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"Sind Sie privat versichert?"

10.04.2008 - (idw) AKAD. Die Privat-Hochschulen

Studie: Gesetzlich Versicherte warten länger auf Krankenhausbehandlungen

Nachdem vergangene Woche infolge einer Studie die Wartezeiten auf Arzttermine intensiv diskutiert wurden, liegt nun auch erstmals eine systematische Untersuchung der Wartezeiten auf eine Krankenhausbehandlung in Deutschland vor. Die Studie der WHL Wissenschaftlichen Hochschule Lahr und der Technischen Universität Ilmenau weist erstmals nach, dass es auch für viele Krankenhäuser relevant ist, ob sich ein Patient privat oder gesetzlich versichert hat. So fragte jedes vierte getestete Krankenhaus aktiv den Versichertenstatus ab. In diesen Krankenhäusern hatten gesetzlich Versicherte eine rund 20 Prozent längere Wartezeit für einen Behandlungstermin als privat Versicherte. Für Professor Dr. Dirk Sauerland, der den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/ Gesundheits- und Institutionenökonomik an der WHL inne hat, deutet die Studie darauf hin, dass auch in Deutschland Krankenhäuser aus ökonomischen Gründen die Wartezeit bewusst als Steuerungsinstrument einsetzen. "Der Zugang zu stationären medizinischen Dienstleistungen ist in Deutschland auch von der Art der Versicherung abhängig", betont der Rektor der WHL. "Die gute Nachricht lautet: In 75 Prozent der von uns angerufenen Krankenhäusern wird nicht unmittelbar danach gefragt, ob der Anrufer gesetzlich oder privat versichert ist. Bei den übrigen 25 Prozent spielt dies jedoch eine große Rolle. Unsere Untersuchung zeigt ähnliche Ergebnisse, wie wir sie bislang nur aus amerikanischen Vergleichsstudien kannten", so Sauerland.

Wartezeiten von Krankheit und Krankenhaus-Auslastung abhängig

Je nach Krankheitsbild warteten die gesetzlich Versicherten unterschiedlich lange auf einen Termin: Bei der Indikation "Knöchelbruch" mussten gesetzlich Versicherte mehr als doppelt so lange warten (131 Prozent) als privat Versicherte. Bei der Indikation "Herzkranzgefäßverengung" (Stenose) lag die Wartezeit noch 18 Prozent und bei "Krebsverdacht" (Konisation) noch 5 Prozent über den privat Versicherten.
Während 41 Prozent der privat Versicherten innerhalb einer Woche einen Termin erhielten, waren es bei den gesetzlich Versicherten nur 28 Prozent. Zwei Wochen nach dem Anruf erhielten 73 Prozent der gesetzlich Versicherten einen Termin, während der Anteil privat Versicherter bereits bei 81 Prozent lag.

Methode

Für Dr. Björn Kuchinke von der TU Ilmenau bringt das Studiendesign zwei Vorteile gegenüber anderen Erhebungen mit sich: "Zum einen ist die Studie repräsentativ für Gesamtdeutschland und nicht nur für eine Region. Zum andern haben wir bewusst auf Erinnerungsdaten von Patienten verzichtet, da diese in ihrer Aussagekraft erhebliche Probleme mit sich bringen."
Abgefragt wurden die drei Krankheitsbilder Herzkranzgefäßverengung, Knöchelbruch und Krebsverdacht, die aus medizinischer Sicht innerhalb von zwei Wochen einen Behandlungstermin erforderlich machen. Geschulte Anrufer vereinbarten bei Krankenhäusern, die über die jeweilige Fachabteilung verfügten, mit standardisierten Formulierungen zu ihrer Person und Erkrankung in insgesamt 687 Anrufen einen Termin. In dem Gespräch wurde auch verdeutlicht, dass bereits bei einem niedergelassenen Facharzt eine differenzierte Untersuchung stattgefunden hatte und die Diagnose somit fest stand.
Diejenigen Krankenhäuser, die aktiv den Versichertenstatus abfragten, wurden zwei Wochen später noch ein mal von demselben Propanden angerufen, der sich nun als fiktiver Privatpatient ausgab. Dadurch konnte für das jeweilige Krankenhaus die Abweichung bei der Terminvergabe zwischen den gesetzlich und privat Versicherten geprüft werden.

Übersicht zu den durchschnittlichen Wartezeiten

... für alle Diagnosen: GKV 10,55 Tage - PKV 8,97 Tage

... für Einzeldiagnosen

Herzkranzgefäßverengung: GKV 13,89 Tage - PKV 11,81 Tage
Knöchelbruch: GKV 4,73 Tage - PKV 2,05 Tage
Krebsverdacht: GKV 8,65 Tage - PKV 8,20 Tage

Studie
Sauerland, Dirk / Kuchinke, Björn A. / Wübker, Ansgar: Warten gesetzlich Versicherte länger? Zum Einfluss des Versichertenstatus auf den Zugang zu medizinischen Leistungen im stationären Sektor. Lahr 2008.

Die Studie gibt es als Download unter www.whl-lahr.de/versichertenstatus


Weitere Informationen zur Studie:

Prof. Dr. Dirk Sauerland
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/Gesundheits- und Institutionenökonomik
WHL Wissenschaftliche Hochschule Lahr
Hohbergweg 15-17
77933 Lahr

Telefon 07821-923869
E-Mail: dirk.sauerland@whl-lahr.de

Ansprechpartner für Redaktionen:

Dr. Jörg Schweigard, Pressesprecher
Tel. 0711 8 14 95 - 220
joerg.schweigard@akad.de
Weitere Informationen: http://www.whl-lahr.de
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