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Wann lädt der Bauer Heu auf den Wagen?

01.04.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wörter stehen im Zentrum des Interesses der neuen Professorin Judith Meinschaefer. Die Szene ist vorgegeben: Ein Bauer, ein Wagen und eine Ladung Heu. Was aber entscheidet letztlich darüber, mit welchem Verb diese Situation ausgedrückt wird - ob der Bauer also Heu auf den Wagen lädt oder ob er den Wagen mit Heu belädt? Judith Meinschaefers zentraler Forschungsgegenstand sind nicht Laute, Sätze oder ganze Texte sondern einzelne Wörter in den romanischen Sprachen. Dabei interessiert sich die neue Professorin für romanische Philologie I an der Universität Würzburg insbesondere für die Prinzipien, "welche die lautliche Form von Wörtern, ihre Bedeutungen und ihre historischen Veränderungen steuern".

Dazu untersucht sie - wie im Beispiel vom Bauer und der Ladung Heu - die Frage, "wie Bedeutungen, also das, was der Sprecher ausdrücken will, in sprachliche Formen von Wortdimension gegossen werden". Entgegen komme ihr dabei, dass die romanischen und die germanischen Sprachen in dieser Hinsicht systematische Unterschiede zeigen, sagt sie. Und die machten es ihr möglich, "die Entstehung dieser typischen Muster der Abbildung von Bedeutungen auf Wörter im Laufe der Zeit zu untersuchen". Des Weiteren sucht sie in ihrer Forschung nach Prinzipien, die die lautliche Form von Wörtern bedingen; zum Beispiel, warum das Adjektiv gelb auch als GELBe, GELP oder verGILPt vorkommt.

Die romanischen Sprachen sind laut Judith Meinschaefer ein einmaliges Experimentierfeld für die Untersuchung sprachlicher Differenzierung und von Sprachwandel - vor allem wegen der Vielzahl der Sprachen und Dialekte. Dieser Datenreichtum erlaube es dem Forscher, systematische Unterschiede zwischen den Sprachen und ihre historische Entstehung empirisch zu untersuchen und so die Prinzipien aufzudecken, die sprachlichen Wandel und sprachliche Variation steuern.

In ihrer Lehre möchte die neue Professorin den Studierenden nicht nur deskriptive Kenntnisse des Sprachsystems der studierten Sprache in den Kernbereichen der Sprachwissenschaft vermitteln, sondern auch Kenntnisse der modernen Sprachstile und der historischen Entwicklung. Am Ende ihres Studiums sollen sie deshalb nicht nur die studierte Sprache gut kennen und mit einer klaren Begrifflichkeit beschreiben können, sondern auch die wichtigsten Fragen und Methoden der Sprachwissenschaft kennen gelernt und die Fähigkeit entwickelt haben, sprachwissenschaftliche Behauptungen kritisch zu beurteilen und selbst zu prüfen.

Die 38-Jährige hat an der Ruhr-Universität Bochum romanische Sprachwissenschaft studiert und wurde dort 1998 promoviert. 2004 habilitierte sie sich an der Universität Konstanz. Bevor sie nach Würzburg kam, hat sie Lehrstuhlvertretungen in Konstanz und Erfurt übernommen. Seit 2006 leitet sie auch das Teilprojekt "Morphophonologische Variationen an Wortgrenzen" im Sonderforschungsbereich 471 der Deutschen Forschungsgemeinschaft: "Variation und Entwicklung im Lexikon".

Kontakt: Prof. Judith Meinschaefer, (0931) 888-5682; E-Mail: judith.meinschaefer@uni-wuerzburg.de

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