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Transferkongress: Vertreter von Hochschulen und Wirtschaft berieten an der FH Lausitz

19.04.2008 - (idw) Fachhochschule Lausitz

Der 1. Transferkongress an der Fachhochschule Lausitz fand am 16. April 2008 statt und wurde in Zusammenarbeit mit den Partnern BASF Schwarzheide GmbH und Vattenfall Europe Mining AG sowie dem Medienpartner Lausitzer Rundschau veranstaltet und von Prof. Dr. Stefan Zundel, Vizepräsident der Fachhochschule Lausitz, moderiert. Die Beiträge kreisten um die Problematik des Fachkräftemangels in Deutschland sowie insbesondere in der Region und die Frage, welche Anpassungen in der Ausbildung der Hochschulen erforderlich und möglich sind. Zu den einzelnen Themen sprachen Vertreter der Wirtschaft, der Wirtschaftsverbände sowie der Hochschulen.

Die ersten Beiträge rankten sich um die Feststellung der Bedarfslücke der Wirtschaft. Diese Bedarfslücke ist, wie Sven Weickert von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. feststellte, kein regionales Problem. Das Problem verschärft sich jedoch in der Region durch den Bevölkerungsrückgang und die Abwanderungen der qualifizierten jungen Leute. Susann Krahl präsentierte dazu eine Studie aus dem Landkreis Elbe-Elster, die das ganze Ausmaß verdeutlicht: Bis zu 75 Prozent der Abiturienten tragen sich mit dem Gedanken die Region zu verlassen. Die Studie zeigte aber auch die Chancen, die Leute zu halten beziehungsweise sie für die Region wieder zurück zu gewinnen.

Der zweite Teil der Vorträge befasste sich mit dem veränderten Bedarf der Wirtschaft hinsichtlich des Kompetenzprofils, insbesondere der zu übernehmenden Hochschulabsolventen. Die Zeit der hochgradigen Fachspezialisten ist nach einhelliger Meinung aller Referenten vorbei. Dr. Lars Reichmann, Leiter Personal der BASF Schwarzheide GmbH, betonte als Vertreter für den Bedarf in Großunternehmen die hohe Bedeutung der so oft zitierten Softskills, wie Teamfähigkeit, Flexibilität und allgemeine Planungs- und Managementfähigkeiten.

Dem gegenüber stellte Dr. Franz Britze von Kubra e.V. die Situation der kleineren und mittelständigen Betriebe dar, für die Hochschulabsolventen nach kurzer Einarbeitungszeit schon zum Führungskreis der Betriebe gehören und dafür Führungspersönlichkeiten verlangt werden und keine Fachtechnokraten. Während die Großunternehmen mobile Mitarbeiter benötigen, die häufiger den Standort wechseln, haben klein- und mittelständige Unternehmen tendenziell eher Mitarbeiter, die eng und persönlich an das Unternehmen gebunden sind und somit an die Region.

Dr. Constanze Wachsmann, Seniorberaterin der Kienbaum Berlin GmbH, Niederlassung Dresden, betonte in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der Sprachkenntnisse und machte darauf aufmerksam, dass Unternehmen wie Kienbaum sich ihre Nachwuchskräfte gegebenenfalls auch im Ausland, speziell Polen, suchen, weil dort die Sprachkenntnisse bedeutend besser sind.
Im letzten Teil des Kongresses liefen die Beiträge mehr und mehr auf die Handlungsmöglichkeiten der Hochschule zur Bedarfdeckung und Anforderungsanpassung hinaus. Dr. Joachim Linstedt, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, zeigte an Beispielen Formen erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft, die von Prof. Dr. Ursula Anderer von der Fachhochschule Lausitz beispielhaft an einem Forschungsprojekt erläutert wurden. Deutlich wurde dabei die Notwendigkeit einer engen Verzahnung zwischen beteiligten Wirtschaftsunternehmen und der Hochschule, die letztendlich zu einem Know-how-Transfer führte als auch zu einem Personaltransfer, dadurch dass die beteiligten Studenten nahtlos in die betreffenden Betriebe wechselten. Dies ist kein Sondermodell der Fachhochschule Lausitz, sondern wird so oder in ähnlicher Weise auch an anderen Hochschulen durchgeführt, wie Prof. Dr. Joachim Zielbauer, Prorektor der Hochschule Zittau/ Görlitz, als Erfahrungsbericht für seine Hochschule darstellte.

Um diese Verflechtung zu verstärken und um die Studenten schon viel frühzeitiger einzubinden, stellte Prof. Stefan Zundel ein Werkstudentenmodell vor, das im größeren Umfang gezielt die Verzahnung mit Studenten der Studiengänge fördern soll, bei denen die Bedarfslücke besonders groß sind.
Insgesamt waren alle Teilnehmer mit dem 1. Transferkongress hoch zufrieden, und das nicht nur wegen des hervorragenden, von der BASF Schwarzheide GmbH gesponserten Büffets für die Tagungspause, sondern vor allem wegen des vom Kongress aufgenommenen systematischen Dialogs zwischen Hochschule und Wirtschaft und des von allen Kongressteilnehmern getragenen Willens, Lösungen zu finden. In seinen abschließenden Worten wies Professor Zundel noch einmal darauf hin, dass bisher nur Mosaiksteine für ein Gesamtbild zusammengetragen wurden und der Dialog wohl noch lange fortgesetzt werden muss, um eine Gesamtlösung für das dramatische Personaltransferproblem der nächsten Jahre zu finden.


Weitere Informationen:
Kerstin Lenk
Organisationsbüro der Firmenkontakt- und Personalbörse campus-X-change
E-Mail: kerstin.lenk@campus-x-change.de.

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