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Die Alterspyramide kippt - Versicherer als Stütze?

01.05.2003 - (idw) Universität Leipzig

Das Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig und die Deutsche Versicherungsakademie (DVA) haben die Tagungsreihe "Insurance meets Science" ins Leben gerufen. Das Motto vereint Wissenschaftler und Praktiker zum Austausch und zur Diskussion. Am 5. Mai wenden sie sich gemeinsam einem drängenden Thema zu: Die Folgen der Überalterung für die Renten- und Gesundheitsvorsorge.

Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung um 41 Prozent auf 8,9 Milliarden Menschen anwachsen, so die Prognose der Vereinten Nationen. Im gleichen Zeitraum wird die Zahl der Europäer von 726 auf 632 Millionen zurückgehen bzw. um 13 Prozent sinken. Die Bundesrepublik mit ihren derzeit rund 82 Millionen Einwohnern bildet in diesem Prozess keine Ausnahme: Je nach Modell werden 2050 noch zwischen 65 und 73 Millionen Menschen in Deutschland leben. Dieser Rückgang geht mit einer deutlichen Veränderung in der Altersstruktur der Bevölkerung einher: Die statistische Lebenserwartung steigt für Frauen auf 85 und für Männer auf 80 Jahre; und angesichts sinkender Geburtenzahlen wird sich die Zahl der über 65-Jährigen innerhalb der Gesamtbevölkerung von 28,6 % (1999) auf 57,3 % im Jahre 2050 erhöhen. "Dieser gewaltige demografische Wandel zu einer schrumpfenden und gleichzeitig alternden Bevölkerung bedeutet eine große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, für die Wirtschaft einschließlich den Arbeitsmarkt, für die sozialen Sicherungssysteme sowie für jeden Einzelnen", resümiert Prof. Dr. Fred Wagner die statistischen Angaben und Schätzungen.
Am 5. Mai kommt dem Experten vom Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig die Aufgabe zu, dieses Problem vor der Tagung "Insurance meets Science" zu umreißen. Unter diesem Motto laden die Deutsche Versicherungsakademie (DVA) München und das Universitäts-Institut zum zweiten Mal nach 2002 Fachleute aus Wissenschaft und Versicherungswirtschaft ein, aktuelle drängende Fragen zu diskutieren - im Mai 2003 wenden sie sich dem Thema "Demografie und Versicherungswirtschaft" zu. Für die Tagung konnten das Institut für Versicherungswissenschaften und die Deutsche Versicherungsakademie renommierte Referenten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gewinnen: Prof. Barbara Riedmüller vom Institut für Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin sowie Prof. Bernd Raffelhüschen von Institut für Finanzwissenschaft I der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg sprechen über demografische Veränderungen und adäquate Gesundheits- und Altersvorsorge; an den Diskussionen des Podiums beteiligen sich Vorstände der Versicherungswirtschaft sowie Vorsitzende bedeutender deutscher Interessenverbände; und im Schlussvortrag wird die CDU-Bundestagabgeordnete Hildegard Müller auf die politische Perspektive der Gesundheits- und Altersvorsorge - insbesondere aus Sicht der jüngeren Generation - eingehen. In der Summe biete die Tagung ein Spektrum, das zum einen Standpunkte aus unterschiedlichsten Bereichen wie gesetzlicher und privater Krankenversicherung, Lebensversicherung, Ärzteschaft und Beratungsfirmen eine Plattform bietet und das zum anderen eine gegensätzliche und dynamische Debatte erwarten lässt. "Die Tagung wird", erläutert Diplom-Kauffrau Kathleen Schröder vom Institut für Versicherungswissenschaften der Universität Leipzig, "die angesprochenen Probleme der Alters- und Gesundheitsversorgung thematisieren und Lösungsansätze jenseits von Ausgabendämpfung, Effizienzsteigerung und Verbreiterung der Finanzierungsbasis erörtern." In Zeiten schlechter Konjunktur, hoher Arbeitslosigkeit und mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland bieten die gängigen Überlegungen keine zufriedenstellenden Antworten mehr.
Bereits jetzt zeichnen sich mehrere Entwicklungen unübersehbar ab, von denen Prof. Wagner einige beispielhaft benennt. So droht der Generationenvertrag zunehmend sein Fundament zu verlieren. Vereinfacht ausgedrückt, bedeutet das: "In 40 bis 50 Jahren müsste eine Person aus der mittleren Generation eine weitere aus der jungen oder alten Generation mit versorgen. Dabei ist es mehr als fraglich, ob in der mittleren Generation genug Lebensressourcen vorhanden sein werden, um wie bisher sowohl das eigene Versorgungsniveau als auch das der jungen und alten Generation ohne weiteres aufrechtzuerhalten." Daran schließt sich die Konsequenz an: Sowohl die gesetzliche Rentenversicherung als auch die gesetzliche Krankenversicherung bedürfen grundlegender Reformen. Konkret für die Rentenvorsorge votiert der Leipziger Versicherungswissenschaftler für "eine deutliche Verschiebung des Rentenzutrittsalters, den Übergang zu einem kapitalgedeckten Rentenversicherungssystem sowie die Stärkung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge".
Mit Blick auf die Verflechtung wissenschaftlicher Erkenntnisse und versicherungswirtschaftlicher Praxis ergeben sich daraus Anregungen, mit denen nicht zuletzt die privaten Versicherer auf den demografischen Wandel reagieren können. In dem steigenden Absicherungs- und Versorgungsbedarf in der Bevölkerung sieht Prof. Fred Wagner für die private Personenversicherung "gleichermaßen eine Chance und eine Aufgabe". Wenn ihr die notwendige Kundenorientierung im Sinne differenzierter Vorsorgeangebote, einer flexiblen Produktgestaltung, intensiver Beratung und Service gelingt, dann, so seine Prognose, "wird das Vertrauen in die private Versicherungswirtschaft wachsen und ihre Rolle in einer vom Wandel geprägten Gesellschaft weiter an Gewicht gewinnen."
Die Ergebnisse der Tagung werden sowohl in der Zeitschrift für Versicherungswirtschaft als auch auf der Webseite des Instituts für Versicherungswissenschaften der Universität Leipzig publiziert. D. W.

Tagung "Demografie und Versicherungswirtschaft" des Institutes für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig und der Deutschen Versicherungsakademie München

Zeit: 5. Mai, 10 bis 18 Uhr --- Ort: Hotel "The Westin" Leipzig, Ballsaal, Gerberstraße 15, Leipzig

Weitere Informationen: Dipl.-Kffr. Kathleen Schröder
Telefon: 0341 124 55 64
E-Mail: schroeder@ifvw.de
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