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Bayerischer Mittelbau bemängelt Gehaltsstrukturen und fordert umfassende Reform

25.02.2008 - (idw) Universität Bayreuth

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der bayerischen Universitäten und Hochschulen haben in einer gemeinsamen Erklärung der Unabhängigen Wissenschaftlerkonvente Bayern (UWB) und des Landesverbands akademischer Mittelbau Bayern (LAMB) die derzeitige Gehaltsstruktur für Wissenschaftler kritisiert und eine umfassende Reform gefordert. Wissenschaftler, die auf einer halben Stelle promovierten, erhielten weniger als den tariflich festgelegte Mindeststundenlohn im westdeutschen Reinigungsgewerbe, bemängelten die Mittelbauvertreter. Postdoc-Stipendien der DFG und die Gehälter des öffentlichen Dienstes für wiss. Angestellte bewegten sich weit unter dem Lohnniveau vergleichbarer Beschäftigungsverhältnisse in der Wirtschaft. Bayreuth/Erlangen (UBT). Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der bayerischen Universitäten und Hochschulen begrüßen nach Angaben von Dr. Wolfgang Richter, dem Vorsitzenden des Mittelbaukonvents des Universität Bayreuth, nachdrücklich die derzeit von der Universität Bayern e.V. zusammen mit der Staatsregierung öffentlich geführte Diskussion zur (Nicht-) Höhe der W-Besoldung für deutsche Professorinnen und Professoren. "Sie beleuchtet am Beispiel der Gehälter schlaglichtartig die finanzielle Misere, in der sich die deutschen Hochschulen befinden", heißt es in einer von Dr. Richter für die Unabhängige Wissenschaftlerkonvente Bayern (UWB)) und Dr. Andrea C. Schmid (Universität München) für den Landesverband akademischer Mittelbau Bayern (LAMB) unterzeichneten und jetzt in Erlangen erarbeiteten gemeinsamen Erklärung.
Weiter heißt es darin: "Die Rektoren und Präsidenten der bayerischen Hochschulen fordern zu Recht eine umgehende Reform der Einkommensstrukturen. Die jetzigen Gehälter sind nicht geeignet, im Wettbewerb mit der Wirtschaft standzuhalten. Sie führen unvermeidlich zum Qualitätsverlust in Forschung und Lehre. Exzellente Wissenschaftler werden dann nicht mehr an unseren Hochschulen forschen und lehren - eine Entwicklung, die bereits eingesetzt hat und nur durch schnelle und konsequent umgesetzte Änderungen begrenzt werden kann.
Das Problem der unzureichenden Gehälter bedarf jedoch einer umfassenden Reform. Über 60 Prozent der Forschung und Lehre an den Universitäten werden von wissenschaftlichen Mitarbeitern erbracht, viele von diesen befinden sich in der Qualifikationsphase für die Wissenschaftlerlaufbahn. Ihre Entlohnung aber weist noch schwerwiegendere Defizite als die der Professoren auf. Gegenwärtige Praxis ist, dass Wissenschaftler mit erfolgreich abgeschlossenem Studium weit überwiegend auf halben Stellen promovieren - dabei jedoch mindestens 50 Arbeitsstunden pro Woche tätig sind. Sie erhalten in der Eingangsstufe E13/1 des neuen Tarifsystems der Länder (TVL) brutto 1.450 Euro und somit umgerechnet weniger als der tariflich festgelegte Mindeststundenlohn im westdeutschen Reinigungsgewerbe. Die derzeitigen Postdoc-Stipendien der DFG und auch die Gehälter des öffentlichen Dienstes für wissenschaftliche Angestellte bewegen sich in Bereichen, die weit unter dem Lohnniveau vergleichbarer Beschäftigungsverhältnisse in der Wirtschaft liegen.
Ein Land, das so geringschätzig mit dem höchstqualifizierten Personal seiner Hochschulen umgeht, darf sich eigentlich nicht wundern, wenn zunehmend die besten Köpfe ins Ausland abwandern. Zumindest für die technischen Berufszweige haben inzwischen die in der Industrie Verantwortlichen realisiert, dass schlechte Qualifizierungsbedingungen an den Hochschulen zu Nachwuchsmangel führen und sich als ernstes volkswirtschaftliches Problem darstellen. Anstatt auf die Behebung der Mängel an den Universitäten und Hochschulen zu drängen, bemüht man sich jedoch um den Import von qualifiziertem Personal aus dem Ausland. Dafür ist die Wirtschaft bereit, Jahresgehälter ab mindestens 85.000 Euro zu zahlen, weil diese als Basis für Fachleute aus dem Ausland vorgeschrieben sind. Von solchen Gehältern können die meisten der an den deutschen Hochschulen tätigen Wissenschaftler - Professoren und Mitarbeiter - nur träumen."


Weitere Informationen
Dr. Wolfgang Richter
Universität Bayreuth
Tel. 0921/55-3230
mail: wolfgang.richter@uni-bayreuth.de

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