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Wissenschaftsrat - Drei von fünf nicht-staatlichen Hochschulen positiv akkreditiert

07.07.2008 - (idw) Wissenschaftsrat

Die Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen (HKT) wurde bereits 1987 vom Land Baden-Württemberg als Fachhochschule staatlich anerkannt. Die Hochschule verfolgt seit ihrer Gründung das Ziel, "Kunsttherapie" als Studiengang anzubieten sowie Weiterbildungsangebote auf diesem Feld zu entwickeln. Seit einigen Jahren entfaltet die HKT auch zunehmend Forschungsaktivitäten in diesem Fachgebiet. Nach Ansicht des Wissenschaftsrates entspricht sie damit den wissenschaftlichen und künstlerisch-gestalterischen Maßstäben einer Fachhochschule. Daher wird eine Akkreditierung für fünf Jahre ausgesprochen. Sie erfolgt jedoch unter zwei Auflagen: Einerseits ist die Zahl der hauptberuflichen Professuren spätestens innerhalb eines Jahres um zwei weitere anzuheben, zum anderen das Konzept des geplanten Master-Studiengangs zu überarbeiten.

Die 1993 gegründete Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) mit Hauptsitz in Paderborn bietet elf Bachelor- und drei Master-Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an. Das Studium an der FHDW, die auch eine Abteilung in Bergisch Gladbach und Außenstellen in Bielefeld, Gütersloh und Dresden unterhält, ist in erster Linie ein duales Studium, bei dem sich Präsenzphasen an der Hochschule mit Arbeitsphasen in Unternehmen abwechseln. "Der FHDW ist es gelungen, den Ausbildungsbedarf insbesondere für die regionale Wirtschaft abzudecken", erläutert der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider. "Das Studienangebot der Hochschule ist gut konzipiert, das Betreuungsverhältnis angemessen, die sächliche Ausstattung insgesamt überzeugend. Die Finanzierung der FHDW ist gesichert." Die Akkreditierung wird für fünf Jahre ausgesprochen. Sie erfolgt mit den Auflagen, dass die Mitwirkungsrechte der Hochschulmitglieder gestärkt werden, die Praxis- und Studienphasen angemessen miteinander zu verknüpfen sind und die bibliothekarische Ausstattung deutlich ausgebaut wird.

Nach intensiver Diskussion hat der Wissenschaftsrat das Konzept der geplanten CVJM-Hochschule in Kassel positiv akkreditiert. Studiengänge in Religions- und Gemeinschaftspädagogik, Sozialer Arbeit und Sozialmanagement sollen dort ab 2009 sowohl in Präsenzform als auch berufsbegleitend angeboten werden. Der CVJM-Gesamtverband in Deutschland verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, neben einer seit langem bestehenden Fachschule auch eine Hochschule zu errichten. In beharrlicher Arbeit ist es ihm gelungen, die Planungen schrittweise auf ein hinreichendes Niveau zu verbessern. Eine dauerhafte Etablierung der CVJM-Hochschule im akademischen Bereich setzt jedoch voraus, dass sie in ihrer weiteren Entwicklung verschiedene Auflagen berücksichtigt und umsetzt. Insbesondere sind die Studiengänge vor Aufnahme des Betriebs zu akkreditieren. Auch muss die Gründungskommission, sofern sie als Berufungskommission fungiert, um mehrere externe Professorinnen oder Professoren ergänzt werden. Die Akkreditierung wird für fünf Jahre erteilt, so dass die CVJM-Hochschule die Möglichkeit erhält, sich in der Praxis zu bewähren. "Nach bisherigem Stand wird eine Reakkreditierung kein Selbstläufer", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider.

Die seit November 2006 staatlich anerkannte International Business School Berlin wird aus Sicht des Wissenschaftsrates den Ansprüchen an eine Fachhochschule in wissenschaftlicher Hinsicht nicht gerecht. So sind vor allem die Studienschwerpunkte und Studieninhalte der beiden Bachelorstudiengänge (International Management und International Tourism & Event Management) zu unbestimmt und der Aufbau der Studiengänge nicht durchgehend systematisch. Die finanzielle Ausstattung lässt Zweifel aufkommen, dass auf dieser Basis eine adäquate Hochschulumgebung geschaffen werden kann. Defizite sieht der Wissenschaftsrat in den Gestaltungs- und Mitwirkungsrechten des Fachbereiches. Insbesondere ist es nicht hinnehmbar, dass die Ernennung der Dekanin bzw. des Dekans ohne institutionell gesicherte Mitwirkung des Fachbereichs erfolgt. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates fasst zusammen: "Angesichts des Aufwandes, der mit der Behebung der in der Stellungnahme genannten Monita verbunden ist, könnte ein erneuter Akkreditierungsantrag frühestens in zwei Jahren gestellt werden."

Auch die Pläne der Leibniz-Akademie in Hannover, unter ihrem Dach eine "Leibniz-Fachhochschule" zu errichten, erfüllen die im Verfahren der institutionellen Akkreditierung geltenden Mindestanforderungen nicht. Das Konzept sieht vor, eine bestehende Berufsakademie mit zwei dualen Studiengängen nahtlos in eine Hochschule umzuwandeln. "Der Wissenschaftsrat hat bereits früher festgestellt, dass eine solche Transformation sichtbarer Entwicklungsschritte bedarf, die hier noch nicht absolviert sind", so Strohschneider. Lediglich Leitungsstruktur und Binnenorganisation wurden bisher hochschuladäquat konzipiert. Demgegenüber sind vor allem die Prüfbereiche Leitbild, Ausstattung, Forschung und Kooperationen in einem solchen Maß der Berufsakademie-Tradition verhaftet, dass sich die Defizite in ihrer Gesamtheit nicht mehr durch einzelne Auflagen beheben ließen. Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung, dass ein erneuter Akkreditierungsantrag frühestens in zwei Jahren gestellt werden könnte.



Hinweis: Die "Stellungnahmen zur Akkreditierung der Hochschule für Kunsttherapie (HKT), Nürtingen (Drs. 8606-08), der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), Paderborn (Drs.8592-08), der CVJM Hochschule, Kassel (Drs. 8614-08), der International Business School (IBS), Berlin (Drs. 8600-08) sowie der Leibniz Fachhochschule Hannover (Drs.8615-08) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.

Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de
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