Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 22. November 2019 

Innenarchitekturstudierende gestalten Hochschulevent auf dem vitra Campus

07.07.2008 - (idw) Fachhochschule Stuttgart, Hochschule für Technik

Wer am 26. und 27. Juni diesen Jahres den Vitra Campus in Weil am Rhein betrat, dem bot sich ein recht ungewohntes Bild: auf einer Kirschbaumwiese neben dem gerade entstehenden VitraHaus von Herzog & de Meuron zogen viele Dutzende von rätselhaften Gebilden in den verschiedenartigsten Formen, Farben und Materialien die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Fast hätte man glauben können, eine Gestalter- und Künstler-Guerilla hätte sich des prominenten Geländes bemächtigt, um ihm mit ephemeren Interventionen für ein paar Tage einen anderen Charakter zu verleihen. Tatsächlich aber hatte Vitra seinen Campus für einen Hochschulevent zur Verfügung gestellt.

Unter dem Motto "Ort gestalten" waren dazu auf Initiative von Toni Piska?, dem Leiter der Interior Design Services von Vitra, Studierende der Innenarchitektur der Fachhochschule Rosenheim, der Hochschule Darmstadt, der Hochschule für Technik Stuttgart, der Fachhochschule Kaiserslautern sowie der Hochschule Coburg eingeladen. Ihnen wurde die Aufgabe gestellt, im Spannungsfeld Design - Technologie - Material eine Installation zu schaffen, in der ihre persönliche Vision für die zukünftige Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raumes zum Ausdruck kommen sollte. Um angesichts der weit gefassten Aufgabenstellung eine gewisse Vergleichbarkeit der Arbeiten zu gewährleisten, wurden äußere Rahmenbedingungen definiert: Die Installationen, für deren Entwurf und Bau an den Hochschulen ein Zeitfenster von rund einer Woche zur Verfügung stand, sollten in Länge, Breite und Höhe das Modulor-Mass von 2,26 m nicht überschreiten, die Wahl der Materialien hatte ökologischen Gesichtspunkten zu genügen. Die Konstruktion musste Platz sparend zu transportieren sein und sich vor Ort innerhalb zirka einer halben Stunde aufbauen lassen.

Die 73 eingereichten Arbeiten ermöglichten in ihrer Gesamtheit einen spannenden Einblick in die Themenfelder, mit denen sich die Studierenden heute auseinandersetzen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang war, wie viele Studierende die zwischenmenschliche Kommunikation ins Zentrum ihrer Arbeit stellten. Genauer gesagt: die Kommunikation in ihrer direkten, nicht durch digitale Medien wie Mobiltelefon oder Internet vermittelten Form. Im öffentlichen Raum einen Ort für menschliche Begegnungen und Austausch zu schaffen, scheint das Ziel vieler Arbeiten gewesen zu sein. Die Lösungsansätze fielen hingegen sehr unterschiedlich aus. Einmal mehr konnte freilich festgestellt werden, daß die einfachen Lösungen oft die effektivsten sind: eine kreisförmig angelegt Sitzbank erwies sich schon bald als beliebter und fast dauernd belebter Treffpunkt.

Als am Ende der Veranstaltung die ausgestellten Arbeiten von einer getrennten Professoren- und Studierenden-Jury nach den Kategorien "Konzept", "Gestaltung", "Konstruktion" und "Ökologie" beurteilt wurden, ergab sich eine weitgehende Übereinstimmung in der Einschätzung der Entwürfe. In einer kleinen Zeremonie bekamen die Preisträger eine Urkunde sowie einen Panton Chair überreicht.
Das schöne Wetter, ein feines Catering und nicht zuletzt ein DJ am Abend trugen dazu bei, dass es während des Hochschulevents wie erhofft zu einem regen Austausch zwischen allen Beteiligten kam. Die gute Stimmung, die während der beiden Tage auf dem Campus herrschte, wird in Erinnerung bleiben. Die Präsentation der Arbeiten wurde von Vitra darüber hinaus in ein breit gefächertes Rahmenprogramm eingebettet. Dazu gehörten neben einer Architekturführung über den Vitra Campus die Besichtigung der derzeit laufenden Ausstellungen des Vitra Design Museums sowie ein Rundgang durch die Produktionsanlagen des Aluminium Chairs (inklusive Besuch des Testraumes, in dem die Produkte von Vitra bis aufs Äußerste malträtiert werden). Zu den Höhepunkten des Events zählten außerdem zwei Vorträge.

Der in Berlin ansässige Architekt Jürgen Mayer H., der zu den jungen Hoffnungsträgern der deutschen Architekturszene zählt, gab am Nachmittag im Buckminster Fuller Dome einen gut einstündigen Werkbericht. Darin wies er auf die vielfach zwischen Architektur, Design und Kunst angesiedelten Projekte seines Büros hin und stellte sein bisher grösstes Projekt, den im Bau befindlichen "Metropol Parasol" in der spanischen Stadt Sevilla, vor. Er zeigte damit den Studierenden auf, dass der Mut zur Konsequenz zwar ein harter Weg sei, sich letzten Endes jedoch auszahle.

Der Designhistoriker Mathias Remmele, Dozent an den Gestaltungshochschulen Basel und Kassel, berichtete am Beispiel des Panton Chairs über den oft schwierigen und langwierigen Entwicklungsprozess, der zwischen einer gestalterischen Idee und ihrer Realisierung in Form eines industriell hergestellten Serienproduktes liegen kann. Toni Piska? wollte den von ihm angeregten Vortrag nicht nur als Ausflug in die Designgeschichte verstanden wissen, sondern vor allem als Ermutigung an die Studierenden ihre Visionen und Ideen ähnlich hartnäckig zu verfolgen wie einst Verner Panton seine Idee vom Stuhl aus einem Guss umgesetzt hatte.

Weitere Informationen: http://www.hft-stuttgart.de
uniprotokolle > Nachrichten > Innenarchitekturstudierende gestalten Hochschulevent auf dem vitra Campus
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/159920/">Innenarchitekturstudierende gestalten Hochschulevent auf dem vitra Campus </a>