systematisierung des philosophischen Wissens einer Epoche erwarten kann - eine solche wurde z. B. von Hegel vorgelegt. Philosophiegeschichte, die sich an den Grenzen zu noch zu erschließenden Gebieten befindet, erfordert die vollständige Komplementarität zwischen der Rekonstruktion der Lebensgeschichte einzelner Philosophen in dessen regionalen und institutionellen Kontexten einerseits und der Rekonstruktion der Geschichte einzelner Begriffen, die im Historischen Wörterbuch der Philosophie unternommen wurde, andererseits.

Das Ziel der Begriffsgeschichte wurde von Gustav Teichmüller in der Vorrede zu den Studien zur Geschichte der Begriffe (1874) als kritische und möglichst vollständige Übersicht der Bedeutungswandel von Jahrzehnt zu Jahrzehnt bestimmt. Bereits 1909 hatte sich allerdings Nicolai Hartmann in seinem Aufsatz "Zur Methode der Philosophiegeschichte" für die Kant-Studien den Ansatz Teichmüllers zueigen gemacht und den Vorschlag unterbreitet, die Begriffsgeschichte zur Problemgeschichte heraufzustufen. Denn Problemgeschichte stehe eigentlich über der Begriffsgeschichte, insofern sie die Geschichte jener ewigen und unveränderlichen Relationen untersuche, die sich im historisch bestimmten philosophischen Diskurs niederschlagen. Hans-Georg Gadamer hat sowohl Hartmanns Postulate der Ewigkeit als auch die Unwandelbarkeit der Probleme radikal in Frage gestellt. Die Begriffsgeschichte wurde damit - so Gadamer in der Vorrede zu Wahrheit und Methode (1960) - zum "begründeten geschichtlichen Selbstverständnis" innerhalb historischer Kontexte.

Erwartet werden Beiträge zur Methode der Begriffsgeschichte, zu neuen Wegen für eine englischsprachigen Nomenklatur der Begriffsgeschichte, zu Möglichkeiten und Grenzen von Hypertexten sowie zur Einbettung der Begriffsgeschichte innerhalb eines Studium generale.
Weitere Informationen: http://www.hab.de/kalender/wissveranst/Begriffsgeschichte-Pozzo.pdf http://www.hab.de
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