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DJI-Online-Thema 2008/02: Kein Anschluss nach dem Abschluss? Kommunales Übergangsmanagement erleichtert Berufseinstieg f

01.02.2008 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

Nur 26% der Hauptschüler und Hauptschülerinnen gelingt der direkte Einstieg in die Berufsausbildung. Je größer aber der zeitliche Abstand zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn ist, desto größer ist die Gefahr, dass ungelernte Jugendliche ganz aus dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herausgedrängt werden. Neben der beruflichen droht dann auch die soziale Integration fehlzuschlagen. Die Folgen sind bekannt. Deswegen müssen besonders auf kommunaler Ebene die zahlreichen beteiligten Akteure ihre Anstrengungen und Angebote besser koordinieren, damit der Übergang von der Schule ins Arbeitsleben möglichst vielen Jugendlichen gelingt. Das DJI bietet den Kommunen dabei effektive Unterstützung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen des Programms "Perspektive Berufsabschluss" eine "Förderinitiative Regionales Übergangsmanagement" konzipiert, für das sich derzeit Kommunen und Landkreise bewerben können. Die wissenschaftliche Begleitung wurde dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) übertragen.

In zahlreichen Projekten untersucht der Forschungsschwerpunkt "Übergänge in Arbeit" am DJI seit Jahren, wie es vor allem chancenarmen Jugendlichen besser gelingen kann, die Schule nicht abzubrechen, einen Abschluss zu machen und dann möglichst bald eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu finden. Die umfangreichste Studie hierzu ist das sogenannte DJI-Übergangspanel, das seit 2003 über einen Zeitraum von sieben Jahren verfolgt und analysiert, welche Wege die Jugendlichen zwischen Schule und Erwerbsarbeit einschlagen.

Die Ergebnisse werden vor allem auch an die Kommunen rückgemeldet, denn diese sind direkt mit den Problemen der Arbeitsmarktintegration weniger qualifizierter Nachwuchskräfte konfrontiert, haben aber nur bedingt Einfluss auf die Abläufe. Und die sind alles andere als optimal. Nur ein Viertel der Hauptschulabsolventen geht den traditionellen Weg: mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche direkt in die Ausbildung. Ein sehr großer Teil wandert in einen mittlerweile sehr unübersichtlichen Bildungsmarkt, der den Jugendlichen zusätzliche Qualifizierung verspricht, sich aber allzu oft als eine unproduktive und demotivierende Warteschleife entpuppt. Viele Jugendliche, aber auch LehrerInnen und Eltern, haben im Zuständigkeits-Wirrwarr zwischen JobCenter, Arbeitsagentur, ARGEn, Jugendhilfeangeboten, Berufsvorbereitungsmaßnahmen etc. die Orientierung verloren (die Rubrik "Auf einen Blick" liefert dazu nähere Details).

Hier Abhilfe zu schaffen ist nicht leicht, denn meist fehlt bereits eine verlässliche Ausgangsbasis, d.h. die vollständige Erfassung aller Jugendlichen, die eine Ausbildung anstreben. Aber nur wer den konkreten Bedarf kennt, kann gezielte Maßnahmen ergreifen, erklärt Ralf Kuhnke (DJI) im "Interview".

Deswegen haben einzelne Kommunen die Chance genutzt, mit Hilfe des DJI lokale Übergangspanels zu erstellen. Für Städte wie Stuttgart liefert dieses Panel wertvolle Informationen für den Runden Tisch, an dem sich unter Federführung des Jugendamts alle an der Berufsausbildung beteiligten Akteure versammeln. Bruno Pfeifle, der Leiter des Jugendamts, beschreibt in seinem "Blick von außen", welchen Herausforderungen sich ein solches Netzwerk stellen muss. "Neues Geld" werde dafür nicht benötigt, unabdingbar seien hingegen ein "politisch abgesichertes Mandat für die Federführung, ein langer Atem bei allen Beteiligten, ein gegenseitiges Interesse an den Logiken der beteiligten Systeme, der Austausch mit anderen Städten und die Bereitschaft, bisherige Gleise zu verlassen". Die dringende Notwendigkeit, an die Stelle eines Ressortdenkens die Verantwortlichkeit für die jungen Menschen zu setzen, betont auch die Weinheimer Initiative der Freudenberg-Stiftung, die den Austausch der Kommunen im Sinne einer besseren Bildung und Ausbildung für alle Jugendlichen vorantreibt, wie Geschäftsführer Christian Petry im zweiten "Blick von außen" beschreibt.


Bildung und Arbeit für alle in der nachwachsenden Generation sind die besten Maßnahmen sowohl im Sinne einer dringend notwendigen verbesserten Integration als auch einer nachhaltigen Gewaltprävention.
Weitere Informationen: http://www.dji.de/thema/0802
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