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Forschung und Entwicklung kommen in Deutschland wieder voran - allerdings nur im Konjunkturrhythmus

27.02.2008 - (idw) Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung

Die aktuellen FuE-Budgets haben sowohl in der Industrie als auch im öffentlichen Sektor eine recht lang anhaltende Talsohle durchschritten. Es geht aufwärts. Dies ist auch dringend erforderlich, denn die weltwirtschaftliche FuE-Szene hat sich sehr stark verändert. Der Beitrag der deutschen Wirtschaft zum FuE-Aufkommen in der Welt hat sich in den letzten 25 Jahren fast halbiert - seit dem Jahr 2000 gar beschleunigt. Die deutsche Wirtschaft hat ihre Planung von FuE-Aktivitäten jedoch nach wie vor fast ausschließlich auf die Wachstumsaussichten in der nahen Zukunft ausgerichtet und setzt kurzfristig das in Projekte um, was der Kunde bezahlt. Es fehlt FuE an eigenständiger Dynamik, die Deutschland in forschungs- und wissensintensivere Strukturen und auf einen steileren Wachstumspfad bringen könnte. Nach den für 2008 vorliegenden Plänen dürfte sich die FuE-Intensität der Wirtschaft nicht erhöhen. Man muss sich jedoch fragen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Denn die Voraussetzungen für intensivere FuE-Tätigkeit haben sich in den letzten Jahren verbessert: Deutschland ist ein guter FuE-Standort, denn ausländische Unternehmen investieren per saldo hier mehr als deutsche Unternehmen im Ausland. Die Gewinnsituation ist sehr gut, die Finanzierungsbedingungen für FuE haben sich deutlich verbessert, auch durch die Unternehmenssteuerreform. Die starke Kosten- und preisliche Wettbewerbsposition schafft Spielräume für FuE in ein neues Sortiment und in Marktneuheiten. Gewerbliche Investitionen sind stark gestiegen, die Prognose ist ebenfalls günstig. Dies ist meist mit Nachfrage nach innovativen Ausrüstungen verbunden. Einzelne stark wachsende hochwertige Märkte wie Klimaschutz und Medizintechnik gelten für die deutsche Wirtschaft als ausgezeichnetes Kompetenz- und Innovationsfeld. Auf der anderen Seite haben wissensintensive Dienstleistungen und Spitzentechnologiemärkte wie Arzneimittel, Informations- und Medientechnik - auf die rund 60 % der weltweiten FuE-Aufwendungen entfallen - in Deutschland deutlich geringere Zugkraft.
Positiv wirkt: Die High Tech-Strategie der Bundesregierung hat den Unternehmen verlässliche Signale gegeben, auch wenn noch nicht klar ist, wie hoch der zusätzliche Impuls letztlich ausfallen wird. Die Initiative wird von den Unternehmen positiv wahrgenommen, insofern wirkt sie vertrauensbildend. Hieraus sind neue technologische Impulse zu erwarten, die die Unternehmen zu neuen Forschungsprojekten inspirieren. Die traditionell enge Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft/Forschung in Deutschland ist dabei ein großer Vorteil.
Ein Engpass ist jedoch: FuE ist immer stärker auf Akademiker mit natur- und ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung angewiesen. Die zunehmenden Mangelerscheinungen sind daher problematisch, vor allem bei Dienstleistungen, Spitzentechnologien und Klein- und Mittelunternehmen. Insofern ist es kein Wunder, dass in Deutschland die FuE-Konzentration auf Großunternehmen stark zugenommen hat; Klein- und Mittelunternehmen kommen auf dem Markt für Hochqualifizierte schlechter zum Zuge. Damit könnte Deutschland ein wichtiger Vorteil - nämlich die breite Verankerung von FuE in der Wirtschaft - verloren gehen.
Das NIW hat in Kooperation mit der Wissenschaftsstatistik im Stifterverband und dem DIW Berlin im Auftrag des BMBF für die Expertenkommission Forschung und Innovation ein Gutachten zu den Aktivitäten von Wirtschaft und Staat in Forschung und Entwicklung angefertigt. Download als Studie zum deutschen Innovationssystem Nr. 1-2008 "Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Deutschland im internationalen Vergleich" unter http://www.niw.de. Ansprechpartner

Dr. Harald Legler
Tel. 0511-123316-40
Mail Legler@niw.de
Weitere Informationen: http://Detaillierte Ergebnisse: http://www.niw.de
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