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"Unternehmen: Studium" - Neue Wege im Bildungssponsoring

30.04.2003 - (idw) Universität Augsburg

Als Gegenleistung, für das Kommunikations-Know-how, das sie zur Verfügung stellen, werden Kommunikationspraktiker kommuniziert --

Seit dem laufenden Sommersemester gehen Studierende der Universität Augsburg einen neuen Weg in Sachen Bildungssponsoring: Mit der Initiative "Unternehmen: Studium" bieten sie interessierten Unternehmen die Chance, sich direkt für die Qualität des Studiengangs Medien und Kommunikation einzusetzen. Die Unternehmen können qualifizierte Mitarbeiter als Dozenten beisteuern oder einen finanziellen Beitrag zur Förderung von Lehraufträgen leisten. Im Gegenzug erhalten sie neben einer breiten Öffentlichkeit den direkten Zugang zu hochmotivierten High-Potentials für ihre Betriebe.

Der Studiengang "Medien und Kommunikation" ist ein noch junger, zum Wintersemester 2001/02 eingeführter BA-Studiengang an der Universität Augsburg (siehe UPD 106/01, http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2001/pm2001_106.html), der sich in kürzester Zeit überregionales Ansehen erworben hat und stark nachgefragt wird. Die Initiative "Unternehmen: Studium" soll helfen, diesen Studiengang durch Lehraufträge, für die keine staatlichen Mittel verfügbar sind, weiter zu bereichern. Praktiker aus der hart umkämpften Medien- und Kommunikationsbranche können hier ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag an die Studierenden weiterzugeben und den expliziten Praxisbezug dieses Studienganges zusätzlich akzentuieren.

MARKETING IN NON PROFIT-UNTERNEHMEN

Mit dem im Sommersemester 2003 angebotenen Seminar "Marketing in Non Profit-Unternehmen" feiert das Projekt "Unternehmen: Studium" Premiere. Als Lehrbeauftragte geben Edmund Fröhlich (MDO GmbH KlinikManagement, Füssen) und Andreas Koop (Grafikdesigner, Nesselwang) - beide ausgewiesene Experten in ihren Arbeitsfeldern - ihr Fachwissen und ihre Praxiserfahrung an die Studierenden des Augsburger BA-Studienganges weiter. Sie gehen der Frage nach, was Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens heute leisten, wie sie ihre Leistungen kommunizieren bzw. wie sei sich darstellen. Dabei geht es zunächst um die Geschichte, die Struktur und die aktuellen Rahmenbedingungen des Gesundheits- und Sozialmarktes, dann aber auch um Fragen der Unternehmenskultur und des Erscheinungsbildes, deren Bedeutung in dem Umfang wächst, in dem sich Sozialeinrichtungen zu Dienstleistungsunternehmen entwickeln.

Im Sozial- und Gesundheitswesen eröffnet sich auch für Kommunikations- und Marketingfachleute ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten: In der Krankenversorgung gibt es deutschlandweit über 2.200 Akuthäusern und rund 1.300 Reha-Kliniken mit insgesamt über 1,2 Millionen Beschäftigten. Hinzu kommen rund 500.000 Beschäftigte, die in der Altenhilfe tätig sind. Das Sozialbudget insgesamt liegt bei rund 700 Milliarden Euro. Fröhlich und Koop, die sich im Anhang vorstellen und zu ihrem Engagement im Studiengang Medien und Kommunikation äußern, machen mit den einschlägigen Kommunikations- und Marketing-Grundlagen dieses vertraut und sie bearbeiten gemeinsam mit den Studierenden in Theorie und Praxis exemplarische Corporate Identity-Projekte.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN
* für potentielle Bildungssponsoren:
Wolfgang Wichmann, Schwibbogengasse 23, 86150 Augsburg,
Telefon: 0821/2411009, Telefax: 0821/411010, wowichmann@web.de
* zum Studiengang Medien und Kommunikation:
Prof. Dr. Frank Brettschneider,
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg, 86135 Augsburg,
Telefon 0821/598-5674, Telefax -5666, frank.brettschneider@phil.uni-augsburg.de
http://www.philso.uni-augsburg.de/web2/KW/KW.htm
http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2001/pm2001_106.html

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ANHANG: DIE ERSTEN MEDIEN UND KOMMUNIKATION-BILDUNGSSPONSOREN

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A) IM GESPRÄCH MIT EDMUND FRÖHLICH


Warum haben Sie einen Lehrauftrag an der Uni Augsburg übernommen?

Fröhlich: Zum einen hatte ich schon über mehrere Semester Lehraufträge an Fachhochschulen, weil ich die Auseinandersetzung mit interessierten Studierenden auch für die eigene praktische Arbeit als Anregung finde. Andererseits finde ich es wichtig, dass aus der Praxis ein Wissenstransfer in die Hochschulen hineingetragen wird (und umgekehrt). Der Sozial- und Gesundheitsmarkt ist nicht nur für den gesellschaftlichen Konsens wichtig, sondern er ist auch eines der bedeutendsten Segmente unserer Volkswirtschaft - mit weiteren Wachstumsraten. Aber v. a. gefiel mir die Idee der Studenten um Wolfgang Wichmann, die selbst aktiv auf die Suche nach zusätzlichen Lehrbeauftragten gegangen sind. Das spricht doch für das Engagement des akademischen Nachwuchses.


Was verbirgt sich hinter dem Kürzel MDO ?

Fröhlich: Die drei Buchstaben stehen für Management, Dienstleistung und Organisation. In erster Linie wollen wir damit Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens ansprechen. In diesem Bereich können wir auf jahrelange Erfahrungen zurückgreifen. Gleichzeitig sind wir stets am Puls der Zeit und beobachten die aktuelle Fachdiskussion sowie die Entwicklung neuer Trends in der Gesundheitsbranche.


Warum engagieren Sie sich gerade in einem Non Profit-Bereich?

Fröhlich: Unser Gesundheitswesen befindet sich derzeit in einer großen Umbruchphase. Steigende Ansprüche der Klientel werden künftig zu einem verschärften Wettbewerb auf der Anbieterseite führen. Ökonomisierung und vermehrt auch Privatisierungen machen tiefgreifende Umstrukturierungen notwendig. Vor diesem Hintergrund ist unternehmerisches Know-how - und dazu gehören auch Kenntnisse des Marktes und des Marketings - mit klarem Focus auf Wirtschaftlichkeit und Qualität unverzichtbar, ohne dabei die ethischen Zielsetzungen zu vernachlässigen.


Wo liegen die Stärken Ihres Teams?

Fröhlich: Wir sind ein Team von Fachleuten unterschiedlicher Berufs- und Studienrichtungen. Jeder ein Experte für sich. Kaufleute, Sozialwissenschaftler und Kommunikationsprofis. Bei Bedarf können wir zusätzlich auf ein Netzwerk weiterer Spezialisten zurückgreifen und uns für besondere Problemlösungen das nötige Fachwissen holen. Unsere Stärken sind zeitlich befristetes oder projektbezogenes Management sowie gezielte Marketingaufgaben für Gesundheitsdienstleister.


Wer sind Ihre Kunden?

Fröhlich: In erster Linie sind das Betreiber von Kliniken - schwerpunktmäßig im süddeutschen Raum. Wir begleiten sowohl privat geführte Häuser, als auch Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft. Akutkliniken haben im Augenblick erhöhten Beratungsbedarf, aber auch Rehakliniken oder Senioreneinrichtungen.

Das Experten-Team von Fachleuten verschiedener Erfahrungen und Fachgebiete arbeitet für unterschiedliche Einrichtungen von kleinen gemeinnützigen Trägern ebenso wie für börsennotierte Klinikkonzerne. Bei Bedarf kann man darüber hinaus auf ein bundesweites Netz weiterer Experten zurückgreifen.


Was ist für Sie der besondere Reiz der Selbständigkeit?

Fröhlich: Die absolute Kundenorientierung spüre ich unmittelbar. Das ist immer wieder eine neue Herausforderung. Dies gilt im übrigen für den gesamten Gesundheits- und Sozialmarkt der Zukunft: Wer den Kunden nicht zum Maßstab aller Dinge macht, wird in spätestens zehn Jahren vom Markt verschwunden sein. Dies ist gut für die Patienten und die Sozialversicherung!

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B) IM GESPRÄCH MIT ANDREAS KOOP


Weshalb haben sie den Lehrauftrag an der Universität Augsburg übernommen?

Koop: Informations- und Kommunikationsdesign sind sehr komplexe Gebiete. Entscheidend für den Erfolg sind dabei immer mehrere Aspekte. Grundvoraussetzung ist, dass der Designer seinen Job beherrscht und der Kunde den seinen. Doch das genügt nicht, es ist eine größere Schnittmenge notwendig: der Gestalter muss den Unternehmer bzw. das Unternehmen verstehen - was es tut, wie, warum ... Der Auftraggeber wiederum muss die Möglichkeiten und Grenzen von Design und Marketing kennen. Wenn dazu noch das notwendige Vertrauen entsteht ist eine erfolgreiche Arbeit für den Kunden und seine Kunden fast sicher.

Schwerpunkt meiner Lehrtätigkeit an der Schule für Gestaltung in Ravensburg ist deshalb der größtmögliche Praxisbezug. Hier an der Universität Augsburg entsteht sozusagen das Pendant: potentiellen Kunden und Partnern einen Einblick in die Grundlagen von Marketing und Design vermitteln und ein Gespür für Möglichkeiten und Hintergründe bekommen.

Da wir für den Bereich WTT (Wissens- und Technologietransfer) an der Universität Augsburg tätig sind, wissen wir, wie wichtig der Praxisbezug in jedem Studium ist.


Wer ist die designgruppe koop und was macht sie?

Koop: In meinem Büro in Nesselwang arbeiten eine Handvoll Designer und Auszubildende interdisziplinär in drei Bereichen: an Corporate Designs, also an der Konzeption von visuellen Erscheinungsbildern für Unternehmen, Institutionen oder Projekte. Dem schließt sich die Gestaltung von Geschäftsdrucksachen und Broschüren (corporate communications) an. Vor drei Jahren kam der Bereich screen-design hinzu. Hier werden Internetseiten, CD-ROMs und Infoterminals gestaltet, nicht selten auch für die Kunden des erstgenannten Gebiets. Die dritte Unit beschäftigt sich mit der dritten Dimension: Leit- und Orientierungssysteme, Möblierungskonzepte, didaktische Erschließungen und die Gestaltung von Ausstellungen und Museen.

Dabei wird größter Wert auf eine langfristige und strategische Partnerschaft gelegt. Aufgabenschwerpunkte, Arbeitsstil und Philosophie unterscheiden sich also durchaus von klassischen Werbeagenturen.


Wie kamen sie zu dem Bereich Non Profit?

Koop: Der Bereich nicht-kommerzieller Auftraggeber ist ein äußerst weites Feld. Dazu gehören neben gemeinnützigen Vereinen beispielsweise ja auch Kommunen und Kulturinitiativen etc.

Bei uns kann man Non Profit-Auftraggeber in zwei Kategorien einteilen: zum einen - meist von Kommunen - Projekte aus den Bereichen Kunst und Kultur, die wir meist öffentlichkeitswirksam mit vielen Freiheiten zu Sonderkonditionen bearbeiten. Darüber hinaus - und damit kommen wir zur zweiten Gruppe - gibt es Vereine und Projekte, die wir mit unserer Arbeit unterstützen wie z. b. die Lebenshilfe. Hier arbeiten wir nicht selten ohne Honorar. Da Design ein gesellschaftliches Phänomen ist, sehe ich unsere Verpflichtung darin, auch einen Teil unserer Arbeit wieder an die Gesellschaft zurückzugeben bzw. ihr zugute kommen zu lassen. Dies tun wir sinnvollerweise für die schwächeren und benachteiligten Gruppen.


Beschreiben sie doch einige beispielhafte Projekte bitte genauer!

Koop: Für die Lebenshilfe haben wir beispielsweise eine Testament-Kampagne gestaltet. Sie bestand aus einem Flyer, einer Broschüre und einem Info-Ordner. Im Laufe der Jahre entstanden auch Plakate oder z. B. die neue Leitbild-Broschüre. Zu den Fürstensaalkonzerten der Stadt Füssen wurde ein Markenzeichen entwickelt; seit Jahren gestalten wir die entsprechenden Broschüren und Plakate. Für ein Gesundheitszentrum haben wir ein Redesign des visuellen Erscheinungsbildes erarbeitet und alle folgenden Anwendungen entworfen. Ebenfalls wurde für ein Kolping-Ferienhaus eine komplett neue visuelle Identität entwickelt und umgesetzt. Im Mitte April eröffneten Modelleisenbahn-Museum "Zeitschienen" in Füssen wurde die gesamte Konzeption, Gestaltung und -möblierung von der designgruppe koop entwickelt. Es folgten die Anwendungen im Print- und Onlinebereich. Für das ZWW der Universität Augsburg wurden visuelle Erscheinungsbilder und Broschüren entwickelt. Gerade ist eine neue Imagebroschüre des Bereichs Wissens- und Technologietransfer entstanden.


Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Koop: Dass jeder Auftrag eine neue Aufgabe ist und eine neue Lösung erfordert. Nichts wird zweimal gleich gemacht. Ein anderer Aspekt ist, dass wir mit unserer Arbeit bei Unternehmen aber auch bei Kommunen etwas bewegen und verändern können - oder zumindest häufig ein Initium für neue Bewegung sind. Viele interessante Menschen kennen zu lernen und ständig Neues zu sehen und zu lernen, ist ein Nebeneffekt, der für mich persönlich sehr wichtig ist.
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