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Wissenschaftsrat - Konzept zur systematischen Verbesserung der Hochschullehre

07.07.2008 - (idw) Wissenschaftsrat

Der Wissenschaftsrat ruft die Akteure in Politik und Hochschulen, Lehrende und Studierende zu einer großen gemeinsamen Anstrengung für mehr Qualität in Lehre und Studium auf. Er tut dies in einer Situation, in der die Probleme der Lehre zunehmend und zu Recht öffentlich Aufmerksamkeit gewinnen. Als Grund für die Konjunktur des Themas nennt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider: "Bei intensivem Wettbewerb um Drittmittel in der Forschung ist in letzter Zeit das Bewusstsein für die Bedeutung der Lehre gewachsen - und das muss es auch, wenn Lehre und Forschung einen Zusammenhang bilden und die Studienreform gelingen soll. Den Hochschulen wird zunehmend klar, dass die Qualität der Lehre eine entscheidende Rolle spielt, wenn sie den wachsenden Anforderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur gerecht werden wollen." Darum sei es höchste Zeit, dass eine umfassende Qualitätsentwicklung in Angriff genommen werde, denn viele Maßnahmen benötigten Vorlaufzeit, bevor sie Wirkung zeigen. "Die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Hochschulsystems", so Strohschneider, "hängt nicht zuletzt daran, dass an den Hochschulen eine neuartige Lehrkultur entsteht, bei der Qualität in der Lehre auch anerkannt und ausgezeichnet wird. Das bedeutet einen Mentalitätswechsel: Leistungen in der Lehre müssen dasselbe Ansehen in Wissenschaft und Öffentlichkeit genießen wie Erfolge in der Forschung."

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates sind ein systematischer Ansatz, um die Qualität der Lehre deutlich und flächendeckend zu verbessern. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen ist es, Studierende in ihren Lernprozessen bestmöglich zu unterstützen. Möglichst viele Studierende sollen mit nachweislich hohem Kompetenzgewinn in der Regelstudienzeit ein Studium abschließen können. Peter Strohschneider: "Dieses Ziel erreicht man nicht durch ein Absenken des Anspruchsniveaus, genauso wenig können aber überlange Studienzeiten oder dramatisch hohe Durchfallquoten hingenommen werden. Allein mit dem Appell an mehr Engagement der Lehrenden ist es indes nicht getan, es braucht vielfältige institutionelle Anstrengungen - und es braucht auch mehr Geld."

Der Wissenschaftsrat benennt mit Blick auf alle Akteure im Hochschulsystem vielfältige Maßnahmen, wie die Qualitätsentwicklung auf allen Ebenen zu erreichen ist:

Die Lehrenden sind - gerade in einer Phase des Ausbaus der Studienkapazitäten - aufgefordert, ihre Lehrkompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Strohschneider: "Das gilt für Nachwuchswissenschaftler ebenso wie für erfahrene Hochschullehrer. Der wechselseitige Besuch von Lehrveranstaltungen ist hierbei ebenso zweckmäßig wie Fortbildungen. Denn gute Lehre kann man lernen." Dazu sollen flächendeckende Angebote für Fortbildungen entstehen.

Von den Studierenden erwartet der Wissenschaftsrat, dass sie Verantwortung für ihren Studienerfolg übernehmen und sich mit Konzentration und Einsatz ihrem Studium widmen. Durch die Beteiligung (auch an der Qualitätssicherung) und Eigenaktivitäten der Studierenden können Lernfortschritte und eine größere Verbindlichkeit auch bei großen Studierendenzahlen erreicht werden.

Die Hochschulen fordert der Wissenschaftsrat auf, innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre ein umfassendes System der Qualitätsentwicklung aufzubauen. Die von der Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossene Systemakkreditierung soll das Qualitätsmanagement der Hochschulen unterstützen. Dringend erforderlich sind bedarfsgerechte Betreuungs- und Beratungsangebote. Das Engagement für Lehre muss sich lohnen, daher muss es Leistungsanreize für gute Lehre geben. Gleichermaßen müssen belastbare Verfahren der Bewertung von Lehrleistungen weiterentwickelt werden.

Um die Verantwortung der Disziplinen für die Lehrqualität zu stärken und fachbezogene Besonderheiten zu berücksichtigen, schlägt der Wissenschaftsrat die Einrichtung von Fachzentren für Hochschullehre vor.

Zur Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen wie auch zur Verbesserung der teilweise unzumutbaren Betreuungsrelationen benötigen die Hochschulen von der Politik zusätzliche Mittel. Diesbezüglich hat der Wissenschaftsrat moderat kalkuliert und allein Mindestanforderungen zur Verbesserung der Lehre benannt. "Selbst bei einer solchen Kostenschätzung sind speziell für die Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium jährlich rund 1,1 Mrd. Euro zusätzlich notwendig", erläuterte Strohschneider, "davon 357 Mio. Euro p. a. allein für bessere Betreuungsverhältnisse in stark nachgefragten Fächern, die beinahe die Hälfte aller Studierenden betreuen. Der Wissenschaftsrat ist sich bewusst, dass mit dem gleichzeitigen Ausbau der Studienkapazitäten und der Sicherung der Forschungsqualität an den Hochschulen große Anstrengungen auf die Politik zukommen. Optimistisch stimmen in dieser Situation die deutlich erkennbare Bereitschaft der Öffentlichkeit zu Bildungsinvestitionen wie auch der Wille aller Akteure aus Politik und Wissenschaft, eine Entwicklung in Gang zu setzen, an deren Ende eine neue Lehrkultur steht."


Hinweis: Die "Empfehlungen zur Qualität von Lehre und Studium" (Drs. 8579-08) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de
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