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Bioanalytische Quantensprünge auf den Spuren Justus Liebigs

01.05.2003 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Chemienobelpreisträger Prof. John Fenn spricht am 12. Mai 2003 um 20 Uhr zum Auftakt des internationalen Geburtstags-Symposiums "Bioanalytical Quantum Steps" auf Schloss Rauischholzhausen - Pressekonferenz am 13. Mai 2003 um 13 Uhr

Prof. John Fenn, der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 2002, ist auf Einladung der Justus-Liebig-Universität Gießen, insbesondere des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie am Fachbereich 08 - Biologie, Chemie und Geowissenschaften (Prof. Dr. Bernhard Spengler), zu Gast in Mittelhessen.

Prof. John Fenn berichtet am 12. Mai 2003, dem 200. Geburtstag Justus Liebigs, wie sein Lebenswerk dazu beigetragen hat, die molekularbiologische Forschung zu revolutionieren. Der im US-Bundesstaat Virginia lebende Wissenschaftler hat mit seinen Arbeiten zur Massenspektrometrie von Eiweißmolekülen entscheidende Grundlagen zur modernen Bioanalytik geschaffen. Die so genannte Proteomik zur Untersuchung von Funktion und Zusammenspiel von Proteinen gilt heute als eine der Leitwissenschaften des 21. Jahrhunderts.

Fenns Eröffnungsvortrag des internationalen Symposiums "Bioanalytical Quantum Steps", das vom 12. bis 15. Mai 2003 auf Schloss Rauischholzhausen im Ebsdorfergrund stattfindet, trägt den Titel: "Supersonic Transport to a New World of Chemical Analysis" (Auftakt des Symposiums: 12. Mai 2003, 20 Uhr).

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, der genetische Fingerabdruck, der "Rinderwahnsinn" BSE: Stichworte aus der Forschung, die jedermann geläufig sind, die aber nur selten mit dem Namen Justus Liebig in Verbindung gebracht werden. Dass hinter diesen und anderen wissenschaftlichen Erfolgen, seien es Errungenschaften oder die Erkenntnisse von Gefahren, in entscheidender Weise die moderne analytische Chemie und letztendlich die bahnbrechenden Ideen und Visionen des großen Chemikers des 19. Jahrhunderts stehen, ist Thema des internationalen Symposiums, das im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten der Justus-Liebig-Universität Gießen auf Schloss Rauischholzhausen veranstaltet wird. Woher stammen die modernen Techniken, Methoden und Erkenntnisse der Bioanalytik, die unser alltägliches Leben stärker mitbestimmen, als jede andere menschliche Errungenschaft zuvor?

Das Symposium "Bioanalytical Quantum Steps" findet in englischer Sprache vom 12. bis 15. Mai 2003 auf Schloss Rauischholzhausen statt und soll nicht nur das Fachpublikum, sondern auch die breite Öffentlichkeit ansprechen. "Schnupperteilnahme" im Videoübertragungsraum ist kostenlos und ohne vorherige Anmeldung möglich.

Die Vertreter der Medien sind herzlich zu einer Pressekonferenz am Dienstag, 13. Mai 2003, um 13.00 Uhr auf Schloss Rauischholzhausen eingeladen. (Das Schloss ist 30 Kilometer nordwestlich von Gießen im Ebsdorfergrund gelegen.)

Mit einer Auswahl wichtiger Themengebiete beleuchtet das Symposium die Entwicklungsgeschichte heute unverzichtbarer und allgegenwärtiger Methoden. International renommierte Vertreter der unterschiedlichen Forschungsrichtungen diskutieren und illustrieren, wie es zur Entwicklung dieser Methoden kam, wie die entscheidenden Ideen aussahen, woher die Anstöße zu diesen Ideen stammten und welche Zufälle oder Hindernisse bei den Entwicklungsarbeiten eine Rolle gespielt haben.

In einem anschaulichen Bezug und Kontrast zur Wirkungsgeschichte des "Lebenswissenschaftlers" Liebigs wird deutlich werden, in welcher Weise und in welchem Ausmaß wissenschaftliche Erfolge von menschlichen, psychologischen und zufälligen Parametern abhängen und wie weit Forschungserfolg und Nutzbarmachung von Ergebnissen planbar, steuerbar und vorhersehbar ist.

Für diese Tagung konnten herausragende Forscher wie zum Beispiel Prof. Matthias Mann (Odense), Prof. Cathy Costello (Boston), Prof. Marvin Vestal (Framingham) und Prof. Charles Cantor (San Diego) als Redner gewonnen werden, die nur selten gemeinsam zu hören sind. Neben Prof. John Fenn und den Wissenschaftlern Prof. Franz Hillenkamp und Prof. Michael Karas, die über die mit dem Nobelpreis geehrten, aktuellen Methoden der bioanalytischen Massenspektrometrie berichten, wird unter anderem Prof. Klaus Biemann (Massachusetts Institute of Technology) als einer der Begründer dieser wohl wichtigsten Nachweismethode für lebenssteuernde Stoffe wie Eiweiß- oder Zuckermoleküle, die historische Entwicklung der Massenspektrometrie beleuchten.

Neben dem Nachweis kleinster Mengen kompliziertester Moleküle spielt die Auswertung und das Verstehen der erzeugten Datenfluten eine immer größere Rolle. Die Bioinformatik und ihre Verknüpfung mit der molekularbiologischen Forschung gehören daher zu den wichtigsten Arbeitsgebieten der Bioanalytik. Lebewesen als ein Gesamtsystem und nicht nur in einzelnen Bausteinen zu verstehen ist ein weiteres Thema der Tagung. Im Bereich der medizinischen Forschung werden Methoden zur Untersuchung krankhafter Veränderungen oder Varianten in den menschlichen Genen (dem "Bauplan") und Untersuchungen zum "Rinderwahnsinn" BSE und zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diskutiert.

Kontakt:

Prof. Dr. Bernhard Spengler
Institut für Anorganische und Analytische Chemie
Fachbereich 08 der Justus-Liebig-Universität Gießen
Schubertstr. 60
35392 Gießen
Telefon: 0641/99-34800
Fax: 0641/99-34809
E-Mail: Bernhard.Spengler@anorg.Chemie.uni-giessen.de
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