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Klinik für Neurochirurgie wird von der Adolf Messer Stiftung mit 300.000 Euro gefördert

25.02.2008 - (idw) Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Förderung der Adolf Messer Stiftung ermöglicht klinische Etablierung und Weiterentwicklung der Excimer-Laser assistierten nicht-okklusiven Anastomose (kurz: ELANA-Technik). Hirninfarktrisiko bei Bypassoperationen kann erheblich gesenkt werden. Die Neurochirurgische Klinik des Klinikums der J.W. Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Seifert wurde vom Stiftungsrat der Adolf Messer Stiftung mit einer Förderung in Höhe von insgesamt 304.930 Euro bedacht. Diese soll die klinische Etablierung und wissenschaftliche Weiterentwicklung der neuartigen ELANA-Technik zur operativen Revaskularisierung des Gehirns möglich machen.

Bei der ELANA-Technik handelt es sich um ein Verfahren der Hirngefäßchirurgie zur Anlage extra-intrakranieller Bypässe, durch das ein wesentliches Problem der herkömmlichen Methode gelöst werden kann. Durch den Einsatz der ELANA-Technik muss das Empfängergefäß während der Naht des Bypasses nicht, wie bislang bei der operativen zerebralen Revaskularisierung üblich, zeitweise verschlossen werden. Das Risiko von Hirninfarkten wird somit erheblich minimiert. Die vollständige Vermeidung eines temporären Verschlusses des Empfängergefäßes wird möglich, da die ELANA-Technik das Gehirn versorgende neue Gefäß ohne Verschluss durch eine neuartige Mikronahttechnik mit dem Empfängergefäß verbindet. Anschließend wird mittels eines speziellen Excimer-Lasers ein Stück aus der Wand des Empfängergefäßes herausgeschweißt und gleichzeitig das Bypassgefäß mit dem Empfängergefäß verbunden. Erstmals ist auch eine Bypassanlage weitlumiger Hauptstammgefäße (High-Flow-Bypass) möglich.

"Durch die innovative Technologie der ELANA-Technik können auch komplexe, bisher als nicht behandelbar geltende, Aneurysmen der Hirngefäße und aggressiv wachsende Hirntumoren und Schädelbasistumoren mit vertretbarem Risiko therapiert werden", erläutert Prof. Dr. Volker Seifert das neue Verfahren. Die komplexere Konfiguration residueller Aneurysmen wird zukünftig eine erhebliche Herausforderung darstellen, für die in spezialisierten neurovaskulären Zentren die Anlage von extra-intrakraniellen Bypässen mittels der ELANA-Technik zum Behandlungsspektrum gehören wird.

Gemeinsam mit der Charité in Berlin ist das Frankfurter Universitätsklinikum eines der beiden deutschen neurovaskulären Zentren, in denen die ELANA-Technik etabliert und wissenschaftlich evaluiert wird. Nach der Bewertung des wissenschaftlichen Beirates der Adolf Messer Stiftung stellt die klinische und wissenschaftliche Expertise der Neurochirurgischen Klinik des Frankfurter Universitätsklinikums die optimale Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung und weitere wissenschaftliche Erforschung dieses Verfahrens dar. Dies gilt für die beiden derzeit wesentlichen Indikationen, bei denen die ELANA-Technik zum Einsatz kommt, die vaskuläre Neurochirurgie und die Hirntumor- und Schädelbasischirurgie. Die umfangreiche Expertise war damit ausschlaggebend für die Entscheidung der Stiftung, die Förderung der Frankfurter Universitätsklinik zuzusprechen.

Optimierung der ELANA-Technik
"Die zu erwartende Verminderung der Komplikationsrate der extra-intrakraniellen Bypassoperationen durch die Einführung der innovativen ELANA-Technik wirft erneut die Frage auf, ob durch die Anlage eines High-Flow-Bypasses nicht nur ein drohender Schlaganfall mit vertretbarem Risiko verhindert, sondern sogar die kognitive Funktion der Patienten verbessert werden kann", erläutert Prof. Dr. Volker Seifert. Neben der optimierten Operationstechnik ist für ihn die Senkung der Verschlussrate der Bypässe, die derzeit nach einem Jahr noch bei 10 bis 15 Prozent liegt, das wesentliche Ziel. Prophylaktische Operationen setzen jedoch eine strenge Selektion geeigneter Patienten und eine minimale Komplikationsrate voraus.

Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, wird von der neurovaskulären Arbeitsgruppe um PD Dr. Hartmut Vatter, Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik des Frankfurter Universitätsklinikums, zunächst in einem tierexperimentellen Ansatz die Handhabe der ELANA-Technik optimiert. Zeitgleich werden dabei neuartige Ansätze zum Schutz vor Verschluss der Bypassgefäße durch die pharmakologische Beeinflussung des Infektions- und Endothelstoffwechsels wissenschaftlich evaluiert. Sowohl das operationstechnische Know-how, als auch die pharmakologischen Erkenntnisse dieser Experimente werden dadurch im Sinne eines translationalen Ansatzes direkt den betroffenen Patienten zugute kommen.

Um Kriterien zur Auswahl eines geeigneten Patientenkollektivs für eine operative zerebrale Revaskularisierung zu erstellen, setzt die Neurochirurgische Klinik auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuroradiologie und der Klinik für Neurologie, um so für die Durchführung prophylaktischer Operationen Daten auf höchstem Evidenzniveau zu gewinnen. Durch die enge Zusammenarbeit dieser Einrichtungen konnten in der Vergangenheit bereits für zahlreiche neurovaskuläre Problemfelder innovative Lösungsansätze erarbeitet werden. Im Neurozentrum des Klinikums der J.W. Goethe-Universität sind daher die klinischen, diagnostischen, logistischen und durch die ELANA-Technik auch die operationstechnischen Voraussetzungen in optimaler Form gegeben, um ein Zentrum zur operativen zerebralen Revaskularisierung zu etablieren. "Die Einführung der ELANA-Technik bietet eine optimale Erweiterung des wissenschaftlichen und klinischen Spektrums, das die nationale wie internationale Spitzenstellung der Frankfurter Neuromedizin weiter ausbauen wird", sagt Prof. Dr. Volker Seifert.

Frankfurt am Main, 25. Februar 2008


Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Volker Seifert
Priv.-Doz. Dr. Hartmut Vatter
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Fon (0 69) 63 01 - 52 95
Fax (0 69) 63 01 - 63 22
E-Mail v.seifert@em.uni-frankfurt.de
Internet www.kgu.de/neurochirurgie/

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet www.kgu.de

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