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Ergebnisse der Sommersitzungen des Wissenschaftsrates in Berlin (2. - 4. Juli)

07.07.2008 - (idw) Wissenschaftsrat

Mit der Internationalisierung von Wissenschaft beschäftigte sich dieses Mal der Bericht des Vorsitzenden zu aktuellen Tendenzen im deutschen Wissenschaftssystem. In der aktuellen Debatte um dieses Thema, so konstatierte Professor Peter Strohschneider, fehle es oft an Klarheit darüber, ob von Internationalisierung der Gegenstände und Methoden der Wissenschaften, der Institutionen oder aber der Wissenschaftspolitik die Rede sei. Prozesse der Internationalisierung führten gegenwärtig in vielen Bereichen zu Vereinheitlichungen. Im Verhältnis von Institutionen und von Staaten zueinander werden aber auch Unterschiede verstärkt mit dem Ziel, im Wettbewerb Vorteile zu erringen. Das Feld sei komplex, so dass eine einzige Internationalisierungsstrategie für das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt nicht hilfreich sein dürfte. Der Wissenschaftsrat, so Strohschneider, biete sich als Forum der Diskussion an, er werde aber zum Beispiel in den Bereichen Forschungsförderung, Großgeräte oder Hochschulorganisation auch aktiv Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Speziell Fragen zum Aufbau und ersten Wirkungen des European Research Council (ERC) griff Professor Ernst-Ludwig Winnacker auf, derzeitiger Generalsekretär des ERC, der als Gast an der Vollversammlung des Wissenschaftsrates teilnahm.

Zum neuen Generalsekretär des Wissenschaftsrates hat die Vollversammlung am 4. Juli Thomas May gewählt. Der derzeitige Kanzler der Ludwig-Maximilians-Universität München wird Nachfolger von Wedig von Heyden, der Ende des Jahres 2008 aus Altersgründen ausscheiden wird.

Zu den Empfehlungen und Stellungnahmen im Einzelnen:

Der Wissenschaftsrat ruft die Akteure in Politik und Hochschulen, Lehrende und Studierende zu einer großen gemeinsamen Anstrengung für mehr Qualität in Lehre und Studium auf. Möglichst viele Studierende sollen mit nachweislich hohem Kompetenzgewinn in der Regelstudienzeit ein Studium abschließen können und in ihren Lernprozessen bestmöglich unterstützt werden. "Dieses Ziel erreicht man nicht durch ein Absenken des Anspruchsniveaus", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider, "genauso wenig können aber überlange Studienzeiten oder dramatisch hohe Durchfallquoten hingenommen werden. Allein mit dem Appell an mehr Engagement der Lehrenden ist es nicht getan, es braucht vielfältige institutionelle Anstrengungen - und es braucht auch mehr Geld." Der Wissenschaftsrat benennt mit Blick auf alle Akteure im Hochschulsystem vielfältige Maßnahmen, wie diese Qualitätsentwicklung auf allen Ebenen zu erreichen ist.

Im Rahmen seiner Begutachtung von Forschungsbauten an Hochschulen hat der Wissenschaftsrat die von den Ländern zur Förderphase 2009 beantragten Vorhaben nach seinen Kriterien überprüft, bewertet und in eine Reihung gebracht. Die Gesamtkosten der ab dem Jahr 2009 zur Förderung von Forschungsbauten empfohlenen Investitionen an Hochschulen belaufen sich auf ca. 485,5 Mio. Euro. Unter den neun Bundesländern, die im Rahmen der 2007 eingeführten Förderung von Forschungsbauten Investitionsmittel vom Bund erhalten sollen, sind drei zum ersten Mal dabei: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland.

Größe und Struktur des aus sechs Instituten bestehenden Forschungszentrums Dresden (FZD) in Rossendorf, die Zahl der dort betriebenen Großgeräte wie auch die überzeugenden Forschungsprogramme haben den Wissenschaftsrat dazu veranlasst, einen Wechsel der Förderorganisation vorzuschlagen. Empfohlen wird, die Einrichtung künftig in der Helmholtz-Gemeinschaft zu fördern. Seit 1992 wird das aus dem Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf bei Dresden hervorgegangene FZD in der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) gefördert.

Die beiden Abteilungen des Instituts für Interdisziplinäre Isotopenforschung (IIF) an der Universität Leipzig sollen künftig in bereits im Forschungszentrum Dresden vorhandene Institute mit gleicher fachlicher Ausrichtung integriert werden. Sichergestellt wäre damit die Weiterführung der wissenschaftlichen Aufgabe, die zur Gründung des IIF geführt hatte und die nach wie vor relevant und von nationalem Interesse ist.

Gewürdigt hat der Wissenschaftsrat die Anstrengungen der "Reinhold-Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn" (RWH) in Künzelsau (Baden-Württemberg), sowohl ihr Studienangebot zu erweitern und zu verbessern, als auch ihre Forschungsaktivitäten nachhaltig und zukunftsorientiert zu erhöhen.

Im Rahmen der institutionellen Akkreditierung hat der Wissenschaftsrat vier Einrichtungen akkreditiert:

Die 2002 von 25 privaten Unternehmen und Wirtschaftsverbänden gegründete ESMT European School of Management and Technology in Berlin hat erhebliche Anstrengungen unternommen, sich als Wissenschaftliche Hochschule zu etablieren. Mit der Berufung renommierter Wissenschaftler und aussichtsreicher Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen hat sie seit Anfang 2006 überzeugende Grundlagen zum Aufbau eines Forschungsprofils geschaffen. Die Akkreditierung wird für fünf Jahre ausgesprochen.

Die Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen (HKT) entspricht den wissenschaftlichen und künstlerisch-gestalterischen Maßstäben einer Fachhochschule. Ihre für fünf Jahre ausgesprochene Akkreditierung erfolgt unter zwei Auflagen: Einerseits ist die Zahl der hauptberuflichen Professuren spätestens innerhalb eines Jahres um zwei weitere anzuheben, zum anderen das Konzept des geplanten Master-Studiengangs zu überarbeiten.

Das Studienangebot der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) mit Hauptsitz in Paderborn ist in erster Linie ein duales Studium, bei dem sich Präsenzphasen an der Hochschule mit Arbeitsphasen in Unternehmen abwechseln. Es ist der FHDW gelungen, den Ausbildungsbedarf insbesondere für die regionale Wirtschaft abzudecken. Die Akkreditierung wird unter Auflagen für fünf Jahre ausgesprochen.

Das Konzept der geplanten CVJM-Hochschule in Kassel sieht vor, Studiengänge in Religions- und Gemeinschaftspädagogik, Sozialer Arbeit und Sozialmanagement ab 2009 sowohl in Präsenzform als auch berufsbegleitend anzubieten. Die Akkreditierung wird für fünf Jahre und unter verschiedenen Auflagen erteilt, so dass die CVJM-Hochschule die Möglichkeit erhält, sich in der Praxis zu bewähren.

Die Empfehlungen zur Universitätsmedizin Mainz an Universität und Land zeigen auf, welche organisatorischen und strukturellen Veränderungen erforderlich sind, um die Leistungsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu sichern bzw. zu steigern. Als Sofortmaßnahmen werden die unmittelbare hauptberufliche Besetzung der Leitungspositionen der Universitätsmedizin (Wissenschaftlicher Vorstand, Ärztlicher Vorstand, Kaufmännischer Vorstand) empfohlen, ebenso wie die Ausarbeitung eines mit dem Land abgestimmten Strategie- und Investitionskonzepts.


Hinweis: Die genannten Empfehlungen und Stellungnahmen werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de
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